Thomas Mann – Buddenbrooks

Dieses Buch hatte ich mir anlässlich meines Ausflugs in die Hansestadt Lübeck und dem Besuch des Buddenbrookhaus gekauft und wollte es möglichst zeitnah lesen, so lange die Erinnerungen an Lübeck noch frisch waren. Wie ich bereits im Vorfeld wusste, dient Lübeck als Vorlage für die namenlos bleibende Stadt, in der die Handlung der Buddenbrooks angesiedelt ist, und so konnte ich vieles wieder erkennen bzw. örtlich einordnen, was Mann in seinem Roman beschreibt.

In seinem Debütroman begleitet Thomas Mann eine norddeutsche Kaufmannsfamilie über drei Generationen hinweg und zeichnet ein Porträt ihres Niedergangs. Zu Beginn wird die erfolgreiche Firma Johann Buddenbrook vom Großvater Johann Buddenbrook dem Älteren geführt, der in der Eingangsszene gemeinsam mit seinem Sohn Johann Buddenbrook dem Jüngeren, dessen Frau und deren Kindern Antony, Thomas und Christian vorgestellt wird. Unter der Regie von Johann Buddenbrook dem Älteren floriert das Geschäft, welches nach dessen Tod vom Konsul Johann Buddenbrook übernommen wird. Trotz einiger familieninternen Streitigkeiten mit seinem Stiefbruder kann dieser ebenfalls das Kapital der Firma erhalten. Von seinen beiden Söhnen Thomas und Christian erweist sich jedoch nur der Ältere als begabter Kaufmann, während Christian ein recht müßiges Leben führt und sich nicht dauerhaft für eine Arbeit begeistern kann.

Mit Thomas Übernahme der Geschäfte weht ein frischer Wind durch die Getreidegroßhandlung und er schafft es sogar, das Ansehen der Firma noch weiter zu steigern. Doch leider musste die angesehene Familie zuvor einige Schicksalsschläge hinnehmen, wie beispielsweise die erste Scheidung von Antony oder die ständigen Sorgen um den Lebenswandel von Christian. Diese leiten den Niedergang der Buddenbrooks ein, ohne das dies anfänglich offenbar wird. Erst als Thomas nach einigen missglückten Geschäften immer zaghafter und unsicherer wird, beginnt sich der Abwärtstrend deutlicher abzuzeichnen.

Während nach außen hin die Fassade aufrecht erhalten werden kann und Thomas sogar zum Senator gewählt wird, entzweit ein heftiger Streit über Christians unstandesgemäßen Lebenswandel die Brüder. Zudem hatte nach dem Scheitern von Antonys zweiter Ehe auch ihre mittlerweile erwachsene Tochter Erika wenig Glück mit ihrem Ehemann, welcher als Betrüger zu einer Haftstrafe verurteilt wird. Alle Hoffnungen zur Aufrechterhaltung der Firma und der Familienehre liegen jetzt auf Thomas Sohn Hanno.

Zu Beginn des Romans wurde ich von der Vielzahl und Ausführlichkeit der Personenvorstellungen beinah erschlagen und fand mich nur sehr schwer in die Geschichte hinein. Im Laufe des Romans konnte ich die einzelnen Personen jedoch immer besser einordnen und empfand die genauen Beschreibungen ihres Aussehens und Charakters als hilfreich, um sie mir vorstellen zu können. Die Hauptpersonen, die größtenteils der Familie Buddenbrooks selbst angehörten, wurden zudem in allen ihren Facetten porträtiert, so dass man ein genaues Bild ihres Charakters erhielt. Doch auch die Nebenfiguren blieben keineswegs nur blasse Statisten, waren in ihrer Anzahl und den verschiedensten Verbindungen zu den Buddenbrooks aber stellenweise nicht immer überschaubar. Ein Personenverzeichnis wäre eine große Hilfe gewesen.

Die Handlung selbst vollzieht sich in insgesamt 11 Teilen, in die der Roman untergliedert ist. Während der ersten beiden Teile ist Johann Buddenbrook der Ältere der Inhaber der Firma, gefolgt von seinem Sohn im dritten und vierten Teil. Ab dem fünften Teil begleitet man für über die Hälfte des Buches Thomas Buddenbrook und seine Familie, denen damit der meiste Platz eingeräumt wird. Jedoch ist Thomas Schwester Antony die einzige Figur, die konstant während des gesamten Buches gegenwärtig ist und damit die Stellung einer Begleitperson für den Leser einnimmt.

In der Form eines Familienromans abgefasst, bietet „Buddenbrooks“ keine atemlose Spannung. Doch obwohl man als Leser bereits anhand des Untertitels „Verfall einer Familie“ erahnen kann, worauf das Ganze hinausläuft, schaffte es Mann, meine Aufmerksamkeit zu fesseln. Man hofft mit der Familie, freut sich mit ihnen über jeden Erfolg und verzweifelt mit ihnen angesichts der sich immer mehr häufenden großen und kleinen Niederlagen. Das einzig Befremdliche für mich als Mitteldeutsche waren die stellenweise vorhandenen plattdeutsche Aussprüche, die sich für mich nur durch lautes Lesen erschlossen. Für das Gesamtwerk an sich gibt es von mir aber beeindruckende 4,5 von 5 russischen Zigaretten.

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