Der Fluch des Colorado River

Diese Anthologie aus dem Verlag Torsten Low enthält 19 Kurzgeschichten, die allesamt eine Mischung aus Western und Horrorerzählung darstellen. Den inhaltlichen Rahmen stellt eine weitere Kurzgeschichte, in der ehemaliger Hafenarbeiter aus San Francisco auf der Suche nach dem schnellen Geld zur Goldwäsche gewechselt ist. Doch leider fehlt ihm in seinem Claim eine elementare Voraussetzung hierfür: ein Fluss oder wenigstens ein Bach. Als er in einer nahe gelegenen Höhle einen See entdeckt, ignoriert er die Warnungen der ansässigen Indianer und befreit zugleich mit dem Wasser auch die in der Höhle eingesperrten Geister. Er ist zwar in der Folge das erste Opfer des Fluchs des Colorado River, aber noch längst nicht das Letzte!

Darüber, was der Fluch noch alles verursacht, welche Personen er befällt und welche ihm entkommen können, berichten die weiteren 19 in dieser Anthologie versammelten Kurzgeschichten. Einige davon, wie z.B. „Tot oder lebendig“ von Christian Endres, könnten als reine Western durchgehen, bei denen man sich nach der Lektüre nicht sicher ist, ob der Fluch des Colorado River nicht nur reine Einbildung ist. In anderen Beiträgen jedoch treten die Geister des Flusses höchstselbst in Erscheinung, so wie beispielsweise in „Kokopelli“ von Chris Schlicht.

Nicht nur von der Herangehensweise an das gegebene Thema, sondern auch stilistisch sind die einzelnen Kurzgeschichten sehr unterschiedlich. Die Bandbreite reicht von ironisch-humorvoll („Chili Con Sangre“ von Sabrina Železný) über ruhig, beinah melancholisch („Pokere nie mit Dämonen!“ von Wolfgang Schroeder) bis hin zu gruselig-unheimlich („Der Leuchtturm im Canyon“ von Alina Schad). Zudem schaffen es einige Autoren, ihre Erzählung im allerletzten Absatz nochmals grundsätzlich zu drehen und eine völlig andere Situation offen zu legen. Besonders gelungen fand ich dies bei „Das Greenhorn von Harte’s Pocket“ von Susanne Haberland.

Obwohl Anthologien naturgemäß eher unterschiedlich starke Beiträge vereinen, gab es bei dieser keine Kurzgeschichte, die mich gar nicht überzeugen konnte. Zwar haben mich einige stärker beeindruckt als andere, doch war das Niveau durchgehend recht hoch und alle haben das übergeordnete Thema getroffen. Dafür vergebe ich 3,5 von 5 Indianerweisheiten versehen mit der Einschränkung, dass sich dieses Buch bei den meisten Lesern nicht als Gute-Nacht-Lektüre eignen dürfte.

P.S. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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2 Kommentare zu “Der Fluch des Colorado River

  1. Nana :) sagt:

    Tolle Rezi (:
    Das wär schön als Hörbuch zum Autofahren.. 😀
    Wünsch dir ein schönes Wochenende, liebe Grüße! 🙂

  2. Myriel sagt:

    Hallo Nana,
    du bist ja mutig, sowas beim Autofahren hören zu wollen *staun*
    Bisher habe ich es nur einmal mit einem Hörbuch beim Fahren versucht und das ging halbwegs, aber auch nur weil es ein ruhiges HB war und auf der Autobahn wenig los.
    Dir auch ein schönes Wochenende 🙂
    Viele Grüße
    Myriel

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