China Miéville – Un Lon Dun

Die beiden Londoner Mädchen Zanna und Deeba gelangen durch Magie in die Vis-a-Vis-Stadt ihrer Heimat: Un Lon Dun. Dort lebt all das und all diejenigen, die in London nicht länger erwünscht oder nützlich sind. So hüpfen kaputte Regenschirm über die Straßen, leere Milchkartons laufen über den Markt und Häuser bestehen aus alten Plattenspielern, defekten Backöfen und anderem Geraffel.

In dieser Wunderstadt wird Zanna begeistert als die lang prophezeite Retterin Un Lon Duns gefeiert, die den gefährlichen Smog besiegen soll. Ähnlich wie viele Dinge in Un Lon Dun nicht das sind, was sie in London zu sein scheinen, so ist auch der Smog viel gefährlicher als von den Mädchen zuerst angenommen. Denn der aus Rauch und Abgasen bestehende Feind der Unlondoner hat eine eigene Intelligenz entwickelt und strebt nach immer mehr Wissen und Erfahrung, die er jedoch nur durch das Verbrennen der Wissens- und Erfahrungsträger absorbieren kann. Auf lange Sicht drohen damit nicht nur Un Lon Dun, sondern der ganzen Welt der Untergang in Feuer und Rauch.

Diesem düsteren Zukunftsszenario soll sich laut Aussage der Prophezeier Zanna als die Auserwählte entgegenstellen. Jedoch erweisen sich die Voraussagen als nicht so zutreffend, wie von allen angenommen wird. Doch zum Glück für Zanna kann sie sich auf ihre beste Freundin Deeba verlassen, die ihr tatkräftig zur Seite steht.

Diese farbenfrohe Geschichte, die nur so vor kuriosen Einfällen Miévilles strotzt, könnte ausgehend vom Cover und dem Alter der beiden Protagonistinnen auch für jüngere Leser geeignet sein. Diesen Eindruck zerstört Miéville jedoch immer wieder durch unheimliche und stellenweise grausame Details, die durch die zahlreichen kleinen Illustrationen noch intensiviert werden. Die Zeichnung eines Giraffenkopfs mit sichelförmigen Hörner und spitzen Reißzähne, der von blutdürstig starrenden Augen dominiert wird, hat selbst mich schlucken lassen.

Neben diesem aus meiner Sicht nicht gelungenem Spagat zwischen Kinder-/Jugendbuch und eingestreuten Horrorelementen konnte ich auch mit der Hauptperson Zanna nicht viel anfangen. Für ein Mädchen ihres Alters wirkte sie auf mich zu ernsthaft und zielfixiert. Das angesichts der vielen Kuriositäten Un Lon Duns erwartete Staunen wurde vom Autor zwar erwähnt, aber ich konnte es Zanna nicht abnehmen. Deeba hingegen war mir viel sympathischer, da sie sich auf die Wunder der Vis-a-vis-Stadt einließ und sich ihr völlig öffnete. Die dadurch geschlossenen Freundschaften vermitteln nicht nur ihr die notwendigen Gefährten für ihre Queste, sondern sie bringen dem Leser auch die Einwohner Un Lon Duns näher.

Insgesamt gesehen lässt mich das Buch ziemlich zwiegespalten zurück. Die vielen Ideen des Autors haben mir gut gefallen, aber insbesondere die Brüche in der märchenhaften Atmosphäre und der zähe Anfang haben mir während der Lektüre zu schaffen gemacht. Somit komme ich auf nicht mehr als 2,5 von 5 Schwaflingen.

Advertisements

Ein Kommentar zu “China Miéville – Un Lon Dun

  1. Dreystein sagt:

    Wie ich bereits erwähnt habe: seine Bücher sind irritierend brüchig.

    Grüße
    Dreystein

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s