Jussi Adler-Olsen – Carl Mørck (2) – Schändung

Nachdem der dänische Ermittler des Sonderdezernats Q seinen ersten Fall um das Verschwinden der Politikerin Merete Lynggaard erfolgreich zum Abschluss gebracht hat („Erbarmen“), kann er sich seinen zweiten Fall nicht selbst aus dem Stapel alter, ungeklärter Verbrechen aussuchen, sondern wie von Geisterhand landet eine Akte auf seinem Tisch.

Dieses Mal geht es um den Doppelmord an zwei jugendlichen Geschwistern vor 20 Jahren in einem Ferienhaus. Lange verliefen die Ermittlungen im Dunkeln, doch Jahre später stellte sich einer aus der damals in Verdacht geratenen Internatsclique und gesteht alles. Die übrigen Mitglieder sind heute angesehene Geschäftsmänner und bekannte Namen in der dänischen Gesellschaft. Um diese Herren nicht in Verruf zu bringen und weil bereits ein Schuldiger rechtskräftig verurteilt wurde, wird Mørck von höchsten Stellen nahegelegt, den Fall ruhen zu lassen. Dass ihn dies erst recht anstachelt, den Dingen auf den Grund zu gehen, ist dem Leser klar und so stürzt er sich gemeinsam mit dem Kommissar, seinem syrischen Assistenten Assad und seiner neuen Sekretärin Rose in die Ermittlungen.

Wie ich gehofft hatte, kommt dieser zweite Band wesentlich schneller in Fahrt als sein Vorgänger. Die wichtigsten Personen, allen voran Mørck und Assad, sind dem Leser bereits bekannt und die Neuzugänge schnell vorgestellt. Gefallen hat mir, dass ein paar neue Details über Assads Vergangenheit Erwähnung fanden, denn ich vermute hier eine interessante Biografie. Deswegen hätte es hier für meinen Geschmack ruhig mehr Aufklärung geben können. Auch der Handlungsstrang um Mørcks ehemaligen Partner Hardy, der querschnittsgelähmt im Krankenhaus liegt, und die Ermittlung um die Umstände der Schießerei, die zu seiner und Mørcks Verletzung und zum Tod eines weiteren Polizisten führten, verläuft hier sehr zäh bzw. gerät zum Stillstand.

Der Fall selbst hat mich noch stärker als der erste Band der Reihe an die Millenium-Trilogie des Schweden Stieg Larsson erinnert – einflussreiche Mitglieder der Gesellschaft versuchen mit allen Mitteln vergangene Verbrechen zu verbergen, während eine in diese Verbrechen involvierte Frau, die mittlerweile an den Rand der Gesellschaft geraten ist, als Bedrohung von den Männern gefürchtet und gejagt wird. Trotz der in meinen Augen stark auffallenden Parallelen war ich dann aber doch neugierig, wie Adler-Olsen seinen Fall in den Details gestalten würde und hier hat er mit der Obdachlosen Kimmie eine Frau geschaffen, bei der ich zwischen Abscheu, Verständnis und Anzeichen von Sympathie schwankte. Die übrigen Mitglieder der Internatsclique blieben dagegen leider sehr zweidimensional.

Summa summarum hatte dieser Band im Vergleich zu seinem Vorgänger „Erbarmen“ den Vorteil, dass die Personen und ihre Umstände dem Leser schon bekannt waren und der Autor daher direkt in den Fall springen konnte. Aufgrund der für mein Empfinden starken Ähnlichkeit mit den Büchern des schwedischen Erfolgsautors Stieg Larsson blieb aber doch ein schaler Beigeschmack, so dass ich auch hier nicht über 3 von 5 Trivial Pursuit Karten hinwegkomme.

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