Haruki Murakami – Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt

Vom japanischen Bestsellerautor Murakami hatte ich bisher nur „Kafka am Strand“ gelesen, welches mir zwar sehr gut gefallen hatte, mich aber auch etwas verwirrt zurücklies. In diesem Buch wurde ich von Murakamis seltsamen Ideen weit mehr gefordert als dies bei „Kafka am Strand“ der Fall war.

Ähnlich wie der Titel des Romans zweigeteilt ist, so ist es auch der Inhalt. Der Ich-Erzähler in „Hard-boiled Wonderland“ ist ein Kalkulator, dessen Aufgabe im ewig währenden Datenkrieg zwischen „System“ und „Fabrik“ darin besteht, Daten zu verschlüsseln und sie damit zu schützen. In dieser Funktion wird er mit einem Auftrag zu einem merkwürdigen Alten geschickt, der sich ein Labor unter einem Bürohaus eingerichtet hat, zu dem man nur gelangt, wenn man durch eine in einem Wandschrank verborgene Tür eine lange Leiter hinabsteigt und am Grund der Schlucht angelangt einem Bach bis zu einem Wasserfall folgt, hinter dem das Labor liegt. Dort betreibt der Alte bahnbrechende Forschungen zu Akustik und Tönen. Er hat sogar eine Methode gefunden, Töne wegzunehmen, um z.B. den Wasserfall vor seiner Tür leiser zu stellen. Diese Forschungsergebnisse soll der Kalkulator nun verschlüsseln.

In abwechselnd dazu vorkommenden Kapiteln befindet sich der Leser gemeinsam mit einem anderen Ich-Erzähler am „Ende der Welt“, einer von einer hohen Mauer umgebenen Stadt, in die man nur gelangt, wenn man beim Torwächter seinen Schatten abgibt. In der Stadt selbst hat alles und jeder seine spezielle Aufgabe. Die unseres Ich-Erzählers besteht darin, im Archiv aus Einhorn-Schädeln alte Träume zu lesen. Was genau es damit auf sich hat, wird ihm selbst und den Lesern erst nach und nach klar.

Zu Beginn des Buches mochte ich die Wonderland-Kapitel viel lieber lesen, da mir die Welt, so verschieden sie doch in den Details von unserer auch ist, bekannt war. Es gab Taxis, Kioske, Zeitungen, … das ganz normale Leben, wie ich es kenne, plus ein paar Extras. In dieser Welt konnte ich mich orientieren und an die Seltsamkeiten herantasten, die dort herrschten. Auch der Ich-Erzähler war mir sympathischer. Er ist keineswegs ein Überheld, sondern versucht nur seine Aufgabe so gut es geht zu erfüllen und will ansonsten nur sein (zugegebenermaßen recht eintöniges und leeres) Leben leben.

Doch je weiter die beiden Handlungsstränge voranschritten, desto mehr fand ich mich auch am „Ende der Welt“ zurecht und verstand ebenso wie dieser Ich-Erzähler die Regeln, die das Leben an diesem Ort bestimmen. Zudem kristallisierte sich langsam eine Vermutung heraus, wie die beiden unabhängigen Handlungsstränge doch miteinander zusammenhängen könnten und ich wurde immer gespannter auf Neuigkeiten vom „Ende der Welt“, so dass ich gegen Ende des Buches hin diese Kapitel herbeisehnte, während ich nur noch halbherzig die Geschehnisse im Wonderland verfolgte.

Weshalb ich dennoch vergleichsweise lange für diesen Roman brauchte („Kafka am Strand“ hatte ich in einem Rutsch ausgelesen), liegt vermutlich zum Einen an der zwar nicht spannungsarmen Handlung in Wonderland, die jedoch durch die ruhigen Kapitel vom „Ende der Welt“ immer wieder herab gekühlt wird, so dass insgesamt keine hohe Spannungskurve entstehen konnte bis kurz vor Schluss. Zum Zweiten ist der Erzählstil von beiden Ich-Erzählern eher ruhig und besonnen, genau wie ihre Charaktere. Sie stürzen sich nicht blind in Abenteuer, sondern sie wägen ihre Optionen ab und entscheiden sich lieber für die sichere Alternative als für die Gefahr.

