Steve Stern – Der gefrorene Rabbi

Als der 15jährige Bernie auf der Suche nach einem neuen Hilfsmittel zur Masturbation auf einen gefrorenen Rabbi in der Tiefkühltruhe im Keller seiner Eltern stößt, weiß er noch nicht, wie sehr der alte Mann sein Leben durcheinander wirbeln wird. Denn einige Wochen später fällt während eines Sturms der Strom aus – und der Rabbi taut auf. Was folgt, ist eine unglaubliche Farce, bei der ich mir nicht die Mühe gemacht habe, sie bis zu ihrem absolut geschmacklosen Ende zu verfolgen.

Bernie ist zu Beginn des Romans ein fauler, übergewichtiger Junge ohne jegliche Interessen oder Hobbies, der sich den ganzen Tag lang nur vom Fernsehen berieseln lässt und dabei masturbiert. Mit dem Erwachen des Rabbis ändert sich das von Heute auf Morgen. Auf einmal beginnt sich Bernie für die jüdischen Wurzeln seiner Familie zu interessieren, sieht den Rabbi als seinen Lehrmeister an und leiht sich sogar Bücher aus der Bibliothek der jüdischen Gemeinschaft aus.

Sein Gegenbild ist der früher ach so fromme Rabbi, der vor über 100 Jahren während einer Meditation von einem herbstlichen Unwetter überrascht wurde und dessen Körper bald darauf im Wasser des überfluteten Sees gefror. Von seiner früheren tiefreligiösen Einstellung ist aber nach seiner Wiederbelebung nichts mehr zu spüren, sondern nachdem sich der Rebbe durch zwei Wochen intensivsten Fernsehgenusses ein Bild von der neuen Welt gemacht hat, beschließt er, ein Haus der Erleuchtung zu eröffnen, wo er neben spiritistischen Kursen auch jede Menge überteuerten Ramsch an seine Anhänger verkaufen will. Dieser Wandel vom Spiritismus zum Kapitalismus verläuft Bernies Entwicklung diametral entgegengesetzt und keine von beiden Wandlungen waren für mich auch nur im Ansatz nachvollziehbar, da sie plötzlich vonstatten gingen und nicht der Hauch einer Erklärung erkennbar war.

Die Sprache machte es mir auch nicht leichter, der ziemlich kruden Handlung zu folgen. Der Text ist nur so gespickt mit jüdischen Begriffen und jiddischen Wörtern, die sich nicht alle aus dem Zusammenhang erschließen lassen. Zwar soll in der veröffentlichten Hardcover-Ausgabe ein Glossar enthalten sein, doch wäre es mir auf Dauer wohl viel zu anstrengend geworden, ständig zwischen dem Romantext und dem Glossar hin- und herzublättern. Zudem wird durch dieses übertrieben eingesetzte Stilmittel auch keine Atmosphäre geschaffen. Für mich macht es jedenfalls kaum Unterschied, ob nun vom Marktplatz oder dem mark plaz gesprochen wird – nur, dass mich Zweiteres aus dem mühsam erkämpften Lesefluss riss und ich wieder von vorn anfangen durfte, einen Zugang zum Buch zu finden.

Das einzige, was mich bis Seite 200 hat durchhalten lassen, waren die immer abwechselnd zum gegenwärtigen Teil der Handlung eingebrachten Rückblicke in die Vergangenheit des Rabbis, in der erklärt wird, wie er in den Besitz von Bernies Familie gelangt ist. Doch auch obwohl ich hier von den nervigen Anwandlungen von Bernie und dem Rabbi verschont blieb, hat sich die Sprache nicht geändert und mich langsam aber sicher zur Verzweiflung gebracht.

Nachdem ich an dem Punkt meinen Gedanken geäußert hatte, das Buch abzubrechen, hat mich eine Leidensgenossin auf diese Zusammenfassung des Romanschluss aufmerksam gemacht und danach kannte ich keine Zweifel mehr und das Buch flog in die Ecke. Für so einen Stuss ist mir meine Zeit echt zu schade.

Unter dem Umstand, dass ich gerade einmal ein gutes Drittel des Romans gelesen habe und ich daher nicht mit Sicherheit weiß, ob nicht doch noch ein paar Perlen darin versteckt sind (was ich aber angesichts des Endes für ein Ding der Unmöglichkeit halte), kann ich nur 0,5 außerkörperliche Erfahrungen vergeben für die kleinen Lichtblicke, die die Rückblenden mir boten.

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2 Kommentare zu “Steve Stern – Der gefrorene Rabbi

  1. nomadenseele sagt:

    Klingt nach einem Buch, welches man gelesen haben muss :mrgreen: .

  2. Myriel sagt:

    Na aber unbedingt! Wer das Buch nicht gelesen hat, der hat echt was verpasst. :mrgreen:

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