Daniel Domscheit-Berg – inside WikiLeaks

WikiLeaks war mir persönlich ein Begriff durch die Veröffentlichung der diplomatischen Depeschen der USA. Weder zuvor noch danach wieder habe ich etwas von dieser Website mitbekommen. Nur der Gründer Julian Assange geisterte noch eine Weile durch die Nachrichten, die ich mitbekam. Kürzlich fiel mir bei meinem Wochenendeinkauf dieses Buch im Supermarkt in einer Grabbelkiste auf und spontan nahm ich es mit. Am gleichen Abend war es dann auch schon ausgelesen. Ein gutes Zeichen?

Der Autor Daniel Domscheit-Berg, manchen vielleicht unter seinem Pseudonym Daniel Schmitt bekannt, stieß relativ zeitig zu WikiLeaks und machte sich insbesondere als Sprecher der Enthüllungsplattform einen Namen. Doch aufgrund diverser Quereleien trennte er sich von Julian Assange und dessen Website und startete mit OpenLeaks ein ähnliches Projekt, allerdings nach den Regeln, auf die er sich mit Assange nicht einigen konnte. Was genau alles hinter den Kulissen ablief, wie Domscheit-Berg zu WikiLeaks fand, sich dort immer mehr einbrachte, welche Erfahrungen er während seiner Zeit dort sammeln konnte und wie es schließlich zu seiner – recht unschönen – Trennung von WikiLeaks kam, schildert er in diesem Buch.

Von Anfang an ist hier klar, dass dies keinesfalls ein objektiver Tatsachenbericht wird. Domscheit-Berg hat vielmehr das Ziel, seine Erlebnisse an die Öffentlichkeit zu bringen und ihr damit einen Einblick hinter die Kulissen von WikiLeaks zu gewähren – einer Website, die sich die totale Transparenz als Ziel gesetzt hat, sie von anderen einfordert, aber sich selbst nicht daran halten konnte. Als Leser ist man während jeder Phase dabei, die Domscheit-Berg dabei auch emotional durchläuft – die Begeisterung zu Beginn, die schleichende Ernüchterung und schließlich die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann. Dabei versucht er auch selbst seine eigenen Gefühle und Gedanken rückblickend zu relativieren, gibt auch manche Überreaktion zu, ist sich aber auch bewusst, dass er nur ein Mensch ist und in dieser oder jener Situation einfach die Emotionen mit ihm durchgegangen sind.

Für den sachlichen Unterbau sorgen neben einer Chronologie im Anhang, an der man sich auch während des Lesens immer wieder gut orientieren kann, zahlreiche Ausschnitte aus Chats, die Domscheit-Berg sowohl mit Assange unter vier Augen als auch in größerer Runde geführt hat.

Für eine abendfüllende Lektüre war dieser Blick hinter die Kulissen ganz aufschlussreich und ich kann jetzt auch mehr mit WikiLeaks anfangen, als es nur auf die diplomatischen Depeschen zu reduzieren, aber ich fürchte, dass ansonsten nicht viel des Inhalts lange hängen bleiben wird. Die Welt hat sich seitdem weitergedreht und meine Interessen liegen zudem auf völlig anderen Gebieten. Daher komme ich für diesen Spontankauf auf durchschnittliche 2,5 von 5 Leaks und werde das Buch wohl beim nächsten BC-Treffen freilassen. Einen dauerhaften Platz in meinen Regalen hat es sich nicht verdient.

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George E. Koskimaki – D-Day with the Screaming Eagles

Die Invasion in der Normandie durch die alliierten Streitkräfte am 6. Juni 1944 stellt einen der Wendepunkte des 2. Weltkriegs dar. Tausende Soldaten verschiedenster Einheiten waren bei diesem Einsatz dabei. Für die Fallschirmjäger der 101. Airborne Division stellte dieser Einsatz ihre Feuertaufe als kämpfende Einheit dar. Der Autor dieses Buches, George E. Koskimaki, war einer dieser Männer.