Sehr gut gefallen hat mir an der Taschenbuchausgabe von btb, welche ich gelesen habe, dass die beiden unterschiedlichen Handlungsstränge auch in zwei verschiedenen Schriftarten abgedruckt waren.

Insgesamt komme ich für meinen zweiten Murakami auf gute 3,5 von 5 Einhornschädeln. Mal sehen, welcher Roman des Japaners mir als nächstes über den Weg läuft.

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Kurt Vonnegut – Schlachthof 5

Vorweg gesagt: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich von diesem Buch halten soll. Laut Rückentext ist es „einer der wichtigsten Antikriegsromane der Weltliteratur“. Doch die Bombardierung von Dresden sowie die sich davor und danach abspielenden Szenen während des 2. Weltkrieges nehmen nur sehr wenig Raum ein. Statt dessen steht das Leben von Billy Pilgrim im Mittelpunkt, der die „Fähigkeit“ hat, mit seinem Geist in seine eigene Zukunft und Vergangenheit zu reisen. Diese Zeitsprünge sorgen im Buch für ziemliches Durcheinander. Ereignisse aus Billys Zukunft (als erfolgreicher Optiker) werden von Geschehnissen aus seiner Kindheit abgelöst, dann wieder wacht er in einer Klinik für Kriegsteilnehmer auf, wohin er nach einem leichten Nervenzusammenbruch eingeliefert wurde, bevor sein Geist sich im Schlachthof 5 in Dresden wieder findet, wo er als Kriegsgefangener untergebracht ist. Reichlich wirr!

Was ich in einem Antikriegsroman überhaupt nicht erwartet hätte: Ufos und die Entführung durch Außerirdische. Doch diese kleinen grünen Tralfamadorianer tauchen immer wieder auf, beinah wie ein roter Faden bei all dem Hin- und Hergespringe durch Billys Leben.

Am Beeindruckendsten an diesem Antikriegsroman war leider das „Vorwort“, das sich in Kapitel 1 verbirgt. Darin spricht der Autor von der Entstehungsgeschichte dieses Buches und erklärt der Frau eines Kriegskameraden, dass es in diesem Buch keine Rolle für John Wayne geben werde, sondern dass er nichts beschönigen werde, erst recht nicht, dass sie damals alle noch fast Kinder waren und keine gestandenen Helden. Daher auch der 2. Titel „Der Kinderkreuzzug“.

Obwohl sich Vonnegut an dieses Versprechen hält und es wirklich keine Rolle für John Wayne gibt, so ist das Buch – kein Autobiografisches, sondern eher ein Roman mit autobiografischen Einsprengseln – doch nur in begrenztem Umfang ein Plädoyer gegen den Krieg an sich. Stattdessen gab es aus meiner Sicht gefährliche Tendenzen in Richtung „laissez faire“, die in Form der Tralfamadoriander auftauchen. Aus ihrer Sicht gibt es keinen freien Willen, sondern jede Situation ist vorbestimmt. Warum also versuchen etwas Vorbestimmtes zu ändern? Warten wir doch lieber auf schönere Zeiten! Nein, diese Philosophie hat meiner Meinung nach nichts in einem Anti-Kriegsroman zu suchen.

Insgesamt bin ich von diesem hochgelobten Werk ziemlich enttäuscht, so dass ich auf nicht mehr als 1,5 von 5 Pelzmänteln komme.

