Gerhart Hauptmann – Die Weber

Dieses Schauspiel in fünf Akten ist in Schlesien im 19. Jahrhundert angesiedelt. Bei den Handlungstragenden handelt es sich in der überwiegenden Mehrzahl um Weber und ihre Familien, denen von ihrem Fabrikanten zunehmend der Lohn gekürzt wird aufgrund angeblich mangelhafter Qualität des hergestellten Stoffs. Zuerst geben sie sich still in ihr Elend und leiden Hunger, doch der Weberssohn und Reservist Moritz Jäger bringt etwas mit, dass in dieser angespannten Lage wie Dynamit wirkt: Selbstbewusstsein und Kampferfahrungen von seinen Fronteinsätzen. Er macht den Webern begreiflich, dass sie ihre Situation selbst in der Hand haben und unter seiner Führung werden sie aufsässiger, bis es schließlich zum Aufstand kommt.

Hintergrund des Schauspiels ist der schlesische Weberaufstand des Jahres 1844, den Hauptmann hier literarisch verarbeitet hat. Obwohl die Dramatis Personae des Stücks relativ umfangreich ist, kam ich mit den auftretenden Personen sehr gut zurecht, da die Weber größtenteils sehr ähnlich auftraten und ihre individuellen Züge nicht sehr stark ausgeprägt waren – die meisten Weber konnte man einfach als Weber identifizieren und brauchte sich nicht auf ihre Namen konzentrieren.

Die Beweggründe des Aufstands wurden von Hauptmann nachvollziehbar dargestellt und auch, dass so eine Bewegung ab einem gewissen Punkt einen eigenen Schwung erhält und dann nicht mehr beeinflusst werden kann. Daher können die wenigen mahnenden Stimmen der Vernunft im entscheidenden Augenblick nichts mehr ausrichten und die Geschehnisse nehmen ihren Gang. Hauptmann hat sich jedoch entschlossen, ihnen nicht bis zum historisch bekannten Schluss zu folgen, sondern sich bereits zu Beginn der sich abzeichnenden staatlichen Reaktion zu verabschieden. Den Rest kann sich der Leser sowieso denken.

Was für mich die Lektüre erheblich verkompliziert hat, waren weder die Vielzahl der Personen noch der historische Hintergrund, sondern der norddeutsche Dialekt, in dem Hauptmann das Schauspiel verfasst hat. Ich habe weder mit Plattdeutsch noch mit einer ähnlichen Mundart Erfahrung und dementsprechend schwierig war es für mich, den Dialogen zu folgen. Einiges hat sich mir erst über den Klang erschlossen.

Insgesamt gesehen handelt es sich bei „Die Weber“ um ein historisch fundiertes Schauspiel, das mit dem norddeutschen Akzent seiner Sprecher zwar für Authentizität sorgt, aber gleichzeitig auch zu Verständnisschwierigkeiten beim Leser führen kann. Summa summarum komme ich so auf 2,5 von 5 Ballen Parchent.

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