Matt Ruff – Bad Monkeys

Die Hauptperson dieses Romans, Jane Charlotte, eine Amerikanerin, die die besten Jahre ihres Lebens schon hinter sich hat, erzählt einem Gefängnispsychiater ihre Geschichte um so zu erklären, warum sie genau das getan hat, was sie zu eben jenem Gespräch mit dem Psychiater geführt hat.

Jane Charlotte behauptet, sie gehöre einer Geheimorganisation an, deren Aufgabe darin besteht, hoffnungslos böse Menschen zu eliminieren, um die Welt von ihrer Existenz zu befreien. Um ihre Aufgabe ausüben zu können, besitzt Jane Charlotte nicht wie James Bond eine Lizenz zum Töten, sondern sie und andere Agenten der Abteilung „Bad Monkeys“ benutzen hochentwickelte Geheimwaffen, die den Getroffenen ein Hirnschlag, einen Herzinfarkt oder andere unverfängliche Todesarten bescheren.

Selbstverständlich fällt es dem Gefängnispsychiater schwer, diese Geschichte zu glauben und so werden Jane Charlottes Schilderungen ihres ersten Kontakts mit den Bad Monkeys, der darauf folgenden langen Jahre bis zu ihrer offiziellen Rekrutierung und ihrer anschließenden Ausbildung bis hin zu ihrem aktuellen Auftrag, der sie überhaupt in die Gefängnispsychiatrie gebracht hat, immer wieder von ihm unterbrochen, um sie auf Diskrepanzen zwischen ihrer Geschichte und den belegbaren Fakten hinzuweisen. Doch Jane Charlotte hält auch für diese augenscheinlichen Widersprüche Erklärungen parat, die sowohl den Psychiater als auch den Leser daran zweifeln lassen, ob ihre Geschichte, so hanebüchen sie auch klingen mag, wirklich erfunden ist oder ob es doch sein könnte, dass die Bad Monkeys wirklich dort draußen herumlaufen und Bösewichter per gezieltem Aneurysma zur Strecke bringen.

Dadurch, dass man als Leser den größten Teil des Buches über Jane zuhört bzw. das Protokoll ihrer Schilderungen liest, kann man sich relativ gut in sie hineinversetzen. Dies macht sie jedoch keinesfalls zu einer Sympathieträgerin, denn wie sie selbst zugeben muss, hat sie viele Jahre ihres Lebens sinnlos vergeudet, von heute auf morgen gelebt und ihre Fähigkeiten brach liegen lassen. Auch nach ihrer Rekrutierung war sie keineswegs eine Musteragentin, sondern ihre Zugehörigkeit zu den Bad Monkeys stand beinah permanent auf Messers Schneide und ihr Leben hat sie dadurch auch nicht besser in den Griff bekommen.

Ihr Gegenpart, der Gefängnispsychiater Dr. Vale, kommt nur in den kurzen Unterbrechungen zu Wort und seine Aufgabe besteht hauptsächlich darin, Zweifel zu wecken. Bei Jane ist dies nicht von Erfolg gekrönt, da sie immer eine Erklärung parat hat, doch bei mir als Leserin haben seine Einwände zumindest kurzzeitig Wirkung gezeigt, aber nur so lange, bis Jane mit ihren Schilderungen fortfuhr und den angeblichen Widerspruch plausibel aufgelöst hat. Ein letzter Rest an Unsicherheit blieb aber trotz allem bestehen.

Was mich jedoch noch mehr als dieses Spiel mit der Realität beeindruckt hat, war die Auflösung, die Ruff aus dem Hut zaubert. Darauf wäre ich nun wirklich nicht gekommen! Deswegen vergebe ich für diesen vielschichtigen Roman, der neben seiner abgefahrenen Handlung auch moralische Fragen nach Gut und Böse stellt sowie dem, was bei der Bekämpfung des Bösen erlaubt ist und wann man selbst die Grenze überschreitet und Teil dessen wird, was man eigentlich bekämpfen wollte, 4 von 5 NT-Waffen.

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4 Kommentare zu “Matt Ruff – Bad Monkeys

  1. Ach Mensch, das klingt ja wirklich gut! Das wird wohl mein zweites Ruff-Buch werden. Ich komme grad nicht auf den Titel des Buches, das ich von ihm schon gelesen habe. Jedenfalls ging es da um einen schizophrenen Menschen und das war ein richtig tolles Buch! „Bad Monkeys“ kommt ganz weit nach oben auf die Wunschliste. 😉

  2. Myriel sagt:

    Meinst Du „Ich und die anderen“? Das steht bei mir schon länger auf der Wunschliste und nach der positiven ersten Begegnung mit Matt Ruff wird es bestimmt seinen Weg zu mir finden (früher oder später).

  3. Ja genau, das war es! Ist auf jeden Fall zu empfehlen. 😀

    Ich finde übrigens auch, dass die Erzählperspektive von „Bad Monkeys“ total interessant klingt. Kennst du „Alias Grace“ von Margaret Atwood? Das ist auch so in diesem Interview-Stil geschrieben.

  4. Myriel sagt:

    Nein, von Margaret Atwood kenne ich leider bisher noch gar nichts, aber „Report der Magd“ steht auf meiner Merkliste. „Alias Grace“ werd ich mir mal anschauen.

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