Iqura Sugimoto – Variante. requiem for the world

Diese 4bändige Manga-Reihe habe ich heute spontan gekauft und gleich verschlungen. Im Buchladen selbst haben mich als erstes die Cover angesprochen, auf denen die Hauptperson Aiko zu sehen ist, ein 15jähriges Mädchen, dass unvermittelt aus ihrem behüteten Leben gerissen und in eine Hölle aus Blut und Tod geworfen wird. Denn nicht nur, dass ihre Eltern einem Gewaltverbrechen zum Opfer fallen – sie selbst gehört ebenfalls zu den Opfern. Doch dann erwacht sie wieder zum Leben mit einem linken Arm, der nicht ihr eigener ist.

Eine geheime Regierungsorganisation namens ATHEOS, deren Aufgabe der Kampf gegen Chimären ist, nimmt sich des Mädchens an. Untersuchungen ergeben, dass Aiko ein völlig normales Mädchen ist – bis auf ihren linken Arm, der der einer Chimäre ist. Von der raschen Abfolge der unheilvollen Ereignisse und Offenbarungen völlig überfordert, verliert Aiko ihren Lebenswillen und ist bereit, ATHEOS als Versuchskaninchen zu dienen. So lange sie den Albtraum der Ermordung ihrer Eltern nicht nochmal erleben muss, ist sie zu allem bereit. Doch Sudo, ein Ermittler bei ATHEOS, hat das Mädchen ins Herz geschlossen und versucht ihr, so gut es geht beizustehen. Er schafft es auch, ihren Lebenswillen wiederzubeleben und fortan ist Aiko von dem Wunsch besessen, sich ihren eigenen Platz in der Welt zu verschaffen. Notfalls auch als Kämpferin im Dienste von ATHEOS – eine lebende Waffe im Kampf gegen die Chimären. Doch ATHEOS spielt ein falsches Spiel …

Im Manga-Programm des Egmont-Verlags wird diese in 4 Bänden abgeschlossene Serie ins Genre Mystery eingeordnet und dort ist sie meiner Meinung nach auch sehr gut aufgehoben. An der Oberfläche entspricht das Setting unserer Welt, nur dass es im Untergrund Chimären gibt, hungrige Monster, immer auf der Jagd nach ihrer nächsten Mahlzeit. Der Bevölkerung wird ihre Existenz verschwiegen und nur eine geheime Organisation steht zwischen den Chimären und ihrer Beute. Was genau die Chimären sind und wie sie entstanden, bleibt am Anfang völlig im Dunkeln, doch nach und nach fallen immer mehr Puzzlestücke an ihren Platz und am Ende hat der Leser eine stimmige Lösung in Händen.

Sehr beeindruckt hat mich bei diesem Manga die Darstellung der Hauptperson Aiko. Sie durchläuft eine rasante Entwicklung von einem verwöhnten, weinerlichen Mädchen zu einer harten Kämpferin, doch im Grunde ihres Herzens ist sie immer noch verunsichert und ängstlich. So einen Schock, wie sie ihn erlitten hat, kann keiner von heute auf morgen verarbeiten und genau das wird bei ihr deutlich. Sie baut eine Mauer um sich herum auf, versucht sich selbst von der Richtigkeit ihres Tuns und ihrer Entscheidungen zu überzeugen und stürzt sich mit Feuereifer auf den winzigen Lichtblick, den ihr Sudo bieten kann, und doch kann das nicht über ihre Labilität hinwegtäuschen.

Aikos jeweilige Einstellung kommt auf den schwarz-weiß Zeichnungen sehr gut zum Tragen, denn die Gefühle, die sie gerade bewegen, spiegeln sich deutlich in ihren Augen wieder. Auch sonst sind die Grafiken gelungen. Die Strichführung ist klar, so dass zumeist eindeutig zu erkennen ist, was dargestellt wird. Lediglich während der Kampfszenen wirken manche Panels etwas unscharf, was andererseits die Situation unterstreicht.

Dass dieser Manga sich keineswegs an Kinder und jüngere Jugendliche richtet, ergibt sich nicht nur aus dem Inhalt selbst, sondern auch aus dem Zeichenstil. Große Kulleraugen à la Sailor Moon oder Pokémon wird man hier vergeblich suchen. Stattdessen findet man Massen an abgerissene Gliedmaßen und blutgetränkte Seiten. Als Altersempfehlung würde ich mindestens ein „ab 16“ befürworten.

