Frank Schätzing – Nachrichten aus einem unbekannten Universum

Als Schätzing für seinen Wissenschaftsthriller „Der Schwarm“ recherchiert hat, hat er sich viel Wissen angelesen, von dem er nach eigener Aussage aber nur 10-20% in seinem Roman verarbeiten konnte. Bei einem Gläschen und einem Schwatz mit seinem Verleger und dem Herausgeber einer populär-wissenschaftlichen Zeitung kam die Idee auf, aus diesem brachliegenden Wissen ein kleines Begleitbuch zum Schwarm zu generieren. Aus dem dünnen Bändchen wurde ein dicker Brocken mit über 600 Seiten, der doch keine Minute langweilt.

Während der erste Abschnitt „Vorgestern“ nur wenige Seiten umfasst und im Wesentlichen als Einleitung fungiert, umspannt der zweite Teil „Gestern“ über ein Drittel des Buches und mehrere Hundertmillionen Jahre. Um über das Leben in den Meeren zu schreiben, so Schätzing, müsse man bei der Entstehung der Meere beginnen und das wiederum wird von der Entstehung unseres Planeten und des Universums insgesamt beeinflusst. Im Schnelldurchlauf erleben wir so die Zeit bis zur Entstehung der ersten organischen Verbindungen an sog. Schwarzen Rauchern. Über Einzeller und Vielzeller entwickelt sich das Leben in den Meeren immer weiter, schafft den Sprung an Land und einige der Landbewohner zieht es zurück ins Meer. Obwohl das Leben an der Erdoberfläche nicht völlig ausgeklammert wird, liegt das Hauptaugenmerk immer auf den Wasserbewohnern in allen Erdzeitaltern.

Nach der aufregenden Zeitreise verweilt Schätzing im dritten und längsten Abschnitt, der beinah die Hälfte des Buches einnimmt, im „Heute“, beschreibt das Ökosystem Meer, seine Bewohner – die Größten und die Kleinsten – und wie der Mensch in dieses fragile System eingreift. Obwohl er hier eindeutig Position bezieht und seiner Meinung deutlich Ausdruck verleiht, kam ich mir nie belehrt vor oder gar von der Moralkeule erschlagen.

Im vierten Abschnitt „Morgen“ werden einige Zukunftsvarianten vom Leben auf, mit und unter dem Meer vorgestellt sowie Überlegungen angestellt, unter welchen Bedingungen sich Leben auf anderen Planeten entwickeln könnte und wie es beschaffen sein könnte. Dabei sind die Hypothesen aus meiner Sicht nicht abgehoben, sondern basieren auf dem derzeitigen Wissenstand. Angesichts dieser Ausblicke war ich gespannt, was im Abschlusskapitel „Übermorgen“ noch präsentiert würde, doch statt noch fernere Planeten zu besuchen kehrte Schätzing auf die Erde zurück mit der Frage, was wäre Übermorgen, wenn die Menschheit so weiter macht wie bisher.

Mit diesem im Vergleich sehr ernsthaften Schlusswort überlässt Schätzing seine Leser ihren eigenen Gedanken. Im Übrigen weiß er jedoch mit einem amüsanten, stellenweise flapsigen Erzählton zu unterhalten und eingestreute thrillerartige Schilderungen lassen keine Langeweile aufkommen. Auf diese Art und Weise lernt man gern noch etwas dazu und dafür vergebe ich 4 von 5 Trilobiten.

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