Helen Fielding – Schokolade zum Frühstück. Das Tagebuch der Bridget Jones

Dieses Buch besteht aus den Tagebucheinträgen von Bridget Jones, die sich über ein ganzes Jahr erstrecken, vom Beginn im Januar, in dem gute Vorsätze fürs neue Jahr gefasst werden –  nur um anschließend zu beschließen, dass man sofort morgen damit anfängt, sich auch daran zu halten – bis hin zum Dezember, in dem wieder das traditionelle Truthahncurry bei den elterlichen Freunden zum zentralen Gesprächsthema wird, bzw. eher die nicht vorhandene Begleitperson, die Bridget diese Peinlichkeit versüßen könnte.

Bridget, die in den Augen ihrer Mutter Gefahr läuft, als alte Jungfer zu enden und daher dringend verkuppelt werden muss, ist mir als Protagonistin sehr sympathisch, da ich mich aufgrund ihrer lebhaften Tagebucheinträge gut in sie hineinversetzen kann. Einerseits wünscht sie sich einen Freund, der für sie da ist und sie davor bewahrt, ewig einsam zu bleiben. Andererseits jedoch feiern sie und ihre gleichgesinnten Freunde sich dafür, Single und damit unabhängig zu sein und ihr Leben in vollen Zügen genießen zu können, ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Dieser Zwiespalt ist auch heute noch aktuell, vielleicht sogar mehr denn je.

An anderen Stellen macht sich aber bemerkbar, dass das Buch schon vor einigen Jahren verfasst wurde, wenn beispielsweise mal wieder darüber sinniert wird, wie man sich gegenseitig Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlässt oder sich darüber ärgert, dass keine Nachrichten angezeigt wird. Anrufbeantworter sind in Zeiten von Handys und Smartphones doch ein Stück weit aus der Mode gekommen.

Leider nicht aus der Mode gekommen ist das Schönheitsideal, nach welchem man als Frau umso anbetungswürdiger erscheint, je schlanker man ist. Wenn sich Bridget als mollig beschreibt und ihr Gewicht um die 57 kg schwankt, dann dürfte sie maximal 1,50m groß sein, um annähernd als mollig durchzugehen, wobei ihre vermeintlich geringe Größe niemals thematisiert wird.

Zum Schmunzeln brachten mich hingegen die häufig zu Beginn eines Tagebucheintrags abgedruckte Kurzinfo, u.a. zur Anzahl konsumierter Zigaretten und Alkoholeinheiten oder auch der gekauften Lose, mit imaginären Gesprächen verbrachten Minuten oder den Anrufen bei der Telefonauskunft, samt zugehöriger „Wertung“, wie gut oder schlecht das unter den aktuellen Umständen ist. Die darin enthaltene selbstironische Darstellung Bridgets gefiel mir gut.

Neben einer Liebelei mit ihrem Vorgesetzten, einem Jobwechsel, der Beziehungskrise zwischen ihren Eltern und diversen Trennungen und Wiederversöhnungen im Freundeskreis bleibt für den Leser kaum Zeit, um sich zu langweilen, zumal Bridget ihre Tagebucheinträge „frei Schnauze“ geschrieben hat und damit für so manchen Grinser sorgt. Obwohl ich während der Lektüre durchaus neugierig war, ob Bridget den Mann fürs Leben findet und wie die Beziehungskrise ihrer Eltern ausgeht, so kann ich doch nicht behaupten, dass ich vom Buch richtiggehend gefesselt war. In den letzten beiden Monaten des Jahres, durch das wir Bridget begleiten, zog die Spannung jedoch noch mal an und im Nu hatte ich die verbleibenden Seiten verschlungen.

Als leichte Lektüre für Nebenher kam mir das Buch in der gegenwärtigen Stressphase sehr gelegen. Ich bezweifle aber, dass ich es zu einer anderen Zeit ebenso genossen hätte oder nicht doch eher zu Büchern gegriffen hätte, die meinem Lesevorlieben mehr entsprechen würden. So jedoch komme ich auf verhältnismäßig gute 3 von 5 mit dem Anschauen von Prospekten verbrachten Minuten.

