Stephan R. Bellem – Welt aus Staub

Mehr als ein Jahrhundert in der Zukunft: Die einst grünen Landstriche unseres Planeten haben sich in öde Staubwüsten verwandelt, da ein Pilz sämtliche Vegetation infiziert und vernichtet hat. Die Menschen konnten sich in einige wenige Komplexen retten, die ihre Bevölkerung nur dank streng isolierter unterirdischer Plantagen ernähren können.

In einem dieser Komplexe leben die drei Protagonisten, deren Leben wir zu Beginn des Romans kennen lernen, das im Laufe der Handlung aber gehörig auf den Kopf gestellt wird. Zum Einen begleiten wir mit Sam einen Ingenieur, der für die Filteranlagen der unterirdischen Plantagen zuständig ist und damit eine angesehene Stellung innehat, die mit entsprechendem Prestige verbunden ist. Auf der anderen Seite haben wir Elaine und Tessa, die beide in den äußeren Bereichen leben, die dem Großteil der Bevölkerung nur ein karges Leben bieten können. Tessa, eine junge Frau, verdient sich ihren Lebensunterhalt als Straßendirne, immer in Furcht vor gewalttätigen Freiern und Zechprellern. Die ältere Elaine ist eine Försterin, die in der Außenwelt mühsam die vereinzelt wachsenden Pflanzen sammelt und auf dem Schwarzmarkt verkauft. Denn das, was sich alle in dieser Welt aus Staub sehnlichst wünschen, ist eine lebendige Pflanze, und selbst wenn sie nur für wenige Tage in der pilzversuchten Luft überleben kann. Doch was hat es mit dem Beutel voller Erde auf sich, den Tessa nach einer überstürzten Flucht aus der Wohnung eines Freiers mitgehen ließ?

Die Welt, die der Autor entworfen hat, ist eine düstere Zukunftsvision, in der das Leben ein permanenter Kampf ist. Bereits zu Beginn wird dies deutlich, als Elaine in der Wildnis von anderen Förstern überfallen wird und sich gnadenlos zur Wehr setzt. Auch das Schicksal von Tessa zeigt eindringlich, mit welchen Widrigkeiten insbesondere Frauen zu kämpfen haben. Bei der Darstellung dieser Lebensbedingungen nimmt der Autor kein Blatt vor den Mund, sondern hält schonungslos, aber nicht sensationslüstern mit seiner imaginären Kamera drauf.

Diese Herangehensweise hat bei mir als Leserin den Effekt gehabt, dass ich den Charakteren mehr verziehen habe, als ich dies in einer „angenehmeren“ Umgebung getan hätte. Nur wer hart ist, kann bestehen, und genau dies macht die erfahrene Elaine deutlich. Als Kontrast zu dieser toughen Frau fungiert die jüngere Tessa, die zwar auch schon viel durchmachen musste, aber sich doch einen Rest ihrer kindlichen Neugier und der Fähigkeit zu Staunen bewahrt hat. Gemeinsam haben mich diese beiden Frauen beeindruckt und ihr Schicksal ging mir nahe. Mit der dritten Hauptperson Sam hatte ich insbesondere zu Beginn so meine Schwierigkeiten, denn seine Sorgen und Nöte kamen mir im Vergleich unbedeutend vor. Doch je mehr die Handlung vorschritt, umso mehr konnte auch er mich erreichen.

Was ich noch positiv hervorheben möchte, ist der gelungene Schluss des Romans. Während bei „Die Wächter Edens“ das Ende sehr überstürzt wirkte und Einiges im Unklaren blieb, so ist dies dem Autor bei „Welt aus Staub“ wesentlich besser gelungen. Zudem konnte er mich auf den letzten Seiten noch mal überraschen – im positiven Sinne.

Insgesamt gesehen handelt es sich bei diesem Roman um eine düstere und z.T. brutale Zukunftsvision unserer Welt, auf die man sich einlassen können muss. Wem dies gelingt, der wird mit einem gelungenen Thriller belohnt, der mit lebendigen Charakteren und einem durchdachten Szenario aufwartet. Dafür vergebe ich 4 von 5 Ficus-Pflanzen.

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