Stephen King – Die Arena

Chester’s Mill ist eine ganz normale Kleinstadt in Maine, bis sich eines Tages aus heiterem Himmel eine durchsichtige, aber beinah undurchlässige Kuppel über die gesamte Gemeinde stülpt. Wer immer sich zu dem Zeitpunkt in der Stadt befindet, ist nun eingeschlossen und keiner weiß für wie lange. Während zu Beginn alle noch daran glauben, dass die Kuppel schon bald wieder verschwunden sein wird und die Stimmung beinah einem Volksfest gleicht, entgleist die Lage nach wenigen Tagen immer mehr. Doch die Bedrohung kommt nicht von der Kuppel, sondern von dem, was sie in den Menschen hervorruft – und das ist nicht das Gute!

Held der Geschichte ist der ehemalige Soldat Dale „Barbie“ Barbara, der als Aushilfskoch in einem Diner in Chester’s Mill gearbeitet hat, nach einem Zusammenstoß mit dem Sohn des zweiten Stadtverordneten jedoch die Stadt verlassen wollte. Leider kam ihm die Kuppel dazwischen, so dass er nun gemeinsam mit Junior, dessen Freunden und seinem sehr einflussreichen Vater festsitzt. Jim Rennie, Juniors Vater, entpuppt sich dann auch als Gegenspieler von Barbie. Anstatt alles daran zu setzen, die Leute unter der Kuppel zu schützen und so schnell wie möglich einen Ausweg aus der Situation zu finden, genießt er es, nunmehr seine Machtstellung ausbauen zu können und alles nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. In der Folge entspinnt sich ein erbitterter Kampf zwischen Barbie und Jim Rennie, in den bald alle Anwesenden hineingezogen werden.

Neben diesem Hauptkonflikt gibt es jedoch noch viele weitere Auseinandersetzungen zwischen den überaus zahlreichen Personen, die den Roman bevölkern. Das zu Beginn des Buches abgedruckte Personenverzeichnis ist hier wirklich eine gute Hilfe, um den Überblick zu behalten. Obwohl man durch die Vielzahl an Nebenkriegsschauplätzen ein sehr viel plastischeres Bild von den Vorgängen in Chester’s Mill erhält und den Veränderungen, die die Situation in den Menschen bewirkt, wird das Buch dadurch auch unglaublich aufgebläht.

Zwar schafft es King durch seine flüssige Schreibe und die detailreiche Charakterisierung seiner Personen das Interesse des Lesers an ihrem Schicksal aufrecht zu erhalten, aber wirkliche Spannung, wie ich es von ihm gewohnt bin, kommt dabei nicht auf. Was ich ebenfalls vermisst habe, war, dass seine Wörter Bilder vor meinen Augen malten. Besonders der Showdown hätte unglaublich viel Potential gehabt, um das ganze Inferno filmreif zu beschreiben. Statt dessen blieb alles sehr flach und beinah emotionslos. Erst nachdem ich das Buch beendet hatte und mir das Ganze noch mal durch den Kopf habe gehen lassen, wurde mir klar, was King vergeblich versucht hat zu beschreiben. Das konnte der Altmeister aber schon mal wesentlich besser und von daher kommt ich auf nicht mehr als 2 von 5 Sandwichs für dieses aufgeblähte, überdimensionale Monstrum von einem Buch.

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7 Kommentare zu “Stephen King – Die Arena

  1. nomadenseele sagt:

    Würdest du das Buch vom Schreibstil her vor oder nach Dreamcatchers ansetzen?

    Vorher habe ich Stephen King sehr gerne gelesen, ab Dreamcatchers konnte ich den Handlungen nicht mehr folgen.

  2. Myriel sagt:

    Hallo nomadenseele,
    vom rein technischen Schreibstil her hat sich King nicht geändert – der ist meiner Meinung immer noch flüssig und kann den Leser fesseln.
    Ansonsten würde ich „Die Arena“ eindeutig nach „Dreamcatcher“ ansiedeln. Die Handlung ist zwar nicht ganz so abgefahren, aber aufgrund der vielen Personen schon ziemlich verworren und es fällt beim Lesen schwer, die verschiedenen Handlungsstränge und Namen richtig einzuordnen.
    Verglichen mit seinen früheren Werken (besonders gut ist mir „Todesmarsch“ in Erinnerung geblieben), kann „Die Arena“ keine Punkte sammeln. Wenn Du also eher auf die frühen Kings stehst, dann kann ich dir das Buch nicht empfehlen.
    LG Myriel

  3. nomadenseele sagt:

    Danke, dann werde ich mir das Geld sparen. Ich erinnere mich noch an *Das dunkle Haus* (oder so ähnlich), welches ich 100 Seiten las, ohne noch nachvollziehen zu können, um was es ging.

    Schade, *Friedhof der Kuscheltiere* und wie sie alle hießen habe ich wirklich gemocht. Leider hat sich Stephen King ab Dreamcatchers bei mir in *nicht mehr lesbar* gewandelt – er wird wohl auch nicht mehr zu alter Stärke finden.

  4. Myriel sagt:

    „…er wird wohl auch nicht mehr zu alter Stärke finden.“

    Das befürchte ich leider auch und deswegen werde ich es mir stark überlegen, ob ich seinen nächsten Roman lesen werde, wenn er erscheint. 😦

  5. nomadenseele sagt:

    In der Schule war er damals richtig Kult und wir wetteiferten, wer seine Werke alles vollständig zu Hause stehen hatte bzw. unterhielten uns über seine Bücher. Ich habe heute noch Bücher mit Mitteilungen aus dem Unterricht 😉 .

    Er hat den Zeitpunkt aufzuhören ganz einfach verpasst. Ich würde allerdings zu gerne seine Verkaufszahlen wissen, vor allem im Vergleich alte – neue Werke.

    Ich glaube, er hat eine Menge Ansehen eingebüßt.

  6. Myriel sagt:

    Das ist leider eine schlechte Angewohnheit von Autoren, den rechten Zeitpunkt zum Absprung zu verpassen. Besonders negativ ist mir da auch Wolfgang Hohlbein aufgefallen. Es war schon schlimm, als er sich in seinen verschiedenen Büchern wiederholt hat, aber mittlerweile wiederholt er sich fast wörtlich in einem einzigen Buch. Aber wenn das Geld lockt, dann können sie nicht widerstehen. Obwohl, könnte ich es?

  7. nomadenseele sagt:

    Vielleicht ist es auch nicht so einfach, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Sieh dir Ballack an, der hätte auch vor 1-2 Jahren in Ehren abtreten können.

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