Ernest Cline – Ready Player One

Wenige Jahrzehnte in der Zukunft hat sich die Welt nicht zu ihrem Besseren verändert. Die Nachrichten werden dominiert von Kriegen, Umweltkatastrophen und Wirtschaftskrisen. Doch der Großteil der Menschheit wird davon wenig berührt, denn sie verbringen den größten Teil ihres Lebens in der OASIS, einer virtuellen Realität, die so allgegenwärtig ist, dass das virtuelle Geld in der Realität verwendet wird.

Als der Entwickler und Besitzer der OASIS, Halliday stirbt, enthüllt sein Testament eine Überraschung. Da er keine Erben hat, soll derjenige sein ganzes Vermögen (inkl. der Rechte an OASIS) erhalten, der sich als würdig erweist. Irgendwo in dem tausende Welten umfassenden virtuellen Universum hat er drei Schlüssel zu drei Toren versteckt, die schließlich zu seinem persönlichen Easter Egg führen – wer es findet, erhält alles!

Natürlich bricht daraufhin eine ungeheure Schatzsuche aus und so ziemlich jeder begibt sich auf die Suche nach Hallidays Easter Egg. Auch Parzival gehört zu den Egg Huntern, doch während nach einem Jahr ein Großteil der Anfangseuphorie verebbt ist, bleibt er am Ball und eignet sich alles Wissen über Hallidays Leben und dessen Faible, die 80er Jahre, an. Und schließlich werden seine Mühen belohnt, als er den ersten Schlüssel findet. Doch damit ruft er auch einen Konzerngiganten auf den Plan, der alles daran setzt, selbst das Easter Egg zu finden und aus der bislang kostenlosen OASIS eine sprudelnde Geldquelle zu kreieren. Nicht einmal vor Mord wird zurückgeschreckt!

Da sich ein Großteil der Handlung innerhalb der virtuellen Realität abspielt, werden Rollenspiel-affine Leser ihren besonderen Spaß an der Entdeckung dieses Universums haben, in dem es nicht nur ganze Planeten zum Shoppen oder Feiern gibt, sondern auch Nachbildungen z.B. der Herr der Ringe-Welt oder des Firefly-Planetensystems zum interaktiven Entdecken. Als Leser habe ich mir während des Lesens gewünscht, mich selbst in die OASIS einloggen zu können und selbst durch Mittelerde zu wandeln oder bei Captn. Reynolds an Bord zu gehen.

Obwohl der Ich-Erzähler Parzival leider selbst keinen Fuß auf die genannten Welten setzt, ist die Jagd nach Hallidays Easter Egg spannend geschildert, zumal sie sich sowohl in der OASIS als auch in der richtigen Welt abspielt. Die Übergänge zwischen beiden Realitäten sind gelungen, da man als Leser genau wie der Protagonist sich erst mal kurz neu orientieren muss, bevor es weitergeht. Parzival selbst war mir sehr sympathisch und dass er sich stellenweise nicht gerade intelligent verhielt, hat ihn realistischer gemacht. Er ist nun mal kein Überheld, sondern ein Mensch, der Fehler begeht, aus diesen lernt und sich dadurch weiterentwickelt.

Insgesamt gesehen hat mich das Buch sehr gut unterhalten und an vielen Stellen konnte ich nur mit einem breiten Grinsen im Gesicht oder einem enthusiastischem Nicken weiter lesen, so sehr habe ich vieles aus meinen eigenen Erfahrungen in Online-RPGs wieder erkannt. Die zweite Hälfte des Romans musste ich übrigens am Stück lesen, da ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte und unbedingt wissen musste, wie es ausgeht.

Sicherlich handelt es sich bei „Ready Player One“ nicht um hochgeistige Literatur, aber sie hat mich so gut unterhalten, dass ich 4,5 von 5 Quartern vergebe. Und für alle, die jetzt neugierig geworden sind, aber leider das Buch nicht im englischen Original lesen können oder wollen: Die deutsche Übersetzung erscheint bereits nächsten Monat!

P.S. Eigentlich bin ich froh, dass Parzival nie einen Fuß nach Mittelerde oder anderswohin setzt. Der Autor hätte es nie jedem Leser recht machen können und so kann man sich seine eigene Version eines Besuchs in seinem Lieblingsbuch/Lieblingsfilm/Lieblingsspiel träumen.

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4 Kommentare zu “Ernest Cline – Ready Player One

  1. Sage mal weißt du wo und unter welchen Titel das Buch erscheint? Hört sich nämlich nach was für ich an 😉

  2. Myriel sagt:

    Hallo Christina,
    die deutsche Ausgabe erscheint ebenfalls unter dem Titel „Ready Player One“ und zwar bei Penhaligon.
    Laut Ankündigung auf der Verlagshomepage soll das Buch ab 26. März erhältlich sein.
    Viele Grüße
    Myriel

  3. Yvonne sagt:

    Schöne, ausführliche Rezi!
    Ich hab es auch schon gelesen. Ich darf meine Rezi aber erst ab dem 14.03. veröffentlichen. Ich schweige also noch ein bisschen 😉
    LG
    Yvonne

  4. Myriel sagt:

    Hallo Yvonne,
    schön, wenn dir meine Rezi gefällt. 🙂
    Auf deine Meinung bin ich gespannt, denn bei der deutschsprachigen Leseprobe sind mir manche Übersetzungen etwas aufgestoßen (insb. aus dem Kunstwort Gunter (aus Egg Hunter) ein simples Jäger zu machen …). Hoffentlich nimmt das dem Buch aber seinen Reiz nicht.
    Viele Grüße
    Myriel

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