Im Gegensatz zu den Büchern von und über die Männer der Easy Company oder auch den Erinnerungen von Burgett hat Koskimaki einen völlig anderen Ansatz gewählt, um die Ereignisse jenes Tages wiederzugeben. Er brachte nicht nur seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse zu Papier, sondern auch die Dutzender anderer Männer aus allen Regimentern, Bataillonen und Kompanien der 101. Luftlandedivision. Dabei bedient er sich aus ihm zur Verfügung gestellten Briefen, Tagebüchern, mündlichen Berichten und auch später verfasster Niederschriften der Erlebnisse der Männer.

Diese Darstellungsweise hat sowohl Vor- als auch Nachteile aus meiner Sicht: vorteilhaft ist, dass man nicht nur auf die Erlebnisse und Sichtweisen einer oder weniger Personen beschränkt ist, sondern ein umfassenderes Bild erkennen kann und die einzelnen Puzzlestücke zu einem größeren Ganzen zusammengefügt werden. Nachteilig ist allerdings, dass man dadurch mit einer Vielzahl von Personen, Aktionen und Orten konfrontiert wird und darum kämpfen muss, die Zusammenhänge zu erkennen und nicht den Überblick zu verlieren.

Dem genannten Nachteil hat Koskimaki dadurch zu begegnen versucht, indem er das Buch in verschiedene Bereiche gliedert, die sich den einzelnen Regimentern und innerhalb der Regimenter den Bataillonen widmen. So beginnt er nach einer Einleitung mit den Pfadfindern, die noch vor den Fallschirmjägern abgesprungen sind, um die Absprungzonen zu markieren und damit den ihnen nachfolgenden Flugzeugen den Weg zu weisen. Einer übergreifenden Beschreibung der Vorbereitungsmaßnahmen und des Flugs über den Kanal bis zum Absprung über der Normandie folgen die einzelnen Missionen des 501. Regiments, des 502. Regiments und des 506. Regiments, wobei es zahlreiche Querverbindungen zwischen diesen Abschnitten gibt. Anschließend kommen auch die Gleiterpiloten und ihre Besatzungen zu Wort ebenso wie die von den Soldaten so genannten Engeln der Barmherzigkeit – Priester und Sanitäter.

Dem Titel des Buches folgend beschränkt Koskimaki sich zeitlich gesehen einzig und allein auf den 6. Juni als Tag der Tage – D-Day. Auf die darauf folgenden Tage, Wochen und Monate wird nur hin und wieder verwiesen, ohne diesbezüglich ins Detail zu gehen.

Insgesamt gesehen lässt mich dieses Buch etwas zwiegespalten zurück. Als Pluspunkt kann ich vermerken, dass ich nach den Büchern rund um die Band of Brothers und Burgetts Erinnerungen durch Koskimakis Sammlung von Erlebnissen vieler Männer eine bessere Vorstellung davon bekommen habe, welche Ausmaße der Einsatz der Fallschirmjäger hatte und wie es anderen Einheiten ergangen ist. Dieser Horizonterweiterung steht entgegen, dass mir die persönliche Bindung, die ich zu den Autoren oder porträtierten Soldaten in den vorgenannten Büchern aufbauen konnte, hier völlig gefehlt hat und die Einzelnen in der Masse an Namen und Berichten untergingen. Dementsprechend komme ich auf im Fazit auf 3 von 5 Hecken.

Für die nächste Lektüre über den 2. Weltkrieg stehen „D-day: June 6, 1944: The Battle For The Normandy Beaches” von Stephen Ambrose und “Overlord. D-Day and the Battle for Normandy” von Max Hastings zur Auswahl.