Für mich persönlich kam dieser Manga gerade sehr gelegen, denn mit seiner traurigen, tapfer gegen die Hoffnungslosigkeit ankämpfenden Protagonistin hat er mich sehr berührt und zum Glück hat auch das Ende diesen Eindruck nicht durch überzogene Fröhlichkeit zerstört. Dafür vergebe ich 4 von 5 Regenschirmen und wer „Neon Genesis Evangelion“ mochte, der sollte hier unbedingt auch mal einen Blick riskieren.

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CLAMP – Magic Knight Rayearth II

  • Fremde Mächte
  • Kampf um Cephiro
  • Starke Herzen

Nach den Geschehnissen am Ende der ersten Trilogie sind Hikaru, Umi und Fuu in ihre eigene Welt zurückgekehrt, doch es lässt sie nicht los, was sich in Cephiro zugetragen hat. Als sie sich erneut auf dem Tokyo Tower treffen, um sich gegenseitig zu trösten, werden sie erneut nach Cephiro gerufen. Als sie dort jedoch ankommen, existiert das friedliche und wunderschöne Land, dass sie bei ihrem ersten Aufenthalt kennen gelernt haben, nicht mehr. Statt dessen reagiert das Chaos und immer mehr Teile der Welt verschwinden, da kein Pfeiler mehr da ist, der für das Wohlergehen Cephiros betet.

Da es jedoch auch keinen Pfeiler mehr gibt, kann niemand die Magic Knights gerufen haben und somit gibt es auch niemanden, der sie zurück in ihre eigene Welt bringen kann. Obwohl sie sozusagen gestrandet sind und nichts für das unmittelbare Schicksal der Welt und ihrer Bewohner tun können, fühlen sie sich für diesen Zustand verantwortlich und wollen helfen, wo immer sie es können. Hilfe kann Cephiro auf jeden Fall gebrauchen, da drei der umliegenden Fremdländer sich aus den unterschiedlichsten Gründen auf den Weg gemacht haben, das Land zu erobern und sein neuer Pfeiler zu werden. Das kann nur dadurch verhindert werden, indem in Cephiro selbst die Person hervortritt, die den Weg zum Pfeiler betreten kann.

Von der ersten Trilogie heben sich diese drei Bände, die einige Zeit nach den vorherigen Mangas einsetzen, durch eine wesentlich düstere Grundstimmung ab. Von der heiteren Ausgelassenheit insbesondere des ersten Bandes ist nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil, selbst die sonst so ausgelassene und vorlaute Umi ist mehr in sich zurückgezogen und ruhiger. Die Erlebnisse am Ende des dritten Bandes „Entscheidung in Cephiro“ haben bei allen Mädchen ihre Spuren hinterlassen und sie reifen lassen.

Die Weiterentwicklung der Charaktere wird zudem durch die Einführung neuer Handelnder in Form der Fremdländer ergänzt, so dass den Leser eine völlig andere Situation als in den Vorgängern erwartet. Durch die größere Ernsthaftigkeit, die über der ganzen Handlung lag, sprachen mich die Mangas mehr an und ich konnte sehr gut mit den drei Heldinnen mitfühlen. Das ist mir in Kombination mit den erneut sehr ansprechenden Zeichnungen insgesamt 4,5 von 5 Mashins wert.

CLAMP – Magic Knight Rayearth I

  • Von Tokyo nach Cephiro
  • Die Quelle Eterna
  • Entscheidung in Cephiro

Während eines Schulausflugs auf den Tokyo Tower werden die drei Mittelschülerinnen Hikaru, Umi und Fuu plötzlich in die fantastische Welt Cephiro gesogen. Dort werden sie von Guru Clef, einem Zauberer empfangen, der ihnen eröffnet, dass sie zu den legendären Magic Knights werden sollen, um Cephiro zu retten. Doch bevor er ihnen weitere Einzelheiten mitteilen kann, werden sie angegriffen und die drei Mädchen fliehen, während Clef zurückbleibt um zu kämpfen. Auf sich allein gestellt versuchen sie, sich in der fremden Welt zurecht zu finden und die ihnen zugedachten Rollen zu erfüllen. Nur so können sie jemals zurück in ihre eigene Welt finden.

Bereits anhand der drei 14jährigen Protagonistinnen wird deutlich, dass sich dieser Manga vor allem an ein weibliches jugendliches Publikum richtet. Die Charakterisierung der Mädchen ist eindeutig und bietet für jeden Geschmack etwas zur Identifikation: die burschikose Hikaru, die offen und ehrlich ist, sich bei allen Erlebnissen aber eine kindliche Ader bewart, die etwas schüchterne und zurückhaltende Fuu, die die Rolle der intelligenten Brillenschlange übernimmt, oder die ungestüme und vorlaute Umi, die zwar oberflächlich wirkt, aber sich für ihre Freunde aufopfern würde.