William Golding – Herr der Fliegen

Diesen Roman des britischen Schriftstellers habe ich gelesen, weil er auf der Harenberg Liste der „1.000 Bücher“ steht. Obwohl ich die ungefähre Handlung schon im Vorfeld kannte, war ich neugierig, womit sich Golding den Platz auf dieser Liste verdient hatte. Aber von vorn:
Eine Gruppe englischer Jungen landet aufgrund eines Flugzeugabsturzes auf einer einsamen Insel und muss sich dort behaupten. Während die Älteren versuchen, das Leben auf der Insel zu organisieren und für alle zu sorgen, sind die Jüngeren hauptsächlich mit spielen, baden und essen beschäftigt. Zu Beginn glauben alle noch, es wäre ein Segen, dass sie ganz ohne Erwachsene sind und tun und lassen können, was ihnen gefällt. Doch bald schon trübt sich das Paradies und während einige Jungs versuchen mittels eines Signalfeuers eventuell vorbeifahrende Schiffe auf sich aufmerksam zu machen, etabliert sich in einer anderen Splittergruppe eine Art Dschungeldiktatur mit allem, was dazu gehört. Anfängliche Reibereien werden von immer heftigeren Auseinandersetzungen abgelöst, bis schließlich alles entgleist.
Anhand einiger Äußerungen der Jungen und der wenigen bruchstückhaften Informationen, die man über den Flugzeugabsturz erhält, vermute ich, dass die Handlung während des 2. Weltkrieges angesiedelt ist und die Kinder aus England evakuiert wurden, um vor den Luftangriffen der deutschen Bomberpiloten geschützt zu werden. Darauf aufbauend kann ich die anfängliche Begeisterung über die Erlösung von erwachsenen Aufsichtspersonen gut nachvollziehen, denn es dürfte bei Weitem keine so angenehme Kindheit gewesen sein, wie sie die viele Kinder heute haben.
Viel beeindruckender als die plausibel dargestellte Ausgangssituation war jedoch die realistische Schilderung der beängstigenden Entwicklung, die dieses unfreiwillige Gesellschaftsexperiment nimmt. Die Gruppendynamik innerhalb der zukünftigen Inseldiktatur zeichnet sich bereits zu Beginn des Buches ab und als Leser bemerkt man ihren unheilvollen Einfluss durchgängig bis zum Ende. So gerne man sich einreden möchte, dass man selbst in so einer Extremsituation anders, vielleicht sogar besonnener reagieren würde, so wenig kann man sich dessen sicher sein. Die Jungs waren schließlich auch wohlerzogen im Sinne der Zeit (zum Teil waren ihre Väter beim Militär, da dürfte Strenge vorprogrammiert sein). Und doch konnten sie keine funktionierende Gesellschaft etablieren, ja nicht einmal ein paar Hütten zum Schlafen bauen.
Fazit: Trotz der mir streckenweise schon bekannten Handlung konnte mich das Buch mit seinen Charakterdarstellungen und deren Entwicklung fesseln und beeindrucken. Das ist mir 4 von 5 Wildschweinen wert und den Platz auf der Harenbergliste gab es meiner Meinung nach zurecht.

Vladimir Nabokov – Lolita

Dieser Roman des in die USA emigrierten Russen ist längst in die Riege der Weltliteratur aufgestiegen – obwohl oder weil er nicht unumstritten ist. Dafür sorgt der prekäre Inhalt der Niederschrift, die der Ich-Erzähler im Gefängnis anfertigt. Darin legt er dar, wie er sich als 40jähriger in die kindliche Lolita verliebt, mit ihr eine verbotene Liebesbeziehung beginnt und sich immer mehr im Zauber dieses Nympchens verliert.

Dadurch, dass die Geschehnisse rückblickend erzählt werden, kann der Ich-Erzähler immer wieder Andeutungen und Vorausblicke einflechten. Schon frühzeitig ist so erkennbar, dass seine Obsession und die sich daraus entwickelnde Beziehung zu Lolita ihn in sein Verderben führen. Was genau jedoch zu seiner Verhaftung geführt hat und wessen er angeklagt ist, das ist erst spät erkennbar, obwohl er ständig in Furcht vor einer Entdeckung durch die Behörden und die Polizei lebt. Deswegen verbringt er auch einen Großteil der mehrere Jahre andauernden Beziehung zu seinem Nympchen rastlos auf der Reise quer durch die USA. Nur selten gönnt er sich und seiner Geliebten eine Pause – zu groß ist die Angst davor aufzufallen.

Dass ich als Leserin trotz der egoistischen Ausnutzung des Mädchens durch den Ich-Erzähler diesen nicht unsympathisch fand, sondern stellenweise sogar Mitleid mit ihm hatte, ist der schriftstellerischen Leistung des Autors zu verdanken. Durch seine Charakterisierung spielt er geschickt mit der Täter – Opfer – Zuordnung. Obwohl Nabokov dafür sorgt, dass der Leser nie vergisst, dass sich der Ich-Erzähler mit seinen Handlungen strafbar macht, ist er ebenso ein Opfer seiner Obsession wie Lolita zugleich auch Täterin ist. Denn sie ist sich ihrer Wirkung auf den Ich-Erzähler und auf andere Männer durchaus bewusst und spielt ihre kindlichen Reize aus, um ihren Willen zu bekommen.