Donald R. Burgett – A Screaming Eagle at Normandy / in Holland / at Bastogne / in Germany

Donald Burgett war einer von vielen jungen Männern, die sich nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor freiwillig zur Armee meldeten. Er entschied sich für die Fallschirmjäger und wurde schließlich der 101st Airborne Division, 506 Paratrooper Infantry Regiment, 1st Battallion, A Company zugeteilt. Was er während seiner Ausbildung und den anschließenden Kampfeinsätzen in Europa erlebte, schrieb er nach dem Krieg nieder. Seine Erinnerungen umfassen insgesamt 4 Bücher:

  • Currahee! A Screaming Eagle at Normandy
  • The Road to Arnhem. A Screaming Eagle in Holland
  • Seven Roads to Hell. A Screaming Eagle at Bastogne
  • Beyond the Rhine. A Screaming Eagle in Germany

Als Mitglied der “Able” Company des 506. Fallschirmjägerregiments war Burgett quasi ein Kollege der Mitglieder der aus der TV-Serie „Band of Brothers“ bekannt gewordenen „Easy“ Company. Da sie dem gleichen Regiment angehörten, waren auch die Kampfeinsätze beider Einheiten grundsätzlich identisch.

Der erste Unterschied, der zwischen den Büchern der Easy Company (u.a. „Brothers in Battle, Best of Friends“, „Beyond Band of Brothers“ oder „Easy Company Soldier“) und Burgetts Büchern ins Auge fällt, ist der Umfang. Während die Bücher der Easy Company meist um die 300 Seiten umfassen, ist Burgetts Werk 3-4 mal so umfangreich. Der Grund hierfür liegt darin, dass Burgett seine Erinnerungen zeitnah nach der Rückkehr aus dem Krieg niederschrieb, als sie noch wesentlich frischer und dadurch auch detailreicher waren. Manche Aktionen, die rein zeitlich gesehen nur wenige Minuten dauerten, werden von Burgett ausführlich über mehrere Seiten rekonstruiert und dem Leser geschildert.

An dieser Stelle möchte ich auf einen weiteren wesentlichen Unterschied zwischen Burgetts Büchern und der Easy Company hinweisen: die persönliche Beziehungen zwischen den Soldaten und die Bindung zwischen Autor und Leser. Während ich bei den Männern der Easy Company beim Lesen gemerkt habe, wie nahe sie sich standen und wie viel sie miteinander geteilt haben, so habe ich dies bei Burgett sehr vermisst. Ja, natürlich fanden seine Kameraden häufig Erwähnung, doch meist nur im Sinne davon, welche Rolle sie bei diesem oder jenem Einsatz gespielt haben bzw. wer es nicht überstanden hat. Von den besonderen Bindungen zwischen Männern, die gemeinsam durch die Hölle gegangen sind, habe ich leider nicht sehr viel mitbekommen. Dies führte in der Folge auch dazu, dass ich zu Burgett selbst kein so intensives Verhältnis aufbauen konnte wie beispielsweise zu Guarnere oder Malarkey.

Insgesamt gesehen bieten Burgetts Bücher einen sehr guten und detailreichen, wenn auch ungeschönten und dadurch manchmal sehr schwer verdaulichen Einblick in die Erlebnisse eines jungen Soldaten im 2. Weltkrieg im „european theatre of operations“. Seine persönlichen Erinnerungen werden an manchen Stellen durch Kenntnisse ergänzt, die er später über parallel ablaufende Einsätze oder Geschehnisse erlangte und dabei halfen, seine eigene Rolle besser einschätzen zu können. Leider blieb mir persönlich bei all den Fakten die persönliche Ebene zu sehr im Hintergrund, was zu einem Punktabzug führt. Ich komme zusammengenommen auf 3 von 5 M1-Gewehren sowie eine mit oben genannten Einschränkungen verbundenen Empfehlungen für alle Leser, die  sich für die Erfahrungen der Soldaten im 2. Weltkrieg interessieren.

Marcus Brotherton – We who are alive and remain. Untold stories from the Band of Brothers

Nachdem die HBO-Miniserie “Band of Brothers” ausgestrahlt wurde, erschienen einige Biografien über und Erinnerungen von den Männern, die als Mitglieder der Easy Company in dieser Serie porträtiert wurden. Der Autor Marcus Brotherton arbeitete als Co-Autor an der Autobiografie von Lt. Buck Compton mit. Während dieser Zeit lernte er viele andere Männer aus der Easy Company kennen und erfuhr von deren Geschichten, die noch unerzählt waren. Er beschloss, auch diese wertvollen Erinnerungen der Öffentlichkeit zugängig zu machen.