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Margriet de Moor – Der Virtuose

Beim titelgebenden Virtuosen handelt es sich um den Kastraten Gasparo, der im Italien Anfang des 18. Jahrhunderts große Erfolge feiert. Zu seinen glühendsten Anhängerinnen zählt Carlotta, die aus dem gleichen Dorf wie er stammt und ihn nach seinem plötzlichen Verschwinden in ihrer Kindheit erst wieder in Neapel auf der Bühne wieder sieht. Obwohl Gasparos ganze Leidenschaft der Musik gilt, gelingt es Carlotta ihn zu verführen und ihn in die Liebe einzuführen.

Tja, das war dann auch schon mehr oder weniger die ganze Handlung. Leider bin ich ziemlich unmusikalisch und konnte mit den Schilderungen der verschiedenen Töne, Stimmübungen und Arien herzlich wenig anfangen. Hingegen gefielen mir die Szenen sehr gut, in denen Carlotta Gasparo verführt und ihn ins Bett lockt. Hier ist es der Autorin sehr gut gelungen Gasparos anfängliche Trägheit darzustellen, die jedoch Carlottas geschickt in Szene gesetzten Reizen nicht widerstehen kann und bald schon in glühende Leidenschaft umschlägt.

Ich vergebe 3 von 5 Trillern.

Elizabeth Amber – Der Kuss des Satyrs

Die drei Satyr-Brüder Nicolas, Raine und Lyon besitzen in der Toskana des 19. Jahrhunderts ein florierendes Weingut, dem sie sich mit ganzer Kraft widmen. Doch als sie eines Tages einen Brief ihres im Sterben liegenden Vaters erhalten, dass er mit drei Menschenfrauen je eine Tochter gezeugt habe und nun die Brüder die Aufgabe hätten, diese zu finden, zu heiraten und zu beschützen, gerät ihre Welt durcheinander.

Nicolas begibt sich als erstes auf die Suche und findet in Tivoli die junge Jane, die gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester bei ihrem (Stief-)Vater und dessen Schwester lebt. Als sie von Nicolas Heiratsangebot erfährt, sieht sie darin die Chance, ihrem alkoholsüchtigen Vater zu entkommen. Doch ihre Andersartigkeit, die kleinen Flügel auf ihren Schultern und ihre Fähigkeit, durch Berührung mit Menschen verschmelzen zu können, lässt sie zögern, da sie sich für abartig hält und nicht will, dass Nicolas davon erfährt und sie danach möglicherweise verbannt.

Was Jane nicht weiß: Nicolas weiß um ihre Andersartigkeit und versucht sie dazu zu bringen, sich ihm anzuvertrauen. Denn auch er hat ein Geheimnis, denn Satyr ist nicht nur sein Familienname, sondern er ist selbst auch einer und in Vollmondnächten wird er vollkommen von der Leidenschaft beherrscht.

Während Nicolas „Fähigkeiten“ nur in Vollmondnächten zu Tage treten und rein körperlicher Natur sind, ist Janes Gabe der Verschmelzung viel interessanter, da sie durch eine Berührung die Gedanken und Gefühle von anderen Menschen wahrnehmen kann. Da sie dadurch psychisch belastet wird, versucht sie so wenig Körperkontakt wie möglich mit anderen zu haben und zieht sich selbst vor ihrer geliebten kleinen Schwester zurück.

Die Wandlung von der eingeschüchterten jungen Frau, die sich selbst erst im Haushalt von Nicolas zurechtfinden und sich einen Platz schaffen muss zur toughen Mätresse ihres Gemahls, die mehr will als nur die Anstandsbesuche ihres Mannes in ihrem Bett ging mir allerdings viel zu schnell von statten, um noch nachvollziehbar zu sein. Auch wie problemlos sie Nicolas Satyr-Natur zur Kenntnis nimmt und auf seine Wünsche eingeht, ist in meinen Augen überzogen.

Da die Autorin allerdings auch keine Charakterstudie zeichnen wollte, sondern sich im Zuge von Vampiren, Gestaltwandlern, Engeln und anderen Sagenwesen aufs weite Feld der Romantasy begab, sind die angesprochenen Punkte vom Leser wohl einfach hinzunehmen, ebenso wie die Tatsache, dass die Toskana des 19. Jahrhunderts jederzeit durch eine beliebige andere Kulisse hätte ausgetauscht werden können, denn vom typischen Italien-Feeling kam bei mir nichts auf.

