Dick Winters – Beyond Band of Brothers

Meine “Band of Brothers”-Phase halt an und nach der Doppelautobiografie von “Wild Bill” Guarnere und “Babe” Heffron folgte die Autobiografie von Dick Winters. Im Gegensatz zu den beiden vorgenannten jungen Männern aus Philadelphia, die sich nach dem Angriff auf Pearl Harbor zur Armee gemeldet haben, trat Winters bereits vor diesem einschneidenden Ereignis der U.S.-Army bei. Ursprünglich wollte Winters nach seinem Collegeabschluss lediglich sein Pflichtjahr bei den Streitkräften ableisten, bevor er sich dem Arbeitsleben stellte. Doch mit dem Angriff Japans auf den Marinestützpunkt auf Hawaii änderte sich alles und aus den einst geplanten 12 Monaten werden mehrere Jahre, die Winters bei der Armee verbringt.

Seine Karriere begann Winters als einfacher Private bei einer Infanterieeinheit, doch schon bald bewarb er sich angesichts der Inkompetenz einiger Offiziere um eine Aufnahme an die Offiziersschule, die er als 2nd Lieutenant verließ um den Fallschirmjägern der 101. Division beizutreten. Wie Guarnere auch durchlief er das komplette Trainigsprogramm in Camp Toccoa, die Sprungschule in Fort Benning und die Schikanen von Captain Sobel, dem kommandierenden Offizier der Easy Company, unter dem er zum 1st Lieutenant und damit stellvertretendem Befehlshaber der Easy Company befördert wurde.

Als der Tag der Tage gekommen war und die Easy Company an der Invasion in der Normandie teilnahm, übernahm Winters das Kommando über die Einheit, da ihr Befehlshaber als im Kampf verschollen galt – später wurde bekannt, dass sein Flugzeug abgeschossen wurde. In den folgenden Tagen zeichnete sich Winters nicht nur durch seine taktischen Fähigkeiten aus, sondern auch durch seinen Führungsstil, dementsprechend er seinen Männern als Vorbild in den Kampf führte und sie nicht durch Furcht vor sich trieb. Dies brachte ihm nicht nur den Respekt seiner Männer ein, sondern auch der Battalionsstab wurde auf ihn aufmerksam und betreute ihn in der Folge mit entscheidenden Missionen, durch die er die Easy Company bestmöglich führte. Während der Operation „Market Garden“ in Holland und den folgenden Stellungskämpfen, die Winters bereits als Captain befehligte, wurde er in den Battalionsstab versetzt, so dass er nun nicht mehr nur für die Easy Company zuständig war, sondern auch für die beiden Schwesterkompanien Dog und Fox.

Diese Stellung innerhalb der militärischen Struktur des 506. Regiments ist es auch, die Winters einen besseren Überblick über das Geschehen und die angestrebten taktischen Ziele gibt als dies Guarnere und Heffron in ihren Rollen als Unteroffiziere möglich war. Obwohl Winters sein Wissen auch dem Leser gegenüber weitestgehend offen legt, so wird doch deutlich, dass auch er nur ein Rädchen in einem riesigen Getriebe war. Bewunderswert ist es, dass Winters nicht die Vorteile seiner neuen Position ausnutzt, um sein Leben an der Front erträglicher zu machen, sondern ihm liegt immer noch das Wohlergehen der Männer am Herzen, die unter seinem Befehl stehen. Um die Moral zu stärken, hält er z.B. auch im tiefsten Winter in Bastogne an seiner morgendlichen Rasur fest, auch wenn er dazu erst das Eis auf dem Wassereimer durchbrechen musste. Mit solchen Zeichen, die den Männern vor Augen führen, dass Winters ihre Entbehrungen mit ihnen teilt und sie ihn dennoch nicht dazu bringen können, sich dem Druck des Krieges und des unwirtlichen Wetters zu beugen, nimmt er die Rolle des Fels in der Brandung ein, der strauchelnden Kämpfern wieder Halt bietet.

Obwohl Winters engen Kontakt zu den Soldaten seiner Einheit hält und sie fast so gut kennt wie sich selber, so wahrt er als Offizier dennoch eine gewisse Distanz zu den einfachen Soldaten und ihren Unteroffizieren, genau so wie es die Direktive vorgab. Den engsten Freund, den Winters in der Armee fand, fand er in Lewis Nixon. Als trinkfester Lebemann stellte Nixon zwar das komplette Gegenteil von Winters ruhigen, in sich gekehrten Charakter dar, doch wie so oft ziehen sich Gegensätze an und ergänzen sich, wie auch in diesem Fall. Falls Winters sich jedoch nicht gerade an der Gesellschaft von Nixon erfreute, verbrachte er viel Zeit für sich mit Reflexionen über das was bereits geschehen war, was noch geschehen könnte und welche Rolle er zu übernehmen hätte. Zur Beruhigung und als Entspannung diente ihm oft die Lektüre der Bibel und so oft es möglich war, besuchte er Gottesdienste.

Sein introspektiv veranlagter Charakter war es dann auch, der mich daran gehindert hat, trotz des mitreißenden Schreibstils vom Buch gefangen genommen zu werden. Zu oft hatte ich den Eindruck, dass Winters bewusst über seine eigenen Gefühle und persönlichen Gedanken hinweggeht und sich stattdessen in Lektionen über Führungsqualitäten ergeht. Obwohl diese referierenden Passagen bei Weitem nicht überwogen und sie auch ihre Berechtigungen haben – Winters führt genügend Beispiele dafür an, was ein unfähiger Befehlshaber für Schaden anrichten kann – so war ich doch viel gespannter darauf, wie der Mensch Winters das Geschehen erlebt hat. Aus diesem Grund komme ich dann auch „nur“ auf 3,5 von 5 von Winters typischen Understatements.

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