Wer in diesem Roman nur eine anstößige Lebensbeichte eines Perversen sieht, der hat meiner Meinung nach lediglich an der Oberfläche gekratzt und sich die Sicht auf die tieferen Ebenen durch Vorurteile verstellt. Eine unbefangene Herangehensweise ist in jedem Fall notwendig, um Gewinn aus der Lektüre zu ziehen. Eltern einer Tochter würde ich daher diesen Roman nur bedingt empfehlen.

Insgesamt gesehen bin ich froh, dass ich dieses Buch gelesen habe. Obwohl ich insbesondere zu Beginn meine Schwierigkeiten mit den verschachtelten Sätzen hatte und auch nicht alle französischen Ausdrücke verstanden habe, hat mich die Charakterstudie und die Tiefe der dargestellten Gefühle beeindruckt. Das ist mir 4 von 5 Straßenkarten wert.

Truman Capote – Frühstück bei Tiffany

Der Ich-Erzähler dieses weltbekannten Romans erinnert sich rückblickend an seine kurze Bekanntschaft mit der jungen, quirligen 19jährigen Holly Golightly, die vom Land nach New York geflohen ist und dort lebenshungrig ein aufregendes Leben auf Kosten der Männer führt, die sie um den kleinen Finger wickelt. Während der Ich-Erzähler zu Beginn nur ein gesichtsloser Nachbar des It-Girls ist (so würde man sie jedenfalls heute nennen), lernt er Holly bald besser kennen und ist von ihrer sprühenden Ausstrahlung fasziniert. Doch er sieht ebenfalls die andere Seite der Medaille, wenn Holly an ihren Träumen zweifelt und sie nur noch ein Schaufensterbummel bei Tiffany, dem berühmten Juwelier, wieder aufmuntern kann.

Durch den Gegensatz zwischen dem bodenständigen Ich-Erzähler und dem exzentrischen Partygirl schafft Capote ein Spannungsverhältnis, in dem verschiedene Welten und Lebensstile aufeinander treffen. Doch trotz oder auch wegen dieser Gegensätze wird der Ich-Erzähler bald zu einer wichtigen Stütze in Hollys Leben und sorgt dafür, dass sie nicht völlig den Boden unter den Füßen verliert. Durch seine Anteilnahme an ihrem Leben erfährt er schließlich sogar die Wahrheit über ihre sorgsam verschwiegene Herkunft und den Grund für ihren übermäßigen Lebenshunger. Dieser Einblick in Hollys Vergangenheit sorgte bei mir dafür, dass ich das egozentrische Mädchen etwas besser verstand und ihre Motive nachvollziehen konnte.

Da ich bisher nur Ausschnitt aus der Verfilmung mit Audrey Hepburn kannte, war ich nicht auf die streckenweise auftauchende bedrückende Stimmung gefasst, die Holly immer wieder befällt und auch auf ihre Umgebung ausstrahlt. Dieser Kontrast zu bunten Partystimmung hat dem Roman eine zusätzliche Note verliehen und mir deswegen gut gefallen.

Insgesamt gesehen bin ich froh, dass ich endlich diesen Klassiker gelesen habe und vergebe 4 von 5 Sonnenbrillen.

Paulo Coelho – Veronika beschließt zu sterben

Die junge Slowenin Veronika hat bereits mit ihren 24 Jahren genug vom Leben gesehen, um zu wissen, dass sie es nicht weitere 50, 60 oder 70 Jahre teilen will. Jeder Tag ist wie der vorherige, nur bestimmt von Pflichtgefühl und dem Wunsch, demjenigen Bild zu entsprechen, dass andere von ihr haben. Nach ihren eigenen Träumen, Wünschen oder Vorstellungen hat jedoch noch nie jemand gefragt.

Der Selbstmordversuch scheitert jedoch und sie wacht in einer psychiatrischen Klinik wieder auf. Doch dort wird ihr von den Ärzten erklärt, dass ihr Herz von den vielen genommenen Schlaftabletten geschädigt wurde und ihr nur noch wenige Tage zu Leben bleiben. Zuerst ist Veronika froh darüber, dass sie es letztendlich doch geschafft hat, sich umzubringen, auch wenn sie noch etwas auf das Ergebnis warten muss. Doch in den ihr noch verbleibenden Tagen lernt sie die Freuden des Lebens kennen und während sie dies tut, reißt sie auch die anderen Insassen der Anstalt aus ihrem Schlummer.

