Marcus Brotherton – We who are alive and remain. Untold stories from the Band of Brothers

Nachdem die HBO-Miniserie “Band of Brothers” ausgestrahlt wurde, erschienen einige Biografien über und Erinnerungen von den Männern, die als Mitglieder der Easy Company in dieser Serie porträtiert wurden. Der Autor Marcus Brotherton arbeitete als Co-Autor an der Autobiografie von Lt. Buck Compton mit. Während dieser Zeit lernte er viele andere Männer aus der Easy Company kennen und erfuhr von deren Geschichten, die noch unerzählt waren. Er beschloss, auch diese wertvollen Erinnerungen der Öffentlichkeit zugängig zu machen.

Insgesamt 20 Überlebende der Band of Brothers trugen zu Brothertons Buch bei und sprachen dabei über Dinge, über die sie zum Teil mehr als 60 Jahre Schweigen bewahrt hatten. Im Gegensatz zu seinem Buch „A Company of Heroes“ hat er die einzelnen Erinnerungen der Männer jedoch chronologisch sortiert und vereint so die verschiedenen Stimmen zum gleichen Ereignis, anstatt den Männern nacheinander Raum für ihre Erinnerungen einzuräumen.

Der Vorteil dieses Aufbaus ist, dass man unmittelbar zusammenhängend erfährt, wie unterschiedlich manche Geschehnisse erfahren wurden. So hört man beispielsweise im Kapitel „The day everything changed“, an welchen Orten und unter welchen Umständen die Jungs vom Angriff auf Pearl Harbor erfuhren und wie sie diese Nachricht aufnahmen. Während einige sofort realisierten, dass dies den Eintritt der USA in den Krieg bedeutete und sie sich unmittelbar zur Armee meldeten, waren andere ungläubig gelähmt und begriffen erst in den folgenden Wochen den Umfang der dadurch in Gang gesetzten Ereignisse.

Als nachteilig am Aufbau des Buches empfand ich hingegen, dass es mir als Leser erschwert wurde, eine Bindung zu den einzelnen Männern aufzubauen, da ich immer nur Bruchstücke aus ihrer Geschichte erfuhr. Wenn dann in einem der folgenden Kapitel vom jeweiligen Erzähler auf etwas Bezug genommen wird, was zuvor geschah, so musste ich manches Mal zurückblättern und nochmals nachlesen, um den Zusammenhang zu erkennen.

Als gelungen empfand ich, dass Brotherton sich nicht nur auf das Kriegsgeschehen konzentrierte, sondern bei der Kindheit der späteren Kämpfer begann und auch ihre Erlebnisse nach der Rückkehr aus Europa nicht verschwieg. Ihre Erzählungen, wie sie mit der Gewöhnung an ein ziviles Leben zu kämpfen hatten und mit den Erinnerungen, die sie verfolgten, hat die Perspektive abgerundet und eine Glorifizierung des Kriegseinsatzes verhindert.

Zum Abschluss des Buches hat Brotherton die Familien von 3 Männern der Easy Company interviewt, die selber nicht mehr zu diesem Projekt beitragen konnten. Dieses Beiträge bieten einen guten Ausblick auf Brothertons Folgeprojekt „A Company of Heroes“.

Insgesamt gesehen war ich – wie auch bei „A Company of Heroes“ – froh darüber, mehr über die Mitglieder der Easy Company zu lernen, die vorher nur Namen in den Erzählungen der anderen waren. Jedoch hatte ich einige Schwierigkeiten mit dem gewählten Aufbau des Buches, so dass ich „nur“ auf 3,5 von 5 Flaschen Heineken komme.

Advertisements

2 Kommentare zu “Marcus Brotherton – We who are alive and remain. Untold stories from the Band of Brothers

  1. Dreystein sagt:

    Hallo Myriel,

    bitte mal wieder was anderen. Mit Kriegsliteratur kann ich nicht viel anfangen. Da wären eher nur die Klassiker „Im Westen nicht neues“ (was auf jeden Fall Empfehlenswert ist!).

    Generell hat Kriegsliteratur etwas an sich das mir in deinen Beschreibungen mir etwas zu kurz kommt:

    Der Krieg scheint durch die Nähe von Tod, Freundschaft und Heldenmut die Menschen zu verändern. Aus normalen Buchhaltern und LKW-Fahrer werden Soldaten die Freunde verlieren und einen enormen Hass auf den „Feind“ entwickeln, um dann selbst Grausamkeiten zu begehen die entsetzlich sind. Die Gründe in den Krieg zu ziehen werden im laufe der Zeit immer mehr in den Hintergrund gedrängt und verlieren völlig an Bedeutung.

    Dies führt mich zum meinem „komischen“ Gefühl. Diese Art Bücher findet man sehr häufig wo den Protagonisten die Ziele des Kriegs im Gründe egal, oder nur Oberflächlich wichtig sind. Selbst bei den politischen motivierten Soldaten (Bsp. Bolivianisches Tagebuch, Che Guevara) scheint das Ziel „Krieg gewinnen“ alles anderen zu dominieren. (Bei Che meiner Ansicht nach nicht Art der Kriegsführung sondern der Umgang mit den eigenen Soldaten) und zuletzt heiligt das Ziel jedes Mittel. Auch wenn durch den Einsatz dieser Mittel das Ziel schon längst verraten wurde.

    Mir scheint zudem diese Band of Brothers Geschichte im Grunde nur eine 08/15 oder Steiner Geschichte (die ich noch bedenklicher Finde) aus anderer Sichtweise zu sein.

    Als überzeugter Pazifist stehe ich vor allerdings auch immer wieder entsetzt/staunend vor diesem Thema.

    Wie du siehst macht mich das Thema nur traurig und nachdenklich, also bitte Thema wechseln 🙂

    Grüße
    Dreystein

  2. Myriel sagt:

    Hallo Dreystein,

    dass der Krieg die Menschen verändert, wird in diesen Büchern sehr wohl deutlich, insbesondere wenn davon erzählt wird, wie sich die Soldaten nach ihrer Rückkehr in die Heimat wieder mit dem Zivilleben auseinandersetzen müssen. Besonders anhand dieses Kontrastes wird deutlich, wie sehr sie sich durch den Krieg verändert haben, was zuvor nicht so herausstach, da alle anderen Menschen um sie herum ebenfalls Soldaten waren und der Horror zur Normalität wurde.

    Obwohl wir hier und heute in einer friedlichen Gesellschaft (im Sinne von: in unserem Land tobt kein Krieg) leben, ist es aus meiner Sicht umso wichtiger nicht zu vergessen, dass es vor nicht mal 70 Jahren (also zu Zeiten meiner Großeltern!) noch ganz anders aussah und unser jetziges, in der Hinsicht sorgenfreies Leben keine Selbstverständlichkeit ist. Dafür haben viele Menschen viele Opfer gebracht (nicht nur die Amerikaner, das ist auch klar).

    Würdest Du mir bitte näher erklären, was Du hiermit meinst:

    Mir scheint zudem diese Band of Brothers Geschichte im Grunde nur eine 08/15 oder Steiner Geschichte (die ich noch bedenklicher Finde) aus anderer Sichtweise zu sein.Mir scheint zudem diese Band of Brothers Geschichte im Grunde nur eine 08/15 oder Steiner Geschichte (die ich noch bedenklicher Finde) aus anderer Sichtweise zu sein.

    Doch zu deiner Beruhigung: als Nächstes gibt es Neues von unseren friedliebenden Nachbarn aus dem Auenland, wo Waffen in Museen ausgestellt werden.

    Grüße
    Myriel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s