Aufgrund ihrer unterschiedlichen Wesenszüge ergänzen sich die Drei sehr gut und werden im Laufe ihrer Abenteuer zu engsten Freundinnen. Dabei fand ich es besonders zu Beginn ihres Aufenthalts in Cephiro amüsant zu sehen, wie sie sich versuchten die Welt anhand ihrer Kenntnisse von Computer-Rollenspielen zu erklären, was natürlich nicht immer aufging und besonders die Bewohner Cephiros oft ratlos zurücklies. Diese humorvolle Komponente tritt jedoch im 3. Band zunehmend in den Hintergrund und die Wahrheit hinter der Legende der Magic Knights wird offenbart. Obwohl ich die Mangas bereits mehrmals gelesen hatte und daher wusste, was geschehen würde, hatte ich beim Lesen der letzten Seiten trotzdem wieder einen Knoten im Hals. Die enthaltene Moral trat dabei zwar deutlich, für meinen Geschmack aber nicht übertrieben plakativ an die Oberfläche, so dass auch Menschen, die nicht der eigentlichen Zielgruppe entsprechen, eine kurzweilige Lektüre mit nachdenklichem Ausgang erwartet.

Kurz noch zwei Worte zu den Zeichnungen: die Linienführung ist klar und man kann die verschiedenen Personen einwandfrei identifizieren. Positiv ist zudem, dass man bei den diversen Kämpfen, die nicht übertrieben ausführlich dargestellt werden, auch nicht den Durchblick verliert, sondern nachvollziehen kann, wer gerade wie agiert bzw. reagiert.

Obwohl meine erste Lektüre der Mangas schon einige Jahre zurückliegt, konnte mich die Story dennoch problemlos wieder gefangen nehmen. Von mir gibt es nostalgische 4 von 5 reifenden Waffen.

Yoshiyuki Sadamoto / Gainax – Neon Genesis Evangelion

Nachdem ich mir letztens den 11. Band dieser Mangaserie gekauft habe, wurden sie am Wochenende allesamt nochmals gelesen, um die Zusammenhänge wieder griffbereit zu haben. Allerdings stieß ich auf mein übliches Problem: ich verstehe die Zusammenhänge einfach nicht!

Zur Handlung: Die Erde wurde im Jahr 1999 angeblich von einem riesigen Meteoriten am Südpol getroffen, der auf der Stelle das gesamte Polareis zum Schmelzen brachte und somit für massive Überschwemmungen und andere Katastrophen sorgte. Die Hälfte der Menschheit kam um und die Überlebenden haben nun, 15 Jahre danach, endlich Fortschritte beim Wiederaufbau gemacht. Doch da tauchen die „Engel“ auf. Keiner weiß, was sie sind und was sie wollen – außer einer Geheimorganisation namens Seele und ihrem ausführenden Organ NERV. Shinji, Sohn des Kommandanten von NERV wurde als Pilot für einen riesigen humanoiden Kampfroboter, einen Evangelion, ausgewählt, um die Menschheit vor den Engeln zu beschützen. Dabei erfährt er, dass in Wirklichkeit der sog. Second Impact nicht durch einen Meteoriten ausgelöst wurde, sondern man fand am Südpol einen Engel, bei dessen Untersuchung eine gewaltige Explosion ausgelöst wurde. Die Aufgabe der EVA-Piloten ist es, den Third Impact zu verhindern, den die Engel auslösen würden, wenn sie mit dem in Berührung kämen, was im Keller des NERV-Hauptquartiers aufbewahrt würde.

Die Story an sich ist spannend, die Charaktere vielfältig und die Zeichnungen meist sehr klar strukturiert. Allerdings nehmen die Verwicklungen im Laufe der Handlungen immer weiter zu und nur selten findet ein klärendes Gespräch statt, was einige Knoten wieder auflöst. Was genau will Seele nun eigentlich? Die Vernichtung der Menschheit für einen Neuanfang? Und warum ist Kommandant Ikari, Shinjis Vater, scheinbar auf ihrer Seite? Um dadurch ungestörter an seinem eigenen Plan arbeiten zu können? Und was hat es mit dem Human Instrumentality Project auf sich? Die Verbesserung der Menschheit? Und was ist eigentlich Adam??? Einmal wird er als der erste Mensch dargestellt, ein in Bakelit eingelegtes kleines amonitähnliches Wesen – und einmal als der riesenhafte, unvollständige Koloss im Keller des NERV-Hauptquartiers.

Hilfe, ich blicke überhaupt nicht mehr durch. Wenn mich irgendjemand etwas aufklären könnte (nicht über Bienchen und Blümchen 😉 ), dann wäre ich dafür sehr dankbar.