Christopher Moore – Der törichte Engel

In einer typisch amerikanischen Kleinstadt steht das Weihnachtsfest vor der Tür und in dieser stressigen Zeit kommt es zu mehreren Zwischenfällen, da bei vielen Bewohnern die Nerven blank liegen. Während der Polizist Theo aus lauter Frust anfängt, das angebaute Gras selbst zu konsumieren, hat seine Frau ihre Psychopharmaka abgesetzt, um von dem gesparten Geld ein Weihnachtsgeschenk für ihren Mann zu kaufen. Während sie deswegen langsam den Kontakt zur Realität verliert und sich für die Filmheldin hält, die sie einst verkörpert hat, legt sich Lena mit ihrem Ex-Mann an, der partout nicht für die Bedürftigen spenden will. Als sie von ihm dabei erwischt wird, wie sie auf seinem Grundstück Weihnachtsbäume fällt, erschlägt sie den als Weihnachtsmann verkleideten Dale im Streit mit der Schaufel. Der Junge Josh, der das zufällig mit ansieht, denkt daraufhin, dass der Weihnachtsmann ermordet wurde und wünscht sich nichts sehnlicher, als dass er wieder leben möge. Der Erzengel Raziel, der dieses Jahr auserwählt wurde, um einem Kind zu Weihnachten seinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, erhört Joshs Flehen, aber leider wird nicht nur der angebliche Weihnachtsmann wiederbelebt, sondern auch die Bewohner des nahe gelegenen Friedhofs.

Obwohl die Bewohner von Pine Cove alle mehr oder weniger durchgeknallt sind, war es ganz amüsant, von ihren Problemen zu lesen. Zumindest am Anfang. Theos Versuche, den Mord an Dale aufzuklären, während er selbst unter Drogeneinfluss stand, hatten etwas Tragikomisches an sich. Denn zu seinen Hauptverdächtigen zählt der Durchreisende Tucker Case, der sich in Lena verliebt hat und mit seinem zahmen Flughund bei Dales Ex-Frau eingezogen ist und sie deckt. Doch ausgerechnet er arbeitet als freiberuflicher Pilot für die Drogenfahndung und hat Theos Grasplantage entdeckt. Ein klassisches Patt.

Als jedoch Raziels Part in der Geschichte beginnt, tritt diese verfahrene Situation in den Hintergrund angesichts einer Horde hungriger Zombies, die sich Heiligabend um die Kirche versammelt haben und nur zu gern die Gehirne der noch lebenden Bevölkerung Pine Coves verspeisen möchten. Dabei werden sie vom ermordeten Dale angeführt, der aufgrund seines erst kürzlich erfolgten Versterbens noch am besten erhalten ist und zudem auf Rache an Lena und ihrem Komplizen Tucker Case sinnt.

Ab dieser Stelle verlor ich etwas den Spaß an der Geschichte, denn sie wurde noch abgedrehter als zuvor. Mit den skurrilen Charakteren und ihren Problemen fühlte ich mich gut unterhalten, doch die Zombies führten bei mir zu einer Überdosis an Verrücktheit.

Die Bewohner Pine Coves selbst blieben durchgehend recht schablonenhaft und waren meist sehr stark in der Rolle verankert, die sie zu spielen hatten. Im Nachwort schreibt Moore, dass die meisten Charaktere auch in anderen Büchern auftreten. Wenn man diese kennt, dürfte das Wiedersehen sicherlich für einen netten Bonus sorgen, doch da dies mein erstes Buch des Autors war und die Charaktere für sich allein stehen mussten, konnten sie mich nicht für sich einnehmen.

Insgesamt gesehen konnte mich dieser Roman nicht von diesem hoch gelobten Autoren überzeugen, aber er hat mich auch nicht abgeschreckt, es zukünftig mit einem weiteren Buch Moores zu versuchen. Ich vergebe 3 von 5 verregneten Barbecues.

Nicholas D. Satan – Das Tagebuch des Teufels

Dieses kleine Büchlein enthält Auszüge aus den Tagebüchern des Teufels, die dem Herausgeber exklusiv übergeben und von diesem veröffentlich wurden. Somit kann der Leser endlich die andere Seite der Schöpfungsgeschichte kennen lernen und den ewigen Wettstreit zwischen Gott und Teufel quer durch die Menschheitsgeschichte verfolgen.

Die einzelnen Tagebucheinträge sind nicht zu lang geraten und werden von Bildern und Illustrationen ergänzt. Dabei wird anhand des marmorierten Hintergrunds, der handschriftenähnlichen Schriftart und der amateurhaften Skizzen ein optisch gelungener und authentischer Rahmen für die Notizen des CEO der Satancorp geschaffen. Auch das hochwertige Papier sowie der goldene Schnitt tragen dazu bei, dass dieses kleine Büchlein einen handwerklich sehr guten Eindruck hinterlässt und man gern darin blättert.

Inhaltlich werden bekannte Szenen aus der Bibel aufgegriffen und neuinterpretiert sowie Geschehnisse der nachtestamentarischen Zeit – wie beispielsweise die Inquisition – aus höllischer Sicht beleuchtet. Satan hinterlässt aber keineswegs einen teuflischen Eindruck, sondern eher den eines Geschäftsmannes, der sich mit seinem lästigen Konkurrenten Gott herumschlagen muss und dabei versucht, immer einen Schritt voraus zu sein.

Für strenggläubige Christen ist dieses Buch keinesfalls gedacht. Alle anderen Leser werden die einzelnen Abschnitte mit einem Schmunzeln lesen und sich im Nu durch die nicht mal 200 Seiten geschmöckert haben. Für die nette Idee und die hochwertige Umsetzung vergebe ich 3,5 von 5 Todsünden.