Dai Sijie – Balzac und die kleine chinesische Schneiderin

Im China von Mao Zedong wurden tausende Jugendliche während der Kulturrevolution aufs Land geschickt, um dort von den kommunistischen Bauern umerzogen zu werden. Unter ihnen befinden sich auch der Ich-Erzähler und sein bester Freund Luo, deren Väter Ärzte sind und damit als Intellektuelle zu den Klassenfeinden gehören. Anfangs fällt es den beiden jungen Männern schwer, sich in das Dorfleben an ihrem Verbannungsort einzufügen, doch als sie entdecken, dass ein anderer Junge im Nachbardorf einen Koffer voller westlicher Literatur besitzt und ihnen sogar ein Buch von Balzac ausleiht, öffnet sich eine neue Welt für die beiden. Mit Hilfe dieser versteckten Schätze kann Luo sogar die Tochter des Schneiders für sich einnehmen und erlebt mit ihr eine schöne Zeit, die jedoch wie so vieles ein abruptes Ende findet.

Da das Buch autobiografische Züge trägt, ist es sehr eindringlich geschrieben. Die Zustände in den ländlichen Dörfern sind, euphemistisch ausgedrückt, sehr einfach, doch äußert sich der Erzähler niemals abwertend, sondern behält einen lakonischen Ton bei, der trotz der prekären Situation, in der sich die Jungs befinden, der Erzählung eine gewisse Leichtigkeit verleiht.

Mit ihren Tricks und Kniffen versuchen sich der Ich-Erzähler und Luo ihr erzwungenes Exil so angenehm wie nur irgendmöglich zu machen und das macht sie mir sympathisch – sie geben sich niemals völlig auf. Gut gefallen haben mir zudem die verschiedenen Anspielungen auf europäische Klassiker, die die beiden Jungs lesen und von denen ich einige auch kenne. Es war schön meine Eindrücke mit ihren zu vergleichen.

Fazit: Der Roman vereint Einblicke in das kommunistische China Maos mit einem lockeren Erzählerton, der über den schwer im Magen liegenden Inhalt hinweghilft. Dafür vergebe ich 3,5 von 5 Volksliedern.

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