Überraschenderweise hat Coelho die Gedankengänge und die Gefühlswelt einer jungen Frau so genau getroffen, dass ich mich vielfach in der gleichaltrigen Veronika wieder erkannt habe und ihre Ansichten und Schlussfolgerungen geteilt habe. Darin, dass der Autor jedoch ein Mann und gut doppelt so alt ist wie seine Hauptperson, zeigt sich seine Brillanz.

Doch nicht nur Veronika, sondern auch die anderen Bewohner der Klinik wurden gut getroffen und anhand ihrer beispielhaft erzählten Hintergrundgeschichten kann man sich ein sehr gutes Bild von ihnen machen und auch von dem Einfluss, den Veronikas Schicksal auf sie ausübt. Sie entdecken das Leben wieder, vor dem sie sich so lange versteckt haben und endlich gestehen sie sich ein, dass sie nicht verrückt, sondern nur anders sind als der Großteil der Menschen, die außerhalb der Klinik ihrem Leben nachgehen ohne sich jemals Gedanken darüber gemacht zu haben, was sie sich selbst dadurch vorenthalten, dass sie sich nach den Meinungen der anderen richten und nicht ihr eigenes Leben leben.

Insgesamt gesehen hat das Lesen dieses dünnen Buches nur wenige Stunden in Anspruch genommen, doch beschäftigen wird es mich noch viel länger. Dafür vergebe ich 5 von 5 Sonaten.

Ray Bradbury – Fahrenheit 451

Fahrenheit 451 bzw. 232° Celsius ist der Hitzegrad, bei dem Bücherpapier Feuer fängt. Diese Temperatur bestimmt das Leben des Feuerwehrmannes Guy Montag. Doch in seiner Welt löschen Feuerwehrmänner keine Feuer, sondern sie legen sie. Als Brennmaterial dienen dabei Bücher, denn sie sind als Träger aufrührerischer Traktate verboten. Nichts wird so sehr geschätzt wie die Gleichförmigkeit aller Bürger, die durch das interaktive Fernsehen gefördert wird, das alle zu einer großen Familie umformen soll.

Doch Montags Begegnung mit der Tochter seiner neuen Nachbarn, die sich dieser erzwungenen Assimilation widersetzen, bringt auch ihn zum Nachdenken und ehe er sich versieht, liest er in den Büchern, die er eigentlich verbrennen sollte. Dass dies kein gutes Ende nimmt, ist spätestens dann klar, als Montags eigenes Haus Gegenstand des nächsten Einsatzes der Feuerwehr ist. Ihm jedoch gelingt die Flucht und in der Wildnis findet er bei einigen anderen Bücherliebhabern endlich Gleichgesinnte.

Montag ist zwar alles andere als ein geborener Sympathieträger, doch ist es erhellend, seine Wandlung vom Diener des Systems hin zu einem Zweifler und schließlich sogar Gegner zu verfolgen. Seine Gedankengänge und z.T. widersprüchlichen Gefühle sind sehr realistisch dargestellt und haben mir dabei geholfen, eine Verbindung zu Montag aufzubauen.

Obwohl ich den groben Inhalt des Buches bereits kannte, zählte es bisher aber zu meinen Leselücken. Ich bin sehr froh, dass ich diese jetzt geschlossen habe, denn Bradburys Schreibstil hat mich gefangen genommen und mit seiner dystopischen Variante unserer Welt zum Nachdenken gebracht. Denn leider sind wir schon auf dem besten Weg dorthin, wo Bradbury uns gesehen hat: im Fernsehen laufen bereits eine Vielzahl uniforme Unterschichtensendungen, während Bücher zwar nicht unbedingt zu einer aussterbenden Art gehören, aber doch im Vergleich zum TV unterlegen sind.

Da der Roman mittlerweile schon weit über 50 Jahre alt ist, aber immer noch bzw. vielleicht sogar aktueller denn je ist, vergebe ich ganze 4,5 von 5 Salamandern.