Catherynne M. Valente – Fairyland (1) – The girl who circumnavigated fairyland in a ship of her own making

Die zwölfjährige September hängt während des Geschirrspülens ihren Gedanken nach, als vor dem Küchenfenster der Grüne Wind auf seinem Leopard erscheint und ihr anbietet, sie aus ihrem tristen Leben in Omaha hinweg ins Feenland zu bringen, wo sie tolle Abenteuer erleben kann, so lange sie sich an die Regeln hält. Begeistert stimmt September zu und klettert zum Grünen Wind auf den Rücken der Leopardin, die sie von ihrem zu Hause wegträgt.

Entgegen manch anderer Mädchen, die in sich schon in ähnlichen Situationen befanden wie September, hörte diese aufmerksam zu, als sie der Grüne Wind über die Regeln aufklärt, die September befolgen muss, um eine unbeschwerte Zeit im Feenland zu verbringen und nicht den Zorn der gefürchteten Marquess auf sich zu ziehen. Denn für ihr Alter ist September schon sehr reif, gezwungen von den Umständen ihrer Kindheit: Der Vater wurde als Soldat eingezogen und kämpft im fernen Europa, während die Mutter als Mechanikerin für ihren Lebensunterhalt Schicht arbeiten muss und damit September häufig sich selbst überlassen muss.

In Fairyland angekommen beherzigt September die guten Ratschläge des Grünen Winds wortgetreu und versucht, eine schöne Zeit an diesem zauberhaften Ort zu verleben. Doch während sie umherwandert und verschiedensten Wesen begegnet, hört September viele Geschichten über die Herrscherin des Feenlands, die Marquess. Nicht nur dass sie die vorherige Herrscherin, die von allen geliebte Queen Mallow gestürzt hat, sondern sie hat die Bürokratie nach Fairyland gebracht – Drachen dürfen nicht mehr fliegen, Winde dürfen nicht mehr wehen, Feen dürfen keine Streiche mehr spielen … Dies ist nicht das Feenland, auf das September so gespannt war und in das sie vom Grünen Wind gebracht werden wollte. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis ihr Gerechtigkeitssinn siegt und sie damit auf einen Weg gelangt, der sie unweigerlich zur Marquess führen wird.

Doch zum Glück ist September nicht allein, sondern sie findet die unterschiedlichsten Verbündeten, die sie in ihr Herz geschlossen haben und ihr unverbrüchlich die Freundschaft halten – darunter ein Halbdrache mit einer Bibliothek als Vater, einen Wunschgeist und ein alter, zum Leben erwachter Lampion. In ihrer Mischung erinnerten mich Septembers Gefährten an die Truppe aus „Der Zauberer von Oz“, ebenso wie auch Septembers Reise nach Fairyland selbst. An anderen Stellen fühlte ich mich jedoch an „Alice im Wunderland“ erinnert, in dem sich Alice auch erst zurecht finden musste, seltsame Geschöpfe traf und schließlich ebenfalls an den Hof der Herrscherin kam – wie es auch September im Feenland ergeht.

Anhand der beiden vorgenannten Kinderbuchklassiker „Der Zauberer von Oz“ und „Alice im Wunderland“ lässt sich auch die Stimmung dieses zauberhaften Romans sehr gut beschreiben. Es sprüht nur so vor kuriosen Ideen, ungewöhnlichen Wesen, seltsamen Orten und mitten in diesem phantastischen Setting begleiten wir Leser ein unerschrockenes Mädchen mit dem Herz am rechten Fleck. Zu meinem Bedauern konnte ich die erste Hälfte des Buches nur scheibchenweise Lesen, so dass sich leider kein richtiger Lesesog einstellen wollte. Doch die zweite Hälfte konnte ich am Stück verschlingen und ich fühlte mich bald in Fairyland heimisch. Gespannt habe ich Septembers Reise bis zu ihrem Ende verfolgt und wurde von den Enthüllungen überrascht, die während des Showdowns offenbart wurden.

Doch glücklicherweise wird man als Leser nicht von einem fiesen Cliffhanger erwartet, sondern die Geschichte wird zu einem runden Abschluss gebracht. Gleichzeitig gibt es aber auch noch einen Ausblick auf weitere Abenteuer in Fairyland, die ich in jedem Fall lesen möchte. Der zweite Band der Reihe „The girl who fell beneath fairyland and led the revels there“ ist schon auf meinem eReader und wird sich hoffentlich nicht mehr allzu lange gedulden müssen. Für dieses bezaubernde Kinderbuch, dem ein paar ernsthaftere Töne Kontur verleihen, vergebe ich gern 4 von 5 Kochlöffel.

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