Insgesamt 20 Überlebende der Band of Brothers trugen zu Brothertons Buch bei und sprachen dabei über Dinge, über die sie zum Teil mehr als 60 Jahre Schweigen bewahrt hatten. Im Gegensatz zu seinem Buch „A Company of Heroes“ hat er die einzelnen Erinnerungen der Männer jedoch chronologisch sortiert und vereint so die verschiedenen Stimmen zum gleichen Ereignis, anstatt den Männern nacheinander Raum für ihre Erinnerungen einzuräumen.

Der Vorteil dieses Aufbaus ist, dass man unmittelbar zusammenhängend erfährt, wie unterschiedlich manche Geschehnisse erfahren wurden. So hört man beispielsweise im Kapitel „The day everything changed“, an welchen Orten und unter welchen Umständen die Jungs vom Angriff auf Pearl Harbor erfuhren und wie sie diese Nachricht aufnahmen. Während einige sofort realisierten, dass dies den Eintritt der USA in den Krieg bedeutete und sie sich unmittelbar zur Armee meldeten, waren andere ungläubig gelähmt und begriffen erst in den folgenden Wochen den Umfang der dadurch in Gang gesetzten Ereignisse.

Als nachteilig am Aufbau des Buches empfand ich hingegen, dass es mir als Leser erschwert wurde, eine Bindung zu den einzelnen Männern aufzubauen, da ich immer nur Bruchstücke aus ihrer Geschichte erfuhr. Wenn dann in einem der folgenden Kapitel vom jeweiligen Erzähler auf etwas Bezug genommen wird, was zuvor geschah, so musste ich manches Mal zurückblättern und nochmals nachlesen, um den Zusammenhang zu erkennen.

Als gelungen empfand ich, dass Brotherton sich nicht nur auf das Kriegsgeschehen konzentrierte, sondern bei der Kindheit der späteren Kämpfer begann und auch ihre Erlebnisse nach der Rückkehr aus Europa nicht verschwieg. Ihre Erzählungen, wie sie mit der Gewöhnung an ein ziviles Leben zu kämpfen hatten und mit den Erinnerungen, die sie verfolgten, hat die Perspektive abgerundet und eine Glorifizierung des Kriegseinsatzes verhindert.

Zum Abschluss des Buches hat Brotherton die Familien von 3 Männern der Easy Company interviewt, die selber nicht mehr zu diesem Projekt beitragen konnten. Dieses Beiträge bieten einen guten Ausblick auf Brothertons Folgeprojekt „A Company of Heroes“.

Insgesamt gesehen war ich – wie auch bei „A Company of Heroes“ – froh darüber, mehr über die Mitglieder der Easy Company zu lernen, die vorher nur Namen in den Erzählungen der anderen waren. Jedoch hatte ich einige Schwierigkeiten mit dem gewählten Aufbau des Buches, so dass ich „nur“ auf 3,5 von 5 Flaschen Heineken komme.

Marcus Brotherton – A Company of Heroes

Der Autor Marcus Brotherton hatte schon mehrere Jahre vor dem Verfassen dieses Buches engen Kontakt mit der Easy Company, u.a. als Co-Autor der Memoiren von Lt. Lynn „Buck“ Compton und als Urheber des Buches „We who are alive and remain“, in dem 20 der überlebenden Mitglieder der Easy Company interviewte und ihre Geschichten erzählte.

Was eigentlich als Anhang zu „We who are alive an remain“ gedacht war, entwickelte seine eigene Dynamik: die Leben derjenigen zu bewahren, die nicht mehr unter den Lebenden weilen. Das Ergebnis dieser Dynamik ist das vorliegende Buch, in dem die Angehörigen und Freunde von 26 Männern der Easy Company die Erinnerungen an ihre Liebsten wieder lebendig werden lassen.

