Carsten Steenbergen – Teufelsacker

Als im 13. Jahrhundert auf den Kornfeldern bei Gleidebach zwei Fuhrleute bestialisch getötet werden und ein dritter nur knapp mit dem Leben davonkommt, glauben die Dorfbewohner an einen Dämon. Doch als die junge Katharina die Mönche des nahen Klosters um Unterstützung bittet, hat der Klostervorsteher nur den Umbau der Abtei im Sinn, um mit dem nahen Kölner Dom konkurrieren zu können. Doch Katharina erhält von unerwarteter Seite Hilfe – von Heinrich, dem Sohn des Landvogts, der im Kloster seine Lehrzeit absolviert. Gemeinsam versuchen sie dem Geheimnis des Korngeists auf den Grund zu gehen und weitere Tote zu vermeiden.

Dieser Roman aus der Origin-Reihe des Feder & Schwert-Verlags war mal wieder ein Experiment für mich, denn obwohl ich schon häufiger Horror-Romane gelesen habe, so habe ich doch mit einem historischen Setting noch keine guten Erfahrungen gesammelt. Daher war ich skeptisch, worauf ich mich hier einlassen würde.

Gelungen finde ich die Charakterisierung der Hauptpersonen Heinrich und Katharina. Zu Beginn erscheint Heinrich als der eher weinerliche und verweichlichte Grafensohn und Katharina als die naiv-verliebte Bauerstochter, doch beide beweisen im Laufe der Handlung, dass mehr in ihnen steckt. Insbesondere Heinrichs Entwicklung hin zu mehr Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung wirkt auf mich plausibel.

Gut gelungen fand ich auch die Szenen, in denen der Korngeist auftaucht. Der erste Tote des Dämons wird noch ziemlich ausführlich beschrieben, aber schon sein zweites Opfer nimmt deutlich weniger Raum ein – schließlich weiß der Leser nun schon, wozu der Korngeist in der Lage ist, so dass eine erneute ausführliche Beschreibung des Blutbades nur noch effekthascherisches Splatter gewesen wäre – und dies vermeidet der Autor zum Glück.

Worüber ich mich jedoch während des Lesens maßlos geärgert habe, ist die Charakterisierung der auftretenden Mönche des Klosters, insbesondere des Abts und seines Stellvertreters. Ich kann die Beschreibungen nachvollziehen und die negativen Schlagzeilen unserer Zeit untermauern diese Darstellung, aber das ändert nichts daran, dass mich solche Charaktere maßlos aufregen. Das mag vom Autor so gewollt sein, aber für mich persönlich ist das ein Minuspunkt.

Abfalls eine schalen Nachgeschmack hinterlassen einige offene Fragen am Ende des Romans. Es sind keine weltbewegenden Dinge, doch Kleinigkeiten, über die ich noch länger geknobelt habe, ohne immer zu einem zufrieden stellenden Ende zu kommen.

Insgesamt bleibt so ein durchwachsener Eindruck – überzeugende Hauptfiguren und echter Grusel, ohne die Seiten in Blut zu ertränken, getrübt durch (für mich persönlich) äußerst ärgerliche Nebenfiguren und einige lose Fäden im Gesamtkunstwerk. Daher komme ich summa summarum auf 3,5 von 5 Garben.

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Uwe Schimunek – Katzmann und die Dämonen des Krieges

Als in Leipzig im Februar 1920 der Industrielle August Preßburg ermordet wird, ruft dies natürlich die Presse auf den Plan. Der Lehrling der umstrittenen Leipziger Volkszeitung Heinz Eggebrecht soll dem extra aus Dresden angereisten Journalisten Konrad Katzmann während dessen Recherchen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Während dieses ungleiche Gespann seine Fühler in alle Richtungen ausstreckt, wird das Verbrechen politisiert und schürt damit das Feuer im ohnehin schon brodelnden Kessel. Auf der einen Seite verdächtigen die national Gesinnten die Kommunisten – auf der anderen Seite sehen die Kommunisten darin eine Verschwörung der Nationalisten. Und während die Anspannung immer mehr zunimmt, entdecken Katzmann und Eggebrecht eine ganz andere Spur.

