Paolo Roversi – Die linke Hand des Teufels

Der Mailänder Journalist Enrico Radeschi soll eigentlich nur das Haus seiner Eltern im kleinen Dörfchen Capo di Ponte Emilia hüten während diese in den Sommerurlaub fahren, doch dann wird die beschauliche Atmosphäre von einem grausigen Fund erschüttert: zuerst findet der Postbote eine abgetrennte Hand, kurz darauf wird ein Mann erschossen. Logisch, dass Enricos Boss seinen Mann vor Ort auf diesen Fall ansetzt und so nutzt Enrico seine Beziehungen zu den ermittelnden Carabinieri und auch zur Mailänder Polizei, um sich an die Mordermittlungen ranzuhängen. Als sich ein zweiter Mord, ebenfalls mit einer abgetrennten Hand als Vorwarnung ereignet, führt die Verbindung zwischen den beiden Opfern mehrere Jahrzehnte in die Vergangenheit, die nun wieder ans Licht gezerrt wird.

Obwohl die Umstände der Morde, insbesondere die abgetrennten Hände eines mutmaßlich weiteren Opfers, grausig sind, so ist die Atmosphäre des Buches doch eher beschaulich, geprägt durch die dörfliche Gemütlichkeit und die drückende, lähmende Hitze des Hochsommers. Deswegen kam für mich auch keine richtige Spannung auf, ich konnte das Buch problemlos beiseite legen. Dennoch habe ich keine langen Pausen gemacht, da mir der Schreibstil des Italieners gerade sehr entgegen kam: schnörkellos und ohne ausschweifende Umschreibungen. Und zugegebenermaßen war ich schon etwas neugierig, wer der Täter war.

Die Auflösung des Falls hat mich dann zwischenzeitlich etwas verwirrt, da Namen aufgetaucht sind, die ich auf Anhieb nicht einordnen konnte, aber das hat sich zum Glück gelegt. Allerdings fand ich die entscheidende Situation sehr oberlehrerhaft angelegt, es wurde mehr referiert als ermittelt und der Leser vor beinah vollendete Tatsachen gestellt.

Enrico Radeschi als Hauptperson dieses Romans konnte mich auch nicht wirklich überzeugen. Einerseits will er sich von seinem alten, kaum noch funktionierenden Handy trennen, da er sich nicht mit einem neuen beschäftigen mag, aber andererseits ist er so technikaffin, dass er ständig seinen Laptop mit sich herumschleppt und sich problemlos in die Satelliten der Nasa hacken kann ohne Spuren zu hinterlassen. Eine Entscheidung, die er zwischenzeitlich getroffen hat, hat ihn dann auch die wenigen Sympathiepunkte gekostet, die er trotz seines klischeehaften Charakters bei mir sammeln konnte.

Fazit: Der Lobpreisung der italienischen Zeitung La Repubblica kann ich mich nicht anschließen. Dieser Krimi war für mich keine Offenbarung, sondern allenfalls Durchschnitt. Zu mehr als 2,5 von 5 Gürteltieren kann ich mich dementsprechend auch nicht durchringen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s