Obwohl Brotherton das Material seines Buches aus Interviews mit den Beteiligten gewonnen hat, gießt er dieses Material in die Form eines Essays aus dem Munde eines der Angehörigen. Als Leser hört man damit nicht dem Autor zu, sondern demjenigen, der die Erinnerung an seinen Vater, Bruder, Onkel oder Freund bewahren möchte. Dadurch wird dem außenstehenden Leser ein sehr persönlicher Zugang gewährt, der mich auf emotionaler Ebene sehr berührt hat.

In insgesamt 4 Abschnitten, von denen sich 3 jeweils mit Mitgliedern der Easy Company beschäftigen, die den Krieg überlebt haben, aber bis zur Niederschrift des Buches schon verstorben waren, die als einfache Soldaten, Unteroffiziere oder Offiziere gedient haben. Obwohl diese Männer aus dem Krieg in ihre Heimat zurückkehrten, so können sie doch nicht pauschal als glückliche Heimkehrer abgestempelt werden. Manche wurden im Krieg schwer verletzt und kämpften nun damit, sich ein neues Leben aufzubauen. Andere wiederum kehrten körperlich unversehrt oder wieder gesundet zurück, trugen aber ihre seelischen Lasten mit sich herum, die z.T. nicht einmal durch ein gesundes Umfeld im Kreis der Familie aufgefangen werden konnten. Bei viel zu vielen Beiträgen blickten die Erzähler auf ein schwieriges Leben ihrer Angehörigen und Freunde zurück, dass durch Alpträume, Verbitterung, Verunsicherung und Alkohol geprägt war. So mancher versuchte, seine Erinnerungen im Alkohol zu ertränken und ertrank dabei selbst mit. Doch es gab auch Soldaten, die ihr ziviles Leben meisterten und eine glückliche Familie gründeten, die ihnen den Halt gab, um die im Krieg durchlebten Gräuel zu verarbeiten.

Von den im letzten Abschnitt Porträtierten hatte leider keiner die Gelegenheit, sich mit dem Leben nach dem Krieg auseinander zu setzen, da sie alle ihr Leben im Krieg ließen und damit das höchste Opfer brachten. Wenn man liest, wie allein die Erwähnung ihrer Namen den überlebenden Soldaten vor Rührung die Tränen in die Augen trieb und sie die Zurückgebliebenen in den höchsten Tönen loben, so konnte ich nicht anders als mit ihnen zu trauern – um die Männer, die sie waren und die Männer, die sie hätten werden können.

Insgesamt gesehen hat Brotherton mit diesem Buch eine bewegendes Denkmal für die Männer der Easy Company geschaffen, die ihre Geschichte nicht mehr selbst erzählen konnten. Dank dieser Erzählungen bekamen viele Personen ein Gesicht und einen Hintergrund, die in den zuvor von mir gelesenen Büchern nur Namen waren. Wer sich mit der Easy Company beschäftigt, für den sollte kein Weg an diesem Buch vorbeigehen. Ich vergebe 4 von 5 Überseepaketen.

Marcus Brotherton – Shifty’s War

Der Untertitel des Buches fasst den Inhalt gut zusammen und macht deutlich, in welchen Gefilden ich lektüretechnisch immer noch unterwegs bin: „The Authorized Biography of Sergeant Darrell „Shifty“ Powers, the Legendary Sharpshooter from the BAND OF BROTHERS“.

Obwohl Shifty Powers zwar in jedem Einzelnen der Büchern der anderen Männer der Easy Company erwähnt wurde, so hatte er doch meist nur Kurzauftritte und erwähnenswert war vor allem sein überragendes Talent beim Umgang mit dem Gewehr. Doch wer war dieser Mann, den zu beschießen es sich nicht lohnte, wenn er seine M1 dabei hatte?