Sehr gut gefallen haben mir an diesem historischen Roman aus der turbulenten Zeit kurz nach dem 1. Weltkrieg die Beschreibungen des früheren Leipzigs. Gespannt habe ich die Schilderungen von damals mit dem heutigen Stadtbild verglichen.

Als gelungen empfand ich auch die Charakterisierung der beiden Journalisten. Katzmann ist ein erfahrener Lebemann, der immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat und den so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Eggebrecht hingegen ist noch unerfahren und fühlt sich dementsprechend unsicher angesichts des überlegenen Kollegen. Diese Gegensätze ergänzen sich während der Ermittlungen sehr gut und auch privat verstehen sich Eggebrecht und Katzmann immer besser. Durch solche Episoden außerhalb des Pressealltags – wie zum Beispiel ein abendlicher Besuch in der Eckkneipe – wird die Geschichte in meinen Augen runder, denn sie veranschaulicht eine weitere Seite des Lebens in dieser brisanten Zeit.

Was ich nicht unbedingt gebraucht hätte, war die unausweichliche Liebesgeschichte zwischen Katzmann und einer hübschen jungen Frau, die er im Zuge seiner Recherchen kennen gelernt hat. Ein Augenrollen konnte ich mir in diesem Augenblick nicht verkneifen.

Ebenfalls weniger gut klargekommen bin ich mit den verschiedensten politischen Gruppierungen. Zwar konnte ich mich noch grob an das erinnern, was ich einst im Geschichtsunterricht gelernt habe, aber die Details waren sehr verschwommen. Ein kleines Glossar hätte mir hier sehr geholfen.

Insgesamt gesehen hat mich der Roman gut unterhalten, auch wenn ich persönlich die historische Seite interessanter fand als die Krimihandlung. Summa summarum komme ich auf 3 von 5 Motorradgespannen. Bei Gelegenheit werde ich mir auch die anderen Romane um den Journalisten Katzmann ansehen, welche alle im Sachsen nach dem 1. Weltkrieg angesiedelt sind.

Michael Blake – Der mit dem Wolf tanzt

Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg hat Lieutenant John Dunbar nur noch den Wunsch, sich an die Siedlungsgrenze im Westen zurück zu ziehen und dort ein ruhiges Leben zu führen. Sein Wunsch wird ihm erfüllt, doch zum Ersten verschwindet jede Spur seiner Existenz aus den Akten, als alle Personen, die von ihm wissen, zufälligerweise bald darauf sterben bzw. verrückt werden, und zum Zweiten wurde das Fort, zu dem Dunbar versetzt wurde, vor Kurzem aufgegeben. Mit dem wenigen, das ihm zur Verfügung steht, richtet sich Dunbar jedoch bald häuslich in den hinterlassenen, teils verfallenen Unterkünften der Armee ein und genießt seine neue Freiheit.

Als ein Stamm von Comanche in der Nähe des Forts ihr Sommerlager aufschlägt, dauert es nicht lange, bis es zu ersten Kontakten zwischen den Indianern und dem einzigen weißen Soldaten des verlassenen Forts kommt. Nach anfänglichen Missverständnissen und den daraus resultierenden Schwierigkeiten finden jedoch beide Seiten zueinander, was nicht zuletzt auch einer weißen Indianerin zu verdanken ist, die seit ihrer Kindheit bei den Comanche lebt. Doch wie sehr kann sich Dunbar in den Stamm eingliedern ohne seine Identität als amerikanischer Soldat zu verlieren? Und wie lange wird es dauern, bis sich die Armee an das aufgegebene Fort erinnert und es erneut in Besitz nimmt? Für welches Leben wird sich Dunbar dann entscheiden – für den Lieutenant im Dienst der amerikanischen Armee oder für Der-mit-dem-Wolf-tanzt, ein geschätztes Mitglied des Comanchenstamms?

