Anne McCaffrey – Die Wiedergeborene

Saras letzte Erinnerung an ihr Leben auf Erden ist die an einen riesigen Schatten über dem Central Park. Sie kommt erst wieder richtig zu Bewusstsein, als sie längst als Pflegerin in einer Art Rehabilitationsklinik tätig ist. Ihr persönlicher Patient ist völlig lethargisch, doch anhand eines belauschten Gesprächs zwischen den Ärzten erfährt Sara, dass er mit Drogen ruhig gestellt wurde. Aus einem Impuls heraus enthält sie ihm die drogenversetzte Nahrung vor und befreit ihn dadurch aus seiner persönlichen Hölle. Während ihrer gemeinsamen Flucht stellt sich heraus, dass ihr Patient Harlan ein einflussreicher Politik dieses fremden Planeten ist und von einem machthungrigen Opponenten ausgeschaltet wurde. Doch gemeinsam schlagen sich Sara und Harlan zu seinen Verbündeten durch, um mit deren Hilfe schließlich Harlans Comeback zu inszenieren und seinen Gegner bloßzustellen.

Dies alles erfährt man aus Sicht der Ich-Erzählerin Sara, der als Frau von unserer Erde dieser Planet, seine Bewohner und ihre Sitten und Gebräuche völlig fremd sind. Während ihrer langen Dämmerphase, als sie auf ihre zukünftige Arbeit als Pflegerin konditioniert wurde, hat sie sich bruchstückhaft die Sprache der Bewohner angeeignet und schafft es somit und vor allem dank ihrer unkonventionellen Einstellung zu einer großen Stütze Harlans zu werden.

Gemeinsam mit ihr lernt der Leser in der Folgezeit viel – in erster Linie jedoch über die politischen Intrigen, die dort ebenso wie auch hier bei uns gesponnen werden. Dabei hat es mich sehr gut amüsiert, wie Sara das Weltbild aller Männer umgeworfen hat, denen sie begegnete. McCaffrey hat ihre Intention einer Satire auf die typische Frauenrolle in den Fantasy- und SciFi-Romane der 1960er Jahre hervorragend umgesetzt und es dabei geschafft, die dünne Trennlinie zur plumpen Parodie nicht zu überschreiten.

Eine ordentliche Portion Dramatik hat die Handlung zudem auch zu bieten, denn Saras neue, unfreiwillige Heimat wird von Außerirdischen bedroht, die – sagen wir, recht unappetitliche Essgewohnheiten haben. Nachdem sie sich lange Jahre zurückgehalten haben, wird ausgerechnet während eines kritischen Moments offenbart, dass sich die größte feindliche Flotte seit einer Generation nähert. Angesichts solcher Umstände muss auch die sich erstaunlich unspektakulär anbahnende Beziehung zwischen dem Helden Harlan und seiner Retterin Sara zurückstecken. Das hat bei mir nochmals für Pluspunkte gesorgt.

Angesichts dessen, dass mich das Buch wunderbar unterhalten hat und mir bewiesen hat, dass gute Phantastik nicht immer grim & gritty sein muss, vergebe ich stolze 4 von 5 Wachstafeln.

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