Marcus Brotherton – Shifty’s War

Der Untertitel des Buches fasst den Inhalt gut zusammen und macht deutlich, in welchen Gefilden ich lektüretechnisch immer noch unterwegs bin: „The Authorized Biography of Sergeant Darrell „Shifty“ Powers, the Legendary Sharpshooter from the BAND OF BROTHERS“.

Obwohl Shifty Powers zwar in jedem Einzelnen der Büchern der anderen Männer der Easy Company erwähnt wurde, so hatte er doch meist nur Kurzauftritte und erwähnenswert war vor allem sein überragendes Talent beim Umgang mit dem Gewehr. Doch wer war dieser Mann, den zu beschießen es sich nicht lohnte, wenn er seine M1 dabei hatte?

Geboren wurde Shifty in einem kleinen Bergbaustädtchen namens Clinchco geboren und wuchs dort in der ländlichen Umgebung auf. Schon von klein auf begleitete er seinen Vater auf Jagdausflügen und lernte dabei die Aufmerksamkeit und Beobachtungsgabe, die ihn nicht nur zu einem exzellenten Schützen werden ließen, sondern die ihm und seinen Kameraden im Krieg später das Leben rettete.

Als der Krieg nach dem Angriff auf Pearl Harbor das Leben in den USA von heute auf morgen veränderte, meldete sich Shifty gemeinsam mit Popeye Winn freiwillig zu den Fallschirmjägern, von wo aus sein Weg als einer der Toccoa-Männer über die zahlreichen Trainingscamps bis zur Operation Overlord, der Invasion der Normandie führte. Als einer von ganz wenigen seiner Einheit überstand Shifty diesen Einsatz und alle folgenden ohne schwerwiegende Verletzungen, doch als er gegen Ende des Krieges während einer Lotterie unter den Männern des 506. Regiments ausgewählt wird und ein Ticket nach Hause gewinnt, wird er ausgerechnet auf dem Weg zurück zu seiner Familie noch auf den Bergstraßen Österreichs in einem Autounfall schwer verletzt.

Doch Shifty wäre nicht Shifty, wenn er sich davon unterkriegen ließe und so übersteht er den Genesungsprozess mit stoischer Ruhe, um anschließend nach Clinchco in seine Heimatstadt zu seiner Familie zurückzukehren. Wie schwer ihm die Wiedereingewöhnung in das zivile Leben fiel, bleibt in der Folge nicht unerwähnt, doch seine Frau und seine Kinder geben ihm den notwendigen Rückhalt für ein stabiles Leben. Als er im Juni 2009 stirbt, wird er in einer stillen Zeremonie im Kreis seiner Familie und seiner Freunde beigesetzt.

Was ich mir beim Lesen dieses Buches immer wieder mühsam bewusst machen musste, ist das ich nicht die Autobiografie dieses beeindruckenden Mannes las, der mit Ruhe und Beharrlichkeit sein Leben meisterte, sondern die Biografie verfasst von Marcus Brotherton. Der Grund dafür, dass ich mich so sehr in Shiftys Erzählung verlieren konnte, liegt zum einen darin, dass die eigentliche Biografie aus der Ich-Perspektive geschrieben ist. Der Autor hat im Vorwort seine Gründe für diesen ungewöhnlichen Schritt erläutert und das Ergebnis gibt ihm recht. Aufgrund seiner zahlreichen früheren Gespräche mit Shifty selbst und mit dessen Verwandten und seinen Kameraden aus der Easy Company hat Brotherton nicht nur das Fundament für dieses Buch legen können, sondern er hat die Persönlichkeit von Shifty in seinem Schreibstil eingefangen, so dass ich beim Lesen des Buches meinte, ich würde Shifty zuhören, wie er über sein Leben erzählt. Und dies ist der zweite Grund dafür, dass mich das Buch so sehr gefangen nahm.

Im Nachwort des Buches nimmt sich der Autor nicht nur die Zeit für Danksagungen, sondern er listet pro Kapitel nochmals auf, welche Darstellung auf welchen Quellen beruht und wo er einige Details im Rahmen der schriftstellerischen Freiheit eingefügt hat, um das Geschehen plastischer zu gestalten.

Insgesamt gesehen hat mich dieses Buch von allen, die ich bisher von und über die Männer der Easy Company gelesen habe, am meisten beeindruckt. Zum Einen liegt das an Shifty selbst und seiner Persönlichkeit, zum Anderen liegt es aber auch an dem von Brotherton gewählten Stil, der einen viel intensiveren Zugang zu Shiftys Erinnerungen gewährt als dies bei einer formalen Biografie möglich wäre. Dafür vergebe ich 4,5 von 5 Eichhörnchen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s