Geboren wurde Shifty in einem kleinen Bergbaustädtchen namens Clinchco geboren und wuchs dort in der ländlichen Umgebung auf. Schon von klein auf begleitete er seinen Vater auf Jagdausflügen und lernte dabei die Aufmerksamkeit und Beobachtungsgabe, die ihn nicht nur zu einem exzellenten Schützen werden ließen, sondern die ihm und seinen Kameraden im Krieg später das Leben rettete.

Als der Krieg nach dem Angriff auf Pearl Harbor das Leben in den USA von heute auf morgen veränderte, meldete sich Shifty gemeinsam mit Popeye Winn freiwillig zu den Fallschirmjägern, von wo aus sein Weg als einer der Toccoa-Männer über die zahlreichen Trainingscamps bis zur Operation Overlord, der Invasion der Normandie führte. Als einer von ganz wenigen seiner Einheit überstand Shifty diesen Einsatz und alle folgenden ohne schwerwiegende Verletzungen, doch als er gegen Ende des Krieges während einer Lotterie unter den Männern des 506. Regiments ausgewählt wird und ein Ticket nach Hause gewinnt, wird er ausgerechnet auf dem Weg zurück zu seiner Familie noch auf den Bergstraßen Österreichs in einem Autounfall schwer verletzt.

Doch Shifty wäre nicht Shifty, wenn er sich davon unterkriegen ließe und so übersteht er den Genesungsprozess mit stoischer Ruhe, um anschließend nach Clinchco in seine Heimatstadt zu seiner Familie zurückzukehren. Wie schwer ihm die Wiedereingewöhnung in das zivile Leben fiel, bleibt in der Folge nicht unerwähnt, doch seine Frau und seine Kinder geben ihm den notwendigen Rückhalt für ein stabiles Leben. Als er im Juni 2009 stirbt, wird er in einer stillen Zeremonie im Kreis seiner Familie und seiner Freunde beigesetzt.

Was ich mir beim Lesen dieses Buches immer wieder mühsam bewusst machen musste, ist das ich nicht die Autobiografie dieses beeindruckenden Mannes las, der mit Ruhe und Beharrlichkeit sein Leben meisterte, sondern die Biografie verfasst von Marcus Brotherton. Der Grund dafür, dass ich mich so sehr in Shiftys Erzählung verlieren konnte, liegt zum einen darin, dass die eigentliche Biografie aus der Ich-Perspektive geschrieben ist. Der Autor hat im Vorwort seine Gründe für diesen ungewöhnlichen Schritt erläutert und das Ergebnis gibt ihm recht. Aufgrund seiner zahlreichen früheren Gespräche mit Shifty selbst und mit dessen Verwandten und seinen Kameraden aus der Easy Company hat Brotherton nicht nur das Fundament für dieses Buch legen können, sondern er hat die Persönlichkeit von Shifty in seinem Schreibstil eingefangen, so dass ich beim Lesen des Buches meinte, ich würde Shifty zuhören, wie er über sein Leben erzählt. Und dies ist der zweite Grund dafür, dass mich das Buch so sehr gefangen nahm.

Im Nachwort des Buches nimmt sich der Autor nicht nur die Zeit für Danksagungen, sondern er listet pro Kapitel nochmals auf, welche Darstellung auf welchen Quellen beruht und wo er einige Details im Rahmen der schriftstellerischen Freiheit eingefügt hat, um das Geschehen plastischer zu gestalten.

Insgesamt gesehen hat mich dieses Buch von allen, die ich bisher von und über die Männer der Easy Company gelesen habe, am meisten beeindruckt. Zum Einen liegt das an Shifty selbst und seiner Persönlichkeit, zum Anderen liegt es aber auch an dem von Brotherton gewählten Stil, der einen viel intensiveren Zugang zu Shiftys Erinnerungen gewährt als dies bei einer formalen Biografie möglich wäre. Dafür vergebe ich 4,5 von 5 Eichhörnchen.

