Robert Louis Stevenson – Die Schatzinsel

Dieser Klassiker der Abenteuerliteratur verstaubte bei mir schon einige Zeit im Regal, bis ein Lesewochenende zum Thema „Piraten“ endlich den Anlass gab, das Buch in die Hand zu nehmen. Einige Bruchstücke des Inhalts hatte ich hier und da mal aufgeschnappt, aber das große Ganze war mir unbekannt.

Also worum geht es: Der Junge Jim Hawkins lebt mit seinen Eltern in deren kleinem Gasthaus an der britischen Küste. Bei ihnen quartiert sich eines Tages ein bärbeißiger alter Seemann ein, nach dessen Tod Jim in dessen Schiffstruhe eine Schatzkarte findet. In letzter Minute kann er sich mit seiner Mutter vor anrückenden Piraten in Sicherheit bringen, die anscheinend ebenfalls hinter der Karte her sind. Gemeinsam mit dem königlichen Beamten Dr. Livingston und dem Gutsherrn Trelawney begibt sich Jim mit auf die Suche nach dem Goldschatz der Piraten. Kurz bevor sie die Insel erreichen, auf der der Schatz versteckt sein soll, stellt Jim fest, dass die Mehrheit der Schiffsmannschaft aus Piraten unter der Führung des einbeinigen Long John Silver ist. Es folgt eine langwierige Auseinandersetzung zwischen der kleinen Gruppe um Jim, Dr. Livingston und Trelawney und den zahlenmäßig weit überlegenen, aber längst nicht so disziplinierten Piraten.

Von all dem erfährt der Leser durch die Schilderungen des Ich-Erzählers Jim Hawkins, der in einfachen Verhältnissen aufgewachsen einen treuen Charakter entwickelt hat, aber sich durch das ungestüme Verhalten eines Jungen in manche Bredouille manövriert, aus der er sich dann mühsam einen Ausweg suchen muss. Sein Gegenspieler Long John Silver weißt hingegen einen vielschichtigeren Charakter auf. Nach seiner Enttarnung gilt sein ganzes Verlangen dem versteckten Piratenschatz und er treibt seine Crew sowohl mit Drohungen als auch mit Schmeicheleien an, um sein Ziel zu erreichen. Doch je länger die Auseinandersetzung mit der Gruppe um Dr. Livingston andauert, umso mehr muss Long John Silver darum kämpfen, seine Stellung zu behaupten und er ist sich nicht zu fein, sich auch bei seinen Feinden anzuschmeicheln und um Gnade zu bitten, wenn seine Piraten mal wieder kurz vor der Rebellion stehen. Diese Durchtriebenheit und der Wille, um jeden Preis zu überleben, haben mir für ihn widerwilligen Respekt abgetrotzt.

Meinen Lesefluss etwas gehemmt hat die, der Entstehungszeit dieses Romans geschuldete, etwas angestaubte Sprache. Viel mehr gestört haben mich jedoch einzelne Stellen, an denen der Ich-Erzähler Jim von sich selbst in der dritten Person zu reden bzw. zu denken schien. Diese Brüche in der Erzählperspektive haben mich jedes Mal aus der, zumindest in der zweiten Hälfte, spannenden Handlung gerissen, was mir das Lesen etwas vergällt hat.

Summa summarum komme ich für diesen Klassiker daher nur auf 3 von 5 Papageien.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s