Marcus Brotherton – A Company of Heroes

Der Autor Marcus Brotherton hatte schon mehrere Jahre vor dem Verfassen dieses Buches engen Kontakt mit der Easy Company, u.a. als Co-Autor der Memoiren von Lt. Lynn „Buck“ Compton und als Urheber des Buches „We who are alive and remain“, in dem 20 der überlebenden Mitglieder der Easy Company interviewte und ihre Geschichten erzählte.

Was eigentlich als Anhang zu „We who are alive an remain“ gedacht war, entwickelte seine eigene Dynamik: die Leben derjenigen zu bewahren, die nicht mehr unter den Lebenden weilen. Das Ergebnis dieser Dynamik ist das vorliegende Buch, in dem die Angehörigen und Freunde von 26 Männern der Easy Company die Erinnerungen an ihre Liebsten wieder lebendig werden lassen.

Obwohl Brotherton das Material seines Buches aus Interviews mit den Beteiligten gewonnen hat, gießt er dieses Material in die Form eines Essays aus dem Munde eines der Angehörigen. Als Leser hört man damit nicht dem Autor zu, sondern demjenigen, der die Erinnerung an seinen Vater, Bruder, Onkel oder Freund bewahren möchte. Dadurch wird dem außenstehenden Leser ein sehr persönlicher Zugang gewährt, der mich auf emotionaler Ebene sehr berührt hat.

In insgesamt 4 Abschnitten, von denen sich 3 jeweils mit Mitgliedern der Easy Company beschäftigen, die den Krieg überlebt haben, aber bis zur Niederschrift des Buches schon verstorben waren, die als einfache Soldaten, Unteroffiziere oder Offiziere gedient haben. Obwohl diese Männer aus dem Krieg in ihre Heimat zurückkehrten, so können sie doch nicht pauschal als glückliche Heimkehrer abgestempelt werden. Manche wurden im Krieg schwer verletzt und kämpften nun damit, sich ein neues Leben aufzubauen. Andere wiederum kehrten körperlich unversehrt oder wieder gesundet zurück, trugen aber ihre seelischen Lasten mit sich herum, die z.T. nicht einmal durch ein gesundes Umfeld im Kreis der Familie aufgefangen werden konnten. Bei viel zu vielen Beiträgen blickten die Erzähler auf ein schwieriges Leben ihrer Angehörigen und Freunde zurück, dass durch Alpträume, Verbitterung, Verunsicherung und Alkohol geprägt war. So mancher versuchte, seine Erinnerungen im Alkohol zu ertränken und ertrank dabei selbst mit. Doch es gab auch Soldaten, die ihr ziviles Leben meisterten und eine glückliche Familie gründeten, die ihnen den Halt gab, um die im Krieg durchlebten Gräuel zu verarbeiten.

Von den im letzten Abschnitt Porträtierten hatte leider keiner die Gelegenheit, sich mit dem Leben nach dem Krieg auseinander zu setzen, da sie alle ihr Leben im Krieg ließen und damit das höchste Opfer brachten. Wenn man liest, wie allein die Erwähnung ihrer Namen den überlebenden Soldaten vor Rührung die Tränen in die Augen trieb und sie die Zurückgebliebenen in den höchsten Tönen loben, so konnte ich nicht anders als mit ihnen zu trauern – um die Männer, die sie waren und die Männer, die sie hätten werden können.

Insgesamt gesehen hat Brotherton mit diesem Buch eine bewegendes Denkmal für die Männer der Easy Company geschaffen, die ihre Geschichte nicht mehr selbst erzählen konnten. Dank dieser Erzählungen bekamen viele Personen ein Gesicht und einen Hintergrund, die in den zuvor von mir gelesenen Büchern nur Namen waren. Wer sich mit der Easy Company beschäftigt, für den sollte kein Weg an diesem Buch vorbeigehen. Ich vergebe 4 von 5 Überseepaketen.

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Ein Kommentar zu “Marcus Brotherton – A Company of Heroes

  1. nomadenseele sagt:

    Das Ergebnis dieser Dynamik ist das vorliegende Buch, in dem die Angehörigen und Freunde von 26 Männern der Easy Company die Erinnerungen an ihre Liebsten wieder lebendig werden lassen.

    Genau deswegen denke ich, dass solche Bücher im Grunde nicht viel wert sind. Wer würde schon freiwillig zugeben, dass man selbst oder ein Angehöriger Kriegsverbrechen begangen hat?
    Wenn solche überhaupt erwähnt werden, dann waren es immer andere (möglichst ungenannte) Soldaten, die dies taten.

    Ich finde, solche Bücher muss man sehr, sehr kritisch lesen.

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