Stephen E. Ambrose – Band of Brothers

Der amerikanische Historiker Ambrose beschreibt in seinem Sachbuch die Geschichte der Easy Company, einer Fallschirmjägergruppe der 101. Airborne Division der U.S. Army, die 1942 etabliert wurde und die mit der Operation „Overlord“, der Invasion der Normandie in den 2. Weltkrieg eintraten. Auf diesem Buch basiert die erfolgreiche HBO-Serie „Band of Brothers“.

Den Einstieg in dieses Buch fand ich ziemlich schwer, da ich überhaupt keinen Durchblick hatte, in welcher Einheit ich mich gerade befinde und wie sie in das ganze Organigramm einzuordnen war – Regiment, Battalion, Company, Platoon, … Nach einigen Recherchen bei Wiki wusste ich dann ungefähr, wie die Army aufgebaut war und welche Einheit Bestandteil welcher Einheit war.

Die fast 2jährige Ausbildung der Soldaten vor ihrem ersten Kampfeinsatz in der Normandie fand ich sehr anschaulich beschrieben und den Hass, den die Männer auf ihren kommandieren Captain Sobel entwickelt haben, der sie mit allen Mitteln schikaniert hat, konnte ich auch gut nachvollziehen. Allerdings haben die Männer teilweise später erkannt, dass Sobel sie durch seinen extremen Drill erst so richtig zusammengeschweißt hat und damit vielleicht einigen von ihnen das Leben gerettet hat. Diese differenzierte Darstellung zeichnet das Buch nicht nur in dieser Phase aus, sondern auch während der Kämpfe und der späteren Besatzungszeit in Deutschland und Österreich.

Als es dann nach der langen Vorbereitung endlich soweit war und der D-Day ausgerufen wurde, habe ich richtig mit der Easy Company mitgefiebert. Erstaunt war ich darüber, wie der Absprung der Männer „schief“ gegangen ist. Ich war der (zugegebenermaßen unwissenden) Meinung, dass bei einer so wichtigen Operation kein Fehler unterlaufen dürfte, doch da ging ja etliches schief. Umso mehr kommt die außerordentliche Leistung der Easy Company zur Geltung, dass sie sich trotz der widrigen Umstände zusammengefunden und ihre Mission erfüllt haben. Während ich diesen Abschnitt las hatte ich einige Szenen aus dem Film „Der Soldat James Ryan“ vor Augen, wo später (oder war es in „Brothers in Battle, Best of Friends“?) erklärt wird, dass der Film auf einer Szene aus diesem Buch beruht.

Bei den Missionen, auf die die Männer im weiteren Verlauf des Krieges geschickt werden, lief es mir teilweise kalt den Rücken runter, insbesondere beim Kampf in Bastogne. Als sie dann nach Monaten, die wie eine Ewigkeit gewirkt haben müssen, endlich deutschen Boden betraten, war ich positiv überrascht wie wenig Hass sie der Zivilbevölkerung entgegen gebracht haben. Im Gegenteil: sie erkennen viele ihrer eigenen Charakterzüge in den Deutschen wieder – Fleiß, Ordnung, Sauberkeit. Doch spätestens als sie das KZ Landsberg befreien, wird allen klar, wofür sie eigentlich gekämpft und gelitten haben und wofür so viele ihrer Kameraden ihr Leben ließen.

Als der Krieg endlich vorbei ist, können die Männer der Easy Company dennoch längst noch nicht in ihre Heimat zurückkehren. Erst nach Monaten, während derer sie die Entwaffnung der dt. Armee überwacht und Besatzungsdienst übernommen haben, werden sie in die USA zurückbeordert. Was jedoch während dieser Monate nach dem offiziellen Ende des Krieges in Europa geschah, war teilweise schlimmer als der Krieg selbst. Wie muss man sich fühlen, wenn man den ganzen Krieg überstanden hat, nur um dann in einem Verkehrsunfall mit einem betrunkenen GI schwer verletzt zu werden? Oder von einem durchgedrehten GI in den Kopf geschossen zu werden?

Gelungen fand ich, dass das Buch nicht einfach mit dem Ende des Krieges bzw. des Einsatzes in Deutschland endet, sondern noch einen Ausblick auf die weiteren Leben der Männer zurück in den USA bietet.

Insgesamt gesehen bietet das Buch einen guten Überblick über das Entstehen und die Einsätze der Easy Company in 2. Weltkrieg. Anhand vieler Briefe, persönlicher Aufzeichnungen und veröffentlichter Bücher von Angehörigen der Easy Company versteht Ambrose es, den Krieg nicht aus der Vogelperspektive darzustellen, sondern ihn aus der persönlichen Sicht einiger weniger Männer begreifbar zu machen. Gerade diese Perspektive hat mich in ihren Bann gezogen und dementsprechend möchte ich nun mehr über die Männer wissen. Da einige von ihnen im Folge der HBO-Miniserie „Band of Brothers“ ihre Memoiren veröffentlicht haben, gibt es genügend Material um meinen Wissendurst zu stillen. Für den in diesem Buch vermittelten Überblick vergebe ich 3,5 von 5 Foxholes.

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