Klaus F. Kandel – Mystische Schwarzwaldgeschichten

Sowohl der Titel dieser Sammlung als auch der Untertitel „Magische Begegnungen“ machen deutlich, worauf sich der Leser einstellen sollte. Das Buch beherbergt insgesamt 4 Erzählungen (2 kurze und 2 längere), die alle im Schwarzwald angesiedelt sind und von übernatürlichen Begebenheiten zu berichten wissen.

In „1028 m.ü.M.“ begleiten wir einen von seiner Geliebten verlassenen Mann, der sich durch den Wald wandernd auf dem Weg zu seinem Lieblingssee befindet, um dort etwas Ruhe in seine aufgewühlten Gedanken zu bringen. Während er sich trotz Seitenstechen den Berg hinauf kämpft, begegnet er zuerst dem Holländer Michel und anschließend der Seekönigin, die ihm beide anbieten, wonach er so dringend verlangt.

Die Bezeichnung der zweiten Geschichte „L 94“ bezieht sich auf eine Landstraße, auf der die Eltern der jungen Lisa tödlich verunglücken, von der Straße abgedrängt durch den rücksichtslosen Raser Karl. Während Lisa sich nach dem Verlust ihrer Eltern vollkommen in sich selbst zurückzieht, wird im Tal Getuschel laut, dass das Mädchen vom magischen Bergspiegel beschützt wird und wehe dem, der ihr Böses will – besonders dem, der ihre Eltern auf dem Gewissen hat.

Erzengel Gabriel“ ist eine längere Erzählung, die in insgesamt 7 Abschnitte unterteilt ist. Nachdem mehrere Mitglieder einer Verbrecherbande unter äußerst mysteriösen Umständen ums Leben gekommen sind, stößt der ermittelnde Kommissar auf einen Angehörigen eines der Opfer. Dieser Kräuter-Leo, einst angesehener Arzt, lebt jetzt völlig zurückgezogen im Schwarzwald, sammelt auf manchmal tagelangen Wanderungen seltene Kräuter und Mineralien und stellt hochwirksame, rein pflanzliche Medikamente für seine wenigen Freunde und Bekannten her. Doch wie sollte es diesem Mann, der trotz der vielen Zeit, die er sich wohl an der frischen Luft aufhält, kränklich wirkt, gelungen sein, gestandene Männer zu Tode zu erschrecken oder auf noch kurioseren Arten zu Tode zu bringen?

Auch die letzte Geschichte „Lützelhardt“ ist aufgrund ihrer Länge in 4 Abschnitte unterteilt. Protagonist ist der Genussmensch Gundolf, der während eines Wochenendausflugs zur auf einem Bergrücken gelegenen Ruine der Burg Lützelhardt von einem Blitz getroffen und mehrere hundert Jahre in die Vergangenheit versetzt wird. Als er wieder erwacht, ist von der Ruine nichts mehr zu sehen, sondern er befindet sich in der bewohnten Burg Lützelhardt unter Herrschaft des Ritters Konrad. Gefangen im Mittelalter versucht Gundolf das Beste aus seinem Schicksal zu machen, doch gerade als er sich seinen Platz im Gefüge der Burgbewohner erobert hat, wird diese angegriffen.

Das, was vom Titel dieser Sammlung angekündigt wird, wird von allen 4 enthaltenen Beiträgen gehalten. Der jeweilige Ort der Geschehnisse liegt immer im Schwarzwald und in jedem Fall spielen übernatürliche Wesen oder Ereignisse eine bedeutende Rolle, so dass es ein übergeordnetes Thema gibt. Da ich leider noch nie im Schwarzwald war, konnte ich mit den Ortsangaben nicht allzu viel anfangen, doch die Landschaftsbeschreibungen haben mir eine gute Vorstellung der Gegend vermittelt. Bei den Personen gelang dies leider nicht ganz so gut, es überwog der Eindruck von Resignation und Melancholie, die wie ein Schleier über allem lagen. Diese vorherrschend düstere Atmosphäre sowie die stellenweise sehr anspruchsvolle Sprache mit ihren verschachtelten Sätzen haben die Lektüre in gewissem Umfang zur Herausforderung gemacht. Für einen nebligen Herbstnachmittag mag dieses Buch geeignet sein, aber weniger für einen sonnigen Frühlingstag.

Insgesamt gesehen haben die Erzählungen mir eine Vorstellung vom Schwarzwald und seinen Bewohnern vermittelt und bei einem künftigen Besuch in der Gegend werde ich nach einigen erwähnten Orten Ausschau halten. Für diejenigen, die die Region bereits kennen oder dort wohnen, bietet das Buch einen zusätzlichen Wiedererkennungswert. Abgesehen davon handelt es sich um eine solide, aber eher düstere Sammlung von phantastisch angehauchten Kurzgeschichten, für die ich 3 von 5 Bergwerksschächten vergebe.

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