Andreas Eschbach – Die Haarteppichknüpfer

Die titelgebenden Haarteppichknüpfer sind eine Kaste von Männern, deren Lebenswerk darin besteht, einen Teppich aus den Haaren ihrer Frauen und Töchter herzustellen, den sie nach der Fertigstellung an die Haarteppichhändler verkaufen, damit er den Palast des unsterblichen Kaisers schmücken kann. Der Erlös aus dem Verkauf reicht aus, um die nächste Generation zu ernähren, bis der einzige Sohn des Haarteppichknüpfers seinen eigenen Teppich fertiggestellt hat, dessen Verkauf wiederum die nächste Generation ernährt bis … – und das seit Jahrzehntausenden!

Doch wohin gelangen die Haarteppiche tatsächlich? Ist der Palast des gottgleichen Kaisers tatsächlich so riesig, dass er all die Haarteppiche aufnehmen kann? Und was ist mit den sich hartnäckig seit Jahren haltenden Gerüchten, dass der Kaiser gestürzt und getötet wurde?

Auf all diese Fragen gibt Eschbach Antworten, aber nicht in einem fortlaufenden Roman, sondern in zahlreichen Kurzgeschichten, die alle für sich selbst stehen können, doch erst in der Kombination ein Gesamtbild ergeben, das sich dem Leser nach und nach und mit genügend Abstand offenbart – wie bei einem Mosaik.

Obwohl in jeder Geschichte andere Personen im Mittelpunkt stehen und sie meist auch an verschiedenen Orten angesiedelt sind, so gibt es doch einen sie alle miteinander verbindenden roten Faden, der durch Bezüge auf Personen oder Ereignisse vorangegangener Erzählungen und die alles umfassende Frage nach den Haarteppichen geknüpft wird.

Dass ich als Leser trotz der im Vergleich zu konventionellen Romanen zersplitterten Handlung nicht aufhören konnte zu lesen, zeigt wie virtuos Eschbach es versteht, den Leser in die Spekulationen seiner Personen einzubeziehen und in ihm selbst die Neugier zu wecken, was eigentlich tatsächlich hinter all dem steckt. Und noch beeindruckender ist, dass trotz meiner vagen Vermutung, wohin die Geschichten führen würden, mich die Offenbarung auf den letzten Seiten völlig überrascht hat, aber doch so einleuchtend war.

Für dieses Buch kann ich daher nicht anders, als volle 5 von 5 Knüpfrahmen zu vergeben.

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2 Kommentare zu “Andreas Eschbach – Die Haarteppichknüpfer

  1. laberladen sagt:

    Es ist schon ziemlich lange her, dass ich dieses Buch gelesen habe und an Details erinnere ich mich leider nicht mehr. Ich weiss nur noch, dass ich das Buch nicht weglegen konnte und am Ende ziemlich überrascht war. Vielleicht sollte ich das Buch einfach nochmal lesen 🙂
    LG Gabi

  2. Myriel sagt:

    Jaaa, unbedingt nochmal lesen!!!
    Ich kann mir gut vorstellen, dass man bei einem Reread auch noch mehr Andeutungen und Verknüpfungen erkennt als beim ersten Mal. Leider weiß man dann schon um das Ende, aber es dürfte sich dennoch lohnen, nochmal zu diesem tollen Buch zu greifen. 😉

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