Dadurch, dass dies alles von einem auktorialen Erzähler wiedergegeben wird, blieb mir Dunbar ziemlich fremd. Ich konnte zwar sein Handeln nachvollziehen, aber es war mir recht egal, was aus ihm wurde. Dagegen fand ich die Einblicke in das Leben des Indianerstamms gut gelungen, auch wenn ich nicht beurteilen kann, wie realistisch die Schilderungen sind.

Ähnlich wie im Film vermittelt das Buch eine sehr ruhige und beschauliche Atmosphäre, die ich einerseits als entspannend genossen habe, aber andererseits hat sie mich nicht dazu animiert weiterzulesen. Dazu war der Roman größtenteils einfach zu unspektakulär. Im Ergebnis komme ich daher nur auf 2 von 5 Laubhütten.

James Clavell – Shōgun

Als der englische Navigator John Blackthorne nach einer beschwerlichen Seereise in Japan angelangt, wähnt er sich kurz im Land seiner Träume. Doch wird ihm schnell bewusst, dass die japanische Kultur zu Beginn des 17. Jahrhunderts sich fundamental von der europäischen Lebensweise unterscheidet. Durch eine glückliche Fügung kann sich Blackthorne aber als Vasall des mächtigen Daimyos Toranaga etablieren, wodurch er zum Spielball in die anherrschenden Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Feudalherren hineingezogen wird, die trotz gegenteiliger Beteuerungen alle nur das Shōgunat zum Ziel haben – und damit die Herrschaft über ganz Japan.

Zu Beginn ist dem durchschnittlichen Leser das alte Japan ebenso unbekannt und unbegreiflich wie Blackthorne, der die Japaner für grausame Barbaren hält, denen Menschenleben nichts bedeuten. Doch nachdem er, der von den Japanern im Gegenzug ebenfalls für einen Barbaren gehalten wird, am Hof von Toranaga vorgeführt wird und er dort die bezaubernde christliche Konvertitin Mariko kennen lernt, die ihm als Dolmetscherin dient, erhält er bessere Einblicke in das Leben und die Kultur des Lands der aufgehenden Sonne. Da man als Leser diese Entwicklung von Anfang an begleitet, ist der Wandel, der sich in Blackthorne vollzieht, sehr gut nachvollziehbar und auch als Leser nimmt man nach einer Weile eine andere Position ein. Vergangene Taten werden so zwar nicht ungeschehen, aber dank einer Erklärung lässt sich das Geschehene im Gefüge der japanischen Kultur neu verordnen und besser akzeptieren.

Der Hauptgrund für Blackthornes Integration in das japanische Gefüge ist seine Dolmetscherin Mariko. Sie sorgt dafür, dass er seine eigenen Taten und die Auswirkungen auf andere Personen besser einschätzen kann und sich dadurch einen Platz in Toranagas Gefolge erobert. Während dieser Zeit erobert er zusätzlich auch Marikos Herz, was sie sich beide aber keineswegs anmerken lassen dürfen. Diese geheime Liebe sorgt für einige schöne Momente, aber man ahnt die ganze Zeit, dass sie nur ein tragisches Ende nehmen kann, was für einen bitteren Beigeschmack sorgt.

Neben Mariko sorgen auch Abschnitte aus dem Blickwinkel Toranagas und anderer Japaner für eine Gegenposition zu Blackthornes Eindrücken. Abgerundet wird das Panorama durch die Jesuiten, denen als einzig christlicher Orden der Aufenthalt auf den japanischen Inseln gestattet ist. Doch spielen sie dort ein gefährliches Spiel, da sie sich offiziell nicht in die Politik des Reiches einmischen, ihre persönlichen Interessen aber stark von den politischen Entscheidungen der Daimyos abhängen.

