Saverio Tenuta – Die Legende der scharlachroten Wolken

Die erste Comicreihe des italienischen Autors und Zeichners umfasst 4 Bände:

  • Die Stadt, die zum Himmel spricht
  • Wie Blätter im Wind
  • Der perfekte Strich
  • Die verborgene Blume des Scheusals

Inhaltlich ist die Story in Japan angesiedelt ca. im 17. Jahrhundert, an der Schwelle zwischen der Hochzeit der Samurai und ihrer Ablösung durch Musketenregimenter. Hauptperson ist der Ronin Raido, der nicht nur einen Arm und ein Auge, sondern auch sein Gedächtnis verloren hat. Auf seiner ziellosen Odyssee gelangt er in die Stadt, die zum Himmel spricht, wo er die talentierte Marionettenspielerin Meiki vor den Wachen des Shoguns rettet. Gemeinsam ziehen sie weiter durch die schneeverwehten nördlichen Landstriche und versuchen sich darüber klar zu werden, welches Band der Vergangenheit sie aneinander bindet.

Gemeinsam bilden der wortkarge ehemalige Samurai und die Marionettenspielerin ein Gespann, dem ich gern auf seinem Weg gefolgt bin. Raido kämpft gegen innere Stimmen, die ihm den Zugang zu seiner Vergangenheit versperren, während Meiki, die mit ihren Puppen Geschichten erzählt, ihn dabei unterstützt und seinen Ankerpunkt in der Gegenwart bildet. Im Laufe der Ereignisse betreten immer mehr Personen ihren Pfad und während es anfangs noch den Eindruck machte, dass es hier nur um Raido und seine Suche nach der Vergangenheit ginge, sind bald darauf zusätzliche Dimensionen hinzugekommen und es steht mehr auf dem Spiel als nur die Erinnerungen eines Mannes.

Obgleich das Setting grundsätzlich mit dem historisch bekannten übereinstimmt, findet die japanische Sagenwelt immer wieder Einlass. Zuerst tritt das Mystische nur in Form der Izunas, der Wölfe aus dem Eiswald, auf. Doch verstärkt sich die Präsenz des Übernatürlichen und schließlich haben sogar die göttlichen Kamis ihren Platz in den Geschehnissen.

Obwohl sowohl die Personen als auch die Handlung mir gut gefallen haben, hat mich die Optik am meisten begeistert. Hauptsächlich in weiß, rot und grauschwarz gehalten, beinhalten die Zeichnungen starke Kontraste – insbesondere rotes Blut auf weißem Schnee, ein häufig wiederkehrendes Motiv. Insgesamt hat mich der Stil mit den schwarzen Konturen, detailreichen Hintergründen und den länglichen Gesichtern der Charaktere an japanische Drucke erinnert. Dadurch konnte ich oftmals minutenlang vor einer Szene verweilen und mich in den Einzelheiten verlieren.

Fazit: Die Kombination aus japanischen Legenden, den faszinierenden Charakteren und vor allem dem beeindruckenden Zeichenstil haben meinen Nerv getroffen und ich hätte sofort nach Beendigung der Lektüre wieder von vorn anfangen können. Dafür vergebe ich 5 von 5 Pinselstriche.

P.S. Hier gibt es eine Leseprobe zum Schnuppern.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s