Don Malarkey – Easy Company Soldier

Ebenso wie die Männer, deren Autobiografien und Biografien ich zuvor gelesen hatte, war Don Malarkey Mitglied der Easy Company, die als Fallschirmjägereinheit im 2. Weltkrieg gekämpft hat – vom Sprung in die Normandie zum D-Day bis zur Eroberung von Berchtesgaden und Hitlers Adlerhorst zu Kriegsende.

Don Malarkey war als einer der Toccoa-Männer von Anfang an dabei, hat die Schikanen von Captain Sobel ertragen, durchlief die zahlreichen Trainingslager in den U.S.A. und England, sprang in die Normandie, kämpfte in Holland und überstand die Schlacht um Bastogne. Doch was dort geschah, trieb ihn an den Rand der Klippe und so lernen wir Malarkey zu Beginn in seiner Autobiografie kennen: an einem Feuer in den Wäldern um Bastogne stehend und sich mit der Überlegung tragend, ob er sich nicht eine Kugel ins Bein jagen sollte, um aus dieser Hölle zu entkommen. Doch was bringt diesen jungen Mann, der von seinen Kameraden hoch geachtet und geschätzt wird, an diesen Punkt?

Beginnend mit seiner Kindheit und Jugend, die er in Astoria, einer Kleinstadt an der Pazifikküste verbrachte, breitet Malarkey vor dem Leser sein Leben bis zu diesem Zeitpunkt aus. Obwohl er manchmal etwas heißblütig ist und unüberlegt handelt, so gehört er doch zum harten Kern der Easy Company und war einer der zuverlässigsten Soldaten. Als er während der Kämpfe in der Normandie und in Holland grauenhafte Dinge erlebt, helfen ihm seine engsten Freunde in der Einheit, damit umzugehen. Wenn alle zusammenstehen, dann wird es einfacher, das Schlimme in eine dunkle Ecke zu packen und nicht mehr daran zu denken. Doch als erst Joe Toye und Bill Guarnere schwer verwundet werden und wenige Tage später sein bester Freund Skip Muck getötet wird, verliert Malarkey seine Balance und ist nahe daran, zusammenzubrechen. Dass er es letztlich schafft, auf den Beinen zu bleiben, weiter seinen Dienst zu tun und sich um die Männer zu kümmern, für die er als Sergeant verantwortlich ist, das ist es, was die Männer der Easy Company auszeichnet: ihr unbedingter Wille, nicht aufzugeben. Und dafür bewundere ich sie sehr, insbesondere nachdem ich Malarkeys eindringliche Schilderungen seiner Gefühle und Gedankengänge gelesen habe.

Ein Thema, welches bisher nur von Malarkey aufgegriffen wurde, ist die Verbindung der Männer zu den zurückgebliebenen Frauen ihrer Kameraden. Nachdem Skip Muck in den Ardennen getötet wurde, fühlte sich Malarkey dafür verantwortlich, dessen Verlobten einen ausführlicheren Brief zu schreiben als das obligatorische Telegramm der Army. Da Malarkey die Geliebte seines besten Freundes aus dessen zahlreichen Schilderungen schon beinah persönlich zu kennen glaubte, war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, ihr nach dem Tod von Skip so gut als möglich beizustehen und sie in ihrer Trauer zu stützen. Die Bindungen zwischen den einzelnen Männern beschränkten sich somit nicht nur auf das Schlachtfeld, sondern sie teilten sich auch ihre privaten Briefe und Geschichten über ihr Leben vor der Armee, so dass die in diesen Leben vorkommenden Frauen mit in die „Familie“ aufgenommen wurden.

Obwohl Malarkeys Biografie rein von den Fakten her nichts grundlegend Neues zu den Schilderungen von Winters und Guarnere/Heffron beitragen konnte, so hat er dennoch einen neuen emotionalen Blickwinkel auf die Geschehnisse eröffnet und andere Punkte in den Fokus gerückt, so dass ich froh darüber bin, auch dieses Buch gelesen zu haben. Für seine eindringlichen Beschreibungen komme ich auf 4 von 5 Rosenkränzen.