Und damit wären wir bei dem Punkt angelangt, der einen Großteil der Handlung dominiert: Politik. Der verstorbene Taiko hat verfügt, dass ein aus fünf Daimyos bestehender Regentschaftsrat die Regierungsgeschäfte übernehmen soll, bis sein einziger Sohn, der Erbe, erwachsen ist. Doch die fünf Regenten, unter denen Toranaga den Vorsitz innehat, sind untereinander verfeindet und jeder spinnt seine Intrigen gegen den anderen. Der gefährlichste von ihnen ist Ishido, ein aus dem Bauernstand emporgekommener Samurai, der mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln nach der Macht greift. Die Schachzüge von Ishido und Toranaga, bei denen Plänen in Plänen und diese wiederum in anderen Plänen versteckt sind, bestimmen den größten Teil der über 1200 Seiten des Buches. Zwar gibt es einige Stellen, an denen die Luft heraus ist und meine Aufmerksamkeit nachließ, doch meistens verfolgte ich das Duell der beiden Strategen gespannt. Wer aufgrund dieser Situation allerdings mit Kämpfen oder gar großen Schlachten rechnet, der wird bitter enttäuscht werden. Abgesehen von einigen Überfällen oder Gemetzeln verläuft der Machtkampf relativ unblutig. Die finale Schlacht zwischen den Kontrahenten wird lediglich in der Zusammenfassung der künftigen Ereignisse auf der letzten Seite des Buches erwähnt, was für mich persönlich ausreichend war.

Ein Highlight für mich waren die eingestreuten japanischen Sätze. Da ich selbst 2 Semester Japanisch gelernt habe, konnte ich einiges davon sogar verstehen – aber bei Weitem nicht alles. Clavell hat es allerdings sehr gut geschafft, diese japanischen Einsprengsel nicht zu häufig zu verwenden und das Gesagte nochmals in Deutsch wiederzugeben, so dass das Verständnis nicht auf der Strecke blieb.

Insgesamt gesehen habe ich diesen Roman sehr genossen und er hat meine Neugierde auf Japan und besonders das porträtierte Zeitalter wieder erweckt. Weitere Bücher zu diesem Thema sind schon auf dem Weg zu mir. Für „Shōgun“ vergebe ich 4 von 5 Shōtō.

Mika Waltari – Sinuhe der Ägypter

Der alte Sinuhe, ehemaliger Arzt und Vertrauter von Pharaonen, wurde aus Ägypten verbannt und verbringt seine letzten Lebensjahre am Ufer des Roten Meers, wo er rückblickend die Geschichte seines Lebens niederschreibt: wie er in einem Binsenkorb auf dem Nil ausgesetzt wurde, von einem Armenarzt und seiner Frau aufgenommen und aufgezogen wurde, wie er im Haus des Lebens zum Arzt ausgebildet wurde, später zum königlichen Schädelbohrer von Pharao Echnaton aufstieg und nach dessen Tod dem ehemaligen Priester Eje und dem Heerführer Haremhab diente, die sich nacheinander auf dem Pharaonenthron niederließen.

Das alles klingt nach einem aufregenden Leben und wahrlich hat Sinuhe viel erlebt. Zu Beginn als unerfahrener Jüngling hatte er daher bei mir auch noch einige Sympathien, doch verflogen diese im Laufe der Zeit. Streckenweise hat er sich so naiv angestellt, dass ich nur noch den Kopf schütteln konnte. Auch später, als er auf seinen ausgedehnten Reise schon einige Erfahrung gesammelt hatte, war sein Handeln bei Weitem nicht immer nachvollziehbar, sondern verlief in ähnlichen Bahnen, die schon zuvor zur Katastrophe geführt hatten, ohne dass Sinuhe deswegen sein Verhalten geändert hätte. Dadurch, dass dies alles aus der Ich-Perspektive erzählt ist, erfährt man als Leser zwar mehr über seine Beweggründe als die oftmals unverständigen Nachbarn, doch half dies nicht im Angesicht der sich im Kreis bewegenden Lebensgeschichte Sinuhes.

