Karen Duve – Anständig essen. Ein Selbstversuch

Die bekannte deutsche Autorin Karen Duve hat die Kritik ihrer Freundin an ihren Essgewohnheiten zum Anlass genommen, über eben diese genauer nachzudenken. Sie beschließt, die verschiedenen Ernährungsweisen selbst über einen Zeitraum von jeweils mehreren Monaten zu testen.

Den Beginn macht sie, indem sie nur Lebensmittel mit kontrolliert biologischer Herkunft zu sich nimmt. Es folgen einige Monate vegetarische, vegane und schließlich sogar fruktarische Ernährung. Dabei hat es mir sehr gut gefallen, dass Duve keine Moralpredigt hält, sondern offen über ihre eigenen Schwierigkeiten berichtet, die diese Umstellung ihrer Ernährung ihr bereiten. Diese Probleme fangen dabei an, herauszufinden, welche Lebensmittel sie überhaupt zu sich nehmen darf (z.B. vegan – Wurden die Brötchen auf Blechen gebacken, die mit Butter eingefettet wurden?) und reichen bis zu Nebenkriegsschauplätzen wie der daunengefüllten Bettwäsche und den geliebten Lederstiefeln. Anstatt sich als Übermensch hinzustellen thematisiert sie auch immer wieder ihre Gelüste nach Lebensmitteln, die ihr in ihrer momentanen Phase des Selbstversuchs verschlossen sind, und die Schwierigkeiten, die sie mit dem entsprechenden Ersatz (z.B. veganer Käse) hat.

Frau Duve hat jedoch nicht die vollen 300 Seiten nur mit ihren eigenen Erfahrungen gefüllt, sondern eine anfangs gute Mischung mit wissenschaftlichen Fakten gefunden. Jedoch nehmen ab der Hälfte des Buches die Passagen zu, die für meine Gefühle unpassend waren. Weder haben Berichte über illegale Tierbefreiungsaktionen noch LiveTicker-artige Kurzmeldungen über die Flutkatastrophe in Pakistan meiner Meinung nach etwas in einem Buch über die höchstpersönlichen Erfahrungen mit verschiedenen alternativen Ernährungsweisen zu suchen.

Das Fazit, was Duve allerdings am Ende ihres Selbstversuchs zieht und die Ehrlichkeit, die sie dabei an den Tag legt, haben mich mit einigen Mankos versöhnt. Weiterführende Literaturhinweise laden zudem dazu ein, sich selbst über Vegetarismus, Veganismus & Co. zu informieren und seine eigene Ernährung im Lichte dessen, was man erfahren hat, zu überdenken. Insgesamt gesehen komme ich so auf 3,5 von 5 Grillen.

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