Die Story an sich ist weder sonderlich tiefgründig noch innovativ, allerdings hat die Autorin einen flüssig zu lesenden Schreibstil, der mit seinen kurzen Sätzen keine große Herausforderung darstellt und daher dazu beiträgt, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Entsprechend der Genreeinordnung des Buches gibt es auch mehrere Sexszenen, die meist recht deutlich geschildert werden und vermutlich nicht viel mit dem damals wohl üblichen prüden Sexualleben in der Ehe zu tun haben.

Wer lediglich einen gut lesbaren und nicht sonderlich anspruchsvollen Unterhaltungsroman sucht und sich von einigen derben Szenen nicht abschrecken lässt, kann hier ruhig mal reinlesen und bei Gefallen kann er sich auf die zwei folgenden Romane freuen, in denen Raine und Lyon ihre jeweiligen zukünftigen Ehefrauen suchen werden: „Die Nacht des Satyrs“ (Mai 2010) und „Die Braut des Satyrs“ (Juli 2010). Wer allerdings mit der ganzen Romantasy-Welle nichts anfangen kann, die derzeit den Markt überschwemmt, sollte auch um dieses Buch einen großen Bogen machen. Von mir gibt’s 2,5 von 5 Weinstöcke.

Lena Morell – In der Gewalt des Jadedrachen

Lana McKenzie, Verlobte des Antiquitätenhändlers Charles Pratt, reist diesem nach Hongkong hinterher, wo sie am Flughafen vom FBI wegen angeblichen Schwierigkeiten mit ihrem Pass festgenommen wird. Vom FBI-Agenten Mark Forrester wird ihr offenbart, dass ihr Verlobter offenbar Teil eines Verbrechersyndikats ist und als solcher an Anschlägen in den USA beteiligt ist. Zwar ist diese Offenbarung für Lara wie ein Schock, dennoch weigert sie sich zu kooperieren. Daraufhin wird die junge Frau von Forrester in ein chinesisches Bordell gebracht und mittels modernster Technik wie Videobrillen und elektrischen Stimulatoren unter Druck gesetzt.

Nach anfänglicher Empörung beginnt Lana die Spiele zu genießen und gibt letztendlich Forresters „Kooperationswünschen“ nach. In den folgenden Tagen erfahren sie, dass hinter den chinesischen Triaden ein noch mächtigeres Syndikat steckt, welches vom „Jadedrachen“ geführt wird. Dieser hat scheinbar noch eine alte Rechnung mit Forrester zu begleichen und setzt alles daran, ihn oder Lana, an der Forrester etwas liegt, in seine Gewalt zu bringen.

Soweit klingt die Story ja noch ganz gut. Was die gute Frau Morell allerdings im Folgenden aus dem Hut zaubert, um ihre Unterweltverschwörung vor dem Leser auszubreiten und im Endeffekt alles zu einem logischen Ende zu führen, enthält für meinen Geschmack zuviel „Zufall“ und zu wenig stringente Handlung. Was will man allerdings auch erwarten von einer Autorin, die selbst zugibt, dass die Handlung hinter die erotischen Szenen zurücktritt.

Diese sind in verschiedensten Ausführungen (Mann-Frau, Mann-Mann, flotter Dreier etc.) in die Handlung eingebaut, damit anscheinend für jeden Geschmack etwas dabei ist. Die zugrunde liegenden Ideen sind in meinen Augen durchaus interessant, allerdings ist die Beschreibung unterste Schublade. Von Erotik ist nicht ein Hauch vorhanden; Ausdrücke wie „erwartungsvoll aufgestellte Schwänze“ und „von ihrer Möse gemolken zu werden“ sind meiner Meinung nach einfach nur vulgär und obszön. Da helfen auch einige andere, nicht erotische Szenen, in denen die Autorin beweist, dass sie mit Worten durchaus eine exotische Atmosphäre aufbauen kann, nicht über diese verbalen Entgleisungen hinweg.

Mehr als 1,5 von 5 Opiumpfeifen ist mir dieser „erotische Roman“ nicht wert.