Scott Westerfeld – Leviathan (1) – Leviathan

Europa, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Aleksandar, der Sohn des österreich-ungarischen Erzherzogs Ferdinand, wird unsanft aus seinem behüteten Leben gerissen, als seine Eltern einem Attentat in Sarajewo zum Opfer fallen. Auf der Flucht vor seinen eigenen Landsleuten kann er sich nur auf einige wenige Getreue verlassen. An Bord einer neuartigen Kriegsmaschine, eines Sturmläufers, wenden sie sich Richtung Westen, in der Hoffnung die neutrale Schweiz erreichen zu können.

Gleichzeitig bewirbt sich die junge Deryn in London bei den Luftstreitkräften. Da Mädchen jedoch nicht als Kadetten zugelassen sind, muss sie sich verstellen und hoffen, dass niemand ihre Maskerade durchschaut. Ein glücklicher Zufall bringt sie an Bord der Levithan, eines riesigen, lebendigen Zeppelins, der von den Darwinisten aus der DNA zahlreicher verschiedener Tiere erschaffen wurde. Die durch das Attentat auf Erzherzog Ferdinand angespannte Lage in Europa und der dadurch drohenden Krieg zwischen Darwinisten und Maschinisten  lassen die Leviathan zu einer brisanten Mission Richtung Orient aufbrechen.

Dass sich die Wege der beiden jugendlichen Protagonisten Aleksandar und Deryn kreuzen würden, stand außer Frage. Doch auf dem Weg dorthin habe ich Alek viel lieber begleitet als Deryn. Zwar ist Alek als Sohn eines Erzherzogs sehr behütet aufgewachsen und hat erst seine liebe Mühe und Not, sich in der rauen Welt zurecht zu finden, jedoch beweist er Kampfesmut und Durchhaltewillen, anstatt sich hilflos auf seine wenigen Unterstützer zu verlassen.

Deryn ist zwar ebenfalls mutig, jedoch hat sie sich ihre Rolle in dieser Geschichte selbst ausgesucht. Als Junge verkleidet boxt sie sich durch den Alltag an Bord des fliegenden Ungetüms, immer darauf bedacht, ja ihrer Verkleidung entsprechend zu agieren. Für meinen Geschmack übertreibt sie es dabei jedoch maßlos, so dass mir ihre ständigen Flüche schon bald auf den Geist gingen.

Als sich Deryn und Alek schließlich begegnen, ändert dies an meinen Gefühlen den beiden nichts. Alek agiert zwar nicht manchmal etwas impulsiv, ist sich aber zumeist um die Folgen seiner Handlungen bewusst, was ihn mir sympathisch macht. Deryn hingegen scheint ihren Kopf – außer für fingierte Rasuren des nicht vorhandenen Barts – nicht oft zu gebrauchen. Sie ist viel zu sehr auf Loyalität gedrillt, als das sie sich eigene Gedanken machen würde. In Verbindung mit ihrem schon angesprochenen Hang zum Fluchen hat mich dies genervt und mich gegen sie eingenommen.

Die politische Situation ist – wie unschwer erkennbar – an die Lage in Europa kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs angelehnt. Die sich gegenüberstehenden Mächte unterscheiden sich hier jedoch in Darwinisten und Mechanisten. Die einen setzen auf die Macht der Natur und der Gene, um sich Lebewesen für alle möglichen Einsatzzwecke zu designen, während die anderen auf kalten Stahl in Form komplexer Maschinen setzen. Der Gegensatz zwischen beiden Einstellungen ist sehr klar dargestellt, doch warum dies zu einem derart angespannten Verhältnis zwischen den verschiedenen Ländern auf beiden Seiten führt, konnte mir der Autor nicht begreiflich machen.

Positiv erwähnen muss ich die vielen, meist ganzseitigen Illustrationen, die Szenen aus dem jeweiligen Kapitel darstellen und so beispielsweise die vage gebliebenen Beschreibungen der Leviathan verbildlichen.

Insgesamt gesehen handelt es sich bei „Levithan“, dem ersten Buch einer Trilogie, um solide Jugendfantasy, die mich zwar ein paar Stündchen gut unterhalten hat, aber die mich nicht überzeugen konnte. Ob ich den Folgeband „Behemoth“ trotz des offenen Endes lesen werde, weiß ich noch nicht. Für diesen Roman gibt es wegen der tollen Illustrationen immerhin noch 2,5 von 5 Wasserstoffatmern.

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