Banana Yoshimoto – Hard-boiled, Hard Luck

Dieses Buch der japanischen Kultautorin enthält zwei Erzählungen:

In der ersten Erzählung „Hard-boiled“ begleitet man die Ich-Erzählerin auf einer Wanderung durch die japanischen Wälder. Dort weckt ein alter Schrein am Wegesrand die Erinnerungen an ihre verstorbene Freundin, die jedoch seltsam verfremdet sind und dunkle Ahnungen in der Erzählerin auslösen. Der Spuk scheint die junge Frau bis in die nächste Ortschaft zu verfolgen. Die folgenden Stunden schwankt sie zwischen der Trauer um ihre Freundin, deren Todestag sich an diesem Tag jährt und deren Tod sie erst jetzt richtig verarbeiten kann, und der Furcht vor seltsamen Geistererscheinungen, die sie im Hotel heimsuchen. Als jedoch der nächste Morgen hereinbricht, hat die Erzählerin endlich die Vergangenheit aufgearbeitet und startet befreit von dieser zuvor unbewältigten Last in den neuen Tag.

Die zweite Erzählung „Hard Luck“ dreht sich um die Familie von Kuni-chan, die kurz vor ihrer Hochzeit einen Hirnschlag erlitten hat und nun ohne Hoffnung auf Genesung im Koma liegt. Die Mitglieder ihrer Familie sowie ihr beinah-Ehemann und dessen Familie müssen daraufhin lernen Loszulassen. Dieser schmerzhafte Prozess wird von der kleinen Schwester Kuni-chans, der Ich-Erzählerin, wiedergegeben, die alle Phasen von der Ungläubigkeit über den Verlust, dann Verzweiflung und schließlich Akzeptanz durchmacht und schließlich neue Kraft aus der Zeit der Trauer schöpft und frische Pläne für ihr weiteres Leben schmiedet.

Die Gemeinsamkeit beider Geschichten ist der Verlust geliebter Menschen und die Verarbeitung dessen. Beide Ich-Erzähler sind junge Frauen, die alle Phasen der Trauer durchlaufen und schließlich lernen, den Verlust zu verarbeiten und daraus neue Kraft ziehen. Während jedoch die zweite Geschichte sehr realitätsnah ist, spielen mystische Elemente in der ersten Erzählung eine große Rolle. Obwohl sich dies alles vermutlich auch als Einbildung bzw. Traum erklären ließe, konnte ich mit den surrealen Elementen nicht ganz so viel anfangen, so dass mir die zweite Novelle insgesamt besser gefiel. Jedoch können beide Geschichten nicht an „Kitchen“ heranreichen, wo die förmlich aus den Seiten quellende Melancholie für eine bittersüße Atmosphäre sorgte. Ich vergebe 3 von 5 schwarzen Steinen.

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