Zum Glück wird Sinuhe die meiste Zeit seines Weges über von seinem ehemaligen Sklaven Kaptah begleitet, der eine Schwäche für seinen weltfremden Herrn entwickelt hat, ihn deswegen mit allen Mitteln zu beschützen versucht und dank seiner Schläue und diverser Kniffe für ihrer beider Lebensunterhalt sorgt. Obwohl Kaptah keineswegs eine weiße Weste hat, mochte ich ihn sehr, da seine überschwänglichen Reaktionen einen belebenden Kontrast zu Sinuhes recht emotionsarmen Schilderungen darstellten, die mich selbst in den aufgeladensten Situationen nur gedämpft erreichten.

Besonders am Anfang des insgesamt in 15 Büchern unterteilten Romans war die altertümliche Sprache für mich gewöhnungsbedürftig. Zum Glück gab sich dies nach einigen Seiten (bzw. ich nahm es nicht mehr besonders wahr) aber mit der modernen bildhaften Sprache lässt sich Waltaris Schreibstil nicht vergleichen – im Gegenteil: sie hat mich eher an die staubigen Wüsten Ägyptens erinnert und stellenweise knirschte es so, als ob ich Sandkörner im Mund hätte.

Geknirscht hat es manchmal auch innerhalb der Handlung, wo auf Dinge Bezug genommen wird, die vorher keine Erwähnung fanden oder manche Person, die zwischenzeitlich vom Radar verschwunden war, unverhofft wieder beim Leser vorstellig wurde, als ob sie nie weg gewesen wäre. Solche Brüche haben mich mehrmals aus dem Lesefluss gerissen und waren daher für mich sehr störend.

Insgesamt gesehen kann ich nach der Lektüre dieses Buches wieder einen Haken auf der Liste der 1000 Bücher machen, aber ich kann nicht nachvollziehen, warum dieser Roman so berühmt geworden ist. Zu mehr als 2 von 5 Palmenzweigen reicht es nicht.

Félix J. Palma – Die Landkarte der Zeit

Andrew Harrington, Sohn eines angesehenen reichen Londoner Bürgers, hat sich nach jahrelangem Leiden dazu entschlossen, sich das Leben zu nehmen und dafür den Jahrestag des Mordes an seiner Geliebte gewählt, die als letzte Frau Jack the Ripper zum Opfer fiel, bevor er gefasst und hingerichtet werden konnte. Doch sein Cousin Charles hat gute Neuigkeiten für ihn: seit dem Erscheinen von H.G. Wells Roman „Die Zeitmaschine“ sind Zeitreisen ein großes Thema in der Londoner High Society und nun hat „Zeitreisen Murray“ seine Tore geöffnet und bietet Reisen ins Jahr 2000 an, um dort dem Sieg der letzten Überlebenden gegen die übermächtigen Maschinenmenschen mitzuerleben. Wenn Zeitreisen in die Zukunft möglich sind, warum dann nicht einige Jahre in die Vergangenheit reisen und den Mord an Andrews Geliebter verhindern?

Um das ungewöhnliche Angebot von „Zeitreisen Murray“ dreht sich auch der zweite Handlungsstrang um die junge Miss Haggerty, die von ihrer Freundin Lucy dorthin mitgenommen wird. Angeödet von den Einschränkungen, denen Frauen ihrer Zeit unterliegen, beschließt sie, im Jahr 2000 zu bleiben und dort dem siegreichen Hauptmann Shackleton beim Wiederaufbau zu helfen. Leider scheitert ihr Fluchtplan jedoch und sie muss zusammen mit den anderen Zeitreisenden ins London am Ende des 19. Jahrhunderts zurückkehren, wo sie eines Tages unvermutet wieder Hauptmann Shackleton gegenüber steht.

