Kurt Vonnegut – Schlachthof 5

Vorweg gesagt: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich von diesem Buch halten soll. Laut Rückentext ist es „einer der wichtigsten Antikriegsromane der Weltliteratur“. Doch die Bombardierung von Dresden sowie die sich davor und danach abspielenden Szenen während des 2. Weltkrieges nehmen nur sehr wenig Raum ein. Statt dessen steht das Leben von Billy Pilgrim im Mittelpunkt, der die „Fähigkeit“ hat, mit seinem Geist in seine eigene Zukunft und Vergangenheit zu reisen. Diese Zeitsprünge sorgen im Buch für ziemliches Durcheinander. Ereignisse aus Billys Zukunft (als erfolgreicher Optiker) werden von Geschehnissen aus seiner Kindheit abgelöst, dann wieder wacht er in einer Klinik für Kriegsteilnehmer auf, wohin er nach einem leichten Nervenzusammenbruch eingeliefert wurde, bevor sein Geist sich im Schlachthof 5 in Dresden wieder findet, wo er als Kriegsgefangener untergebracht ist. Reichlich wirr!

Was ich in einem Antikriegsroman überhaupt nicht erwartet hätte: Ufos und die Entführung durch Außerirdische. Doch diese kleinen grünen Tralfamadorianer tauchen immer wieder auf, beinah wie ein roter Faden bei all dem Hin- und Hergespringe durch Billys Leben.

Am Beeindruckendsten an diesem Antikriegsroman war leider das „Vorwort“, das sich in Kapitel 1 verbirgt. Darin spricht der Autor von der Entstehungsgeschichte dieses Buches und erklärt der Frau eines Kriegskameraden, dass es in diesem Buch keine Rolle für John Wayne geben werde, sondern dass er nichts beschönigen werde, erst recht nicht, dass sie damals alle noch fast Kinder waren und keine gestandenen Helden. Daher auch der 2. Titel „Der Kinderkreuzzug“.

Obwohl sich Vonnegut an dieses Versprechen hält und es wirklich keine Rolle für John Wayne gibt, so ist das Buch – kein Autobiografisches, sondern eher ein Roman mit autobiografischen Einsprengseln – doch nur in begrenztem Umfang ein Plädoyer gegen den Krieg an sich. Stattdessen gab es aus meiner Sicht gefährliche Tendenzen in Richtung „laissez faire“, die in Form der Tralfamadoriander auftauchen. Aus ihrer Sicht gibt es keinen freien Willen, sondern jede Situation ist vorbestimmt. Warum also versuchen etwas Vorbestimmtes zu ändern? Warten wir doch lieber auf schönere Zeiten! Nein, diese Philosophie hat meiner Meinung nach nichts in einem Anti-Kriegsroman zu suchen.

Insgesamt bin ich von diesem hochgelobten Werk ziemlich enttäuscht, so dass ich auf nicht mehr als 1,5 von 5 Pelzmänteln komme.

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5 Kommentare zu “Kurt Vonnegut – Schlachthof 5

  1. Liebe Myriel, du wurdest getaggt 🙂

    ich liebe deinen Blog gerade weil er nichts mit Beautykram zu tun hat sondern mit Büchern, der ewigen Liebe meines Lebens.

  2. Brrrrr. Schon allein der Titel ist ja gruselig… Ist wohl eher kein Buch für mich…

  3. Dina sagt:

    Huhu Myriel (ich bin’s, Wendy aus dem Litschock-Forum *winkt wie wild*).
    Ich weiß nicht, ob ich’s „drüben“ schon gesagt habe, aber mir geht’s genau wie dir. Ich hab auch nie verstanden wieso ausgerechnet dieses Buch so ein Klassiker sein soll.
    Katzenwiege von Vonnegut hat mir dafür aber ausgezeichnet gefallen – also eine Steigerung von 1 auf 5 Sterne/Ratten/Pelzmäntel.

    Ach ja, und weil ich deswegen zu Besuch bei dir bin – ich hab dich auch getaggt, mit dem My Beautiful Lipstick Award (warum der so heißt, weiß ich auch nicht). Und hier geht’s zum Award: http://fantasybuchreviews.wordpress.com/2012/04/26/tag-7-random-things-about-me/

    Ach ja, und ich folge dir gleich mal. Bei dir gibt’s ja ordentlich was zu stöbern.
    Ganz liebe Grüße
    Nadine (Wendy)

  4. Myriel sagt:

    Hallöle Wendy/Dina,
    schön, dass es dir bei mir so gut gefällt und vielen lieben Dank für den Award. 🙂
    Deinen Kommentar zu diesem Werk Vonneguts hatte ich im Forum schon gesehen und ich konnte nur zustimmend nicken. Zum Glück wollte mich bisher noch keiner vom Gegenteil überzeugen. Und eine zweite Chance wird er sowieso bekommen, denn Katzenwiege steht auf mehreren Listen, die ich gedanklich abarbeite.
    Viele Grüße
    Myriel

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