Daniel Domscheit-Berg – inside WikiLeaks

WikiLeaks war mir persönlich ein Begriff durch die Veröffentlichung der diplomatischen Depeschen der USA. Weder zuvor noch danach wieder habe ich etwas von dieser Website mitbekommen. Nur der Gründer Julian Assange geisterte noch eine Weile durch die Nachrichten, die ich mitbekam. Kürzlich fiel mir bei meinem Wochenendeinkauf dieses Buch im Supermarkt in einer Grabbelkiste auf und spontan nahm ich es mit. Am gleichen Abend war es dann auch schon ausgelesen. Ein gutes Zeichen?

Der Autor Daniel Domscheit-Berg, manchen vielleicht unter seinem Pseudonym Daniel Schmitt bekannt, stieß relativ zeitig zu WikiLeaks und machte sich insbesondere als Sprecher der Enthüllungsplattform einen Namen. Doch aufgrund diverser Quereleien trennte er sich von Julian Assange und dessen Website und startete mit OpenLeaks ein ähnliches Projekt, allerdings nach den Regeln, auf die er sich mit Assange nicht einigen konnte. Was genau alles hinter den Kulissen ablief, wie Domscheit-Berg zu WikiLeaks fand, sich dort immer mehr einbrachte, welche Erfahrungen er während seiner Zeit dort sammeln konnte und wie es schließlich zu seiner – recht unschönen – Trennung von WikiLeaks kam, schildert er in diesem Buch.

Von Anfang an ist hier klar, dass dies keinesfalls ein objektiver Tatsachenbericht wird. Domscheit-Berg hat vielmehr das Ziel, seine Erlebnisse an die Öffentlichkeit zu bringen und ihr damit einen Einblick hinter die Kulissen von WikiLeaks zu gewähren – einer Website, die sich die totale Transparenz als Ziel gesetzt hat, sie von anderen einfordert, aber sich selbst nicht daran halten konnte. Als Leser ist man während jeder Phase dabei, die Domscheit-Berg dabei auch emotional durchläuft – die Begeisterung zu Beginn, die schleichende Ernüchterung und schließlich die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann. Dabei versucht er auch selbst seine eigenen Gefühle und Gedanken rückblickend zu relativieren, gibt auch manche Überreaktion zu, ist sich aber auch bewusst, dass er nur ein Mensch ist und in dieser oder jener Situation einfach die Emotionen mit ihm durchgegangen sind.

Für den sachlichen Unterbau sorgen neben einer Chronologie im Anhang, an der man sich auch während des Lesens immer wieder gut orientieren kann, zahlreiche Ausschnitte aus Chats, die Domscheit-Berg sowohl mit Assange unter vier Augen als auch in größerer Runde geführt hat.

Für eine abendfüllende Lektüre war dieser Blick hinter die Kulissen ganz aufschlussreich und ich kann jetzt auch mehr mit WikiLeaks anfangen, als es nur auf die diplomatischen Depeschen zu reduzieren, aber ich fürchte, dass ansonsten nicht viel des Inhalts lange hängen bleiben wird. Die Welt hat sich seitdem weitergedreht und meine Interessen liegen zudem auf völlig anderen Gebieten. Daher komme ich für diesen Spontankauf auf durchschnittliche 2,5 von 5 Leaks und werde das Buch wohl beim nächsten BC-Treffen freilassen. Einen dauerhaften Platz in meinen Regalen hat es sich nicht verdient.

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