Im dritten Handlungsstrang schließlich wird die Verbindung zwischen H.G. Wells als Autor des Romans, der Mr. Murray erst die Idee zu seinem Unternehmen eingab, und der Umsetzung in „Zeitreisen Murray“ dargestellt. Leider besteht zwischen den beiden Herren eine Antipathie, die bei ihrer Begegnung zu spürbaren Spannungen führt. Unglücklicherweise benötigt Murray aber Wells Hilfe, denn es wurde eine Leiche gefunden, die mit einer Waffe umgebracht wurde, die es noch gar nicht gibt – und der ermittelnde Detectiv von Scotland Yard hat daraus nun die Schlussfolgerung gezogen, dass der Mörder mittels einer der von Murray durchgeführten Zeitreisen zu ihnen gelangt ist.

Obwohl alle drei Handlungsstränge durch einige Personen, Orte und Begebenheiten miteinander verknüpft sind, werden sie streng voneinander getrennt in den drei Teilen erzählt, aus denen der Roman besteht. Im Ergebnis kann man daher auch sagen, dass drei von einander unabhängige abgeschlossene Erzählungen in diesem Buch vereint sind, die jedoch einige Gemeinsamkeiten haben. Von daher gibt es keinen durchgehenden roten Faden oder sogar eine stringente Spannungskurve. Das einzige, was den Leser durch alle Seiten hinweg begleitet ist die Frage, was er glauben kann und was nicht. Ist dies eine Alternativweltgeschichte, in der Zeitreisen tatsächlich möglich sein sollten? Oder ist alles nur ein geschickt errichtetes Lügengebäude?

Für Zweifel sorgt zusätzlich der Erzähler, der die meiste Zeit über unsichtbar bleibt, sich zu manchen Gelegenheiten aber direkt an die Leser wendet und mit seinem allumfassenden Wissen prahlt. Diese Einschübe haben mich allerdings immer wieder aus der Geschichte geholt und damit nur für genervtes Augenrollen gesorgt. Zum Glück sind diese Stellen aber relativ selten.

Ansonsten hat Palma hier ein recht solides Buch geschrieben, dessen Charaktere zwar stellenweise sehr einfältig waren, aber ansonsten lebensnah dargestellt wurden, ohne dass ihr Schicksal mir dabei besonders nahe ging. Die Handlung(en) an sich weisen zwar eine interessante Grundidee auf, die in meinen Augen aber noch mehr hätte genutzt werden können. Zusätzlich hat es sich der Autor recht einfach gemacht, die Akzeptanz von Zeitreisen in seiner Gesellschaft zu erklären. Einen Pluspunkt hingegen gibt es für die Gedanken, die er sich um die möglichen Verwicklungen gemacht hat, die aus seinen Prämissen entstehen können. Insbesondere der letzte Abschnitt des Buches hat mich noch mal ziemlich ins Grübeln gebracht.

Fazit: Trotz der angeführten Schwächen hat mir die Lektüre dieses Buches einige Stunden Bahnfahrt versüßt und ich kann es denjenigen Lesern weiterempfehlen, die eher ruhig erzählte Geschichten mögen, welche versuchen, ihre Leser hinters Licht zu führen und zu verwirren, so lange sie sich nicht zu viel versprechen. Für mich persönlich lag der stärkste Effekt des Romans darin, dass ich auf „Die Zeitmaschine“ von H.G. Wells neugierig geworden bin, die hier für so viel Verwirrungen gesorgt hat. Dafür gibt es 3 von 5 Ledersesseln.

