Paulo Coelho – Veronika beschließt zu sterben

Die junge Slowenin Veronika hat bereits mit ihren 24 Jahren genug vom Leben gesehen, um zu wissen, dass sie es nicht weitere 50, 60 oder 70 Jahre teilen will. Jeder Tag ist wie der vorherige, nur bestimmt von Pflichtgefühl und dem Wunsch, demjenigen Bild zu entsprechen, dass andere von ihr haben. Nach ihren eigenen Träumen, Wünschen oder Vorstellungen hat jedoch noch nie jemand gefragt.

Der Selbstmordversuch scheitert jedoch und sie wacht in einer psychiatrischen Klinik wieder auf. Doch dort wird ihr von den Ärzten erklärt, dass ihr Herz von den vielen genommenen Schlaftabletten geschädigt wurde und ihr nur noch wenige Tage zu Leben bleiben. Zuerst ist Veronika froh darüber, dass sie es letztendlich doch geschafft hat, sich umzubringen, auch wenn sie noch etwas auf das Ergebnis warten muss. Doch in den ihr noch verbleibenden Tagen lernt sie die Freuden des Lebens kennen und während sie dies tut, reißt sie auch die anderen Insassen der Anstalt aus ihrem Schlummer.

Überraschenderweise hat Coelho die Gedankengänge und die Gefühlswelt einer jungen Frau so genau getroffen, dass ich mich vielfach in der gleichaltrigen Veronika wieder erkannt habe und ihre Ansichten und Schlussfolgerungen geteilt habe. Darin, dass der Autor jedoch ein Mann und gut doppelt so alt ist wie seine Hauptperson, zeigt sich seine Brillanz.

Doch nicht nur Veronika, sondern auch die anderen Bewohner der Klinik wurden gut getroffen und anhand ihrer beispielhaft erzählten Hintergrundgeschichten kann man sich ein sehr gutes Bild von ihnen machen und auch von dem Einfluss, den Veronikas Schicksal auf sie ausübt. Sie entdecken das Leben wieder, vor dem sie sich so lange versteckt haben und endlich gestehen sie sich ein, dass sie nicht verrückt, sondern nur anders sind als der Großteil der Menschen, die außerhalb der Klinik ihrem Leben nachgehen ohne sich jemals Gedanken darüber gemacht zu haben, was sie sich selbst dadurch vorenthalten, dass sie sich nach den Meinungen der anderen richten und nicht ihr eigenes Leben leben.

Insgesamt gesehen hat das Lesen dieses dünnen Buches nur wenige Stunden in Anspruch genommen, doch beschäftigen wird es mich noch viel länger. Dafür vergebe ich 5 von 5 Sonaten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s