Ken Kesey – Einer flog über das Kuckucksnest

Der Ich-Erzähler dieser Geschichte ist Patient in einer Nervenheilanstalt und wird dort aufgrund seiner Herkunft „Häuptling“ genannt. Obwohl er stellenweise unter Verwirrung zu leiden scheint, ist er dennoch größtenteils bei Verstand. Da ihn jedoch keiner der Wärter oder Ärzte ernst nimmt, hat er die größtmögliche Bewegungsfreiheit und kann so die Mechanismen erkennen und beobachten, die in der Anstalt herrschen.

Als jedoch ein neuer Patient eingeliefert wird, der sich partout nicht an die eingespielten Regeln halten will und der heimlichen Herrscherin dieses Reiches, der Oberschwester die Stirn bietet, gerät langsam aber sicher alles aus den Fugen. Zuerst kann der aufmüpfige McMurphy nur wenige der Insassen aus ihrer Teilnahmslosigkeit herauszureißen, doch nach und nach schafft er es mit seinen Aktionen die ganze Abteilung zu mobilisieren und gegen die Herrschaft der Oberschwester anzukämpfen. Da diese sich das jedoch nicht einfach so gefallen lässt, führt zu Konflikten, die alles auf den Kopf zu stellen drohen.

Wer aufgrund des Settings eine Komödie erwartet, der wird eine herbe Enttäuschung erfahren. Der Ich-Erzähler ist eine tragische Gestalt, die den meisten Geschehnissen passiv folgt und so eher die Rolle eines Chronisten als die eines Aktivisten einnimmt. Seine Geschichte und auch die der anderen Insassen sind – soweit man sie erfährt – von Unverständnis, Vorurteilen und  Komplexen geprägt, die sie schließlich in die teilweise selbst gewählte Isolation der psychiatrischen Anstalt getrieben haben.

Desweiteren sind die medizinischen Kenntnisse der 1960er Jahre, in denen dieser Roman spielt, weit von den heutigen entfernt. Die Tage der Elektroschocktherapie sind zwar schon gezählt, doch wird diese grausame Methode stellenweise immer noch angewandt. Auch gilt die Lobotomie noch als anerkannte Heilung für psychopathisches Verhalten. An diesen Stellen bekam ich jedes Mal eine Gänsehaut und war heilfroh, dass zumindest diese medizinischen Irrtümer ausgeräumt sind.

Insgesamt gesehen ist das Buch keine leichte Lektüre, doch entwickelt sich beim Lesen eine morbide Faszination, wer denn nun das Duell gewinnen würde – die Oberschwester oder der aufsässige McMurphy. Dafür vergebe ich 3,5 von 5 Angelausflügen.

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