Frank Schätzing – Tod und Teufel

Im Köln des 13. Jahrhunderts schlägt sich Jacop, wegen seiner flammend roten Haare „der Fuchs“ genannt, als Dieb und Bettler durch. Während einer seiner Streifzüge beobachtet er, wie der Dombaumeister von einem plötzlich hinter ihm aufgetauchten Schatten vom Gerüst in den Tod gestürzt wird. Bevor er so richtig realisieren kann, was er gerade gesehen hat, flieht er vom Tatort. Durch zwei angebliche Zeugen wird beinah ganz Köln davon überzeugt, dass der Tod des angesehenen Mannes nur ein Unfall war. Jacop hingegen weiß es besser, doch jeder, dem er erzählt, was er gesehen hat, stirbt bald darauf. Zwei Möglichkeiten bleiben dem Fuchs jetzt noch: die Flucht oder der Kampf. Unterstützt von seiner Zufallsbekanntschaft Richmondis, ihrem Vater und ihrem Onkel nimmt er den Kampf gegen den Unbekannten auf und stößt dabei auf eine Intrige, die die Herrschaft über Köln zum Ziel hat.

Die Hauptperson Jacop ist ein Dieb und Tunichtgut, dem ich nicht viel abgewinnen konnte. Sein loses Mundwerk, mit dem er sich aus manch kniffliger Situation herausgeredet hat, war ein sympathischer Charakterzug, doch hat sich mir der Eindruck aufgedrängt, dass Jacop mehr aus seinem Leben hätte machen können, als er gewillt war. Er gefiel sich zu sehr in seiner Rolle als berühmt-berüchtigter Dieb „der Fuchs“. Als er dann mitbekommt, in welchen Schlamassel er geraten ist, reagiert er zudem mehr verschüchtert und nicht wie der Kämpfer, der er gern sein würde. Ohne Unterstützung von Richmondis und ihren beiden Männern hätte er vermutlich einfach aufgegeben. Im Gegensatz dazu steht die resolute Richmondis, die an Jacop einen Narren gefressen hat, sowie ihr Vater und Onkel, die beide einem guten Schluck nicht abgeneigt sind und sowohl nüchtern als auch in angetrunkenem Zustand Debatten über Gott und die Welt führen. Über dieses Gespann habe ich mich während des Lesens amüsiert und auch Richmondis war mir sympathisch.

In einem zweiten Erzählstrang blickt der Leser in das Lager der Verschwörer, die hinter dem Tod des Dombaumeisters stecken, und erfährt, was sie zu dieser Tat bewogen hat. Positiv zu vermerken ist, dass sie nicht einfach nur aus Machtgier agieren, sondern sie gute Gründe für ihr Handeln haben. Auch gibt es innerhalb der Gruppe manche Charaktere, die verschieden starke Grautöne in der Charakterzeichnung aufweisen und von denen ich sogar mit einem sympathisieren konnte.

Die Handlung an sich ist ziemlich simpel gestrickt. Nachdem sich Jacop endlich zum Kampf gegen seine unbekannten Widersacher entschlossen hatte, versuchte er gemeinsam mit seinen neuen Freunden mehr über den Mörder und seine Hintermänner herauszufinden, woraufhin diese mit neuen Vertuschungs- und Erpressungsversuchen reagieren. Die Auflösung des Konflikts hat mir gut gefallen, denn sie war ziemlich realistisch und das Beste, was man in dieser Situation erwarten konnte.

Ähnlich wie in „Der Schwarm“ konnte sich Schätzing in diesem Buch auch nicht zurückhalten und hat viele seiner Rechercheergebnisse in der Handlung untergebracht. Während es mir im „Schwarm“ nicht so sehr gestört hat, fand ich hier die Dialoge, in denen das Wissen vermittelt wird, reichlich plump und aufgesetzt und zu einem guten Teil auch überflüssig, da viel zu weit ausgeholt wird, um zum Kern der Sache vorzudringen.

Fazit für mich: obwohl dieser historische Krimi nicht schlecht ist, hat mir „Der Schwarm“ als moderner Wissenschaftsthriller ein ganzes Stück besser gefallen. Von daher vergebe ich für „Tod und Teufel“ nur 2,5 von 5 Äpfeln.