Leo Tolstoi – Auferstehung

Der russische Fürst Nechliudow führt Ende des 19. Jahrhunderts ein müßiggängerisches Leben in der Moskauer High Society. Als er als Geschworener zu Gericht berufen wird, trifft er dort unverhofft seine heimliche Jugendliebe Katjuscha wieder, die nun als Prostituierte arbeitet und unschuldig als Giftmörderin angeklagt ist. Nechliudow erkennt, dass seine Verführung Katjuschas vor vielen Jahren der Beginn ihres gesellschaftlichen Abstiegs war und will dafür jetzt Buße tun. Durch einen Rechtsfehler wird Katjuscha zu Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt, wohin ihr Nechliudow nun folgen will.

Zu Beginn ist Nechliudow ein ziemlich arrogantes Ekel, das sich seinem Stand in der Welt wohl bewusst ist und alles unter ihm kaum würdigt. Durch die Begegnung mit Katjuscha jedoch wird er zurück in seine Jugend versetzt, als sein Kopf noch voller Ideale war. Trotz einiger Rückfälle schafft es Nechliudow, diese Ideale in sich wieder zu beleben und erkennt, wie verdorben das russische Gesellschaftssystem doch ist, insbesondere das Justizwesen. Unter dem unverständigen Kopfschütteln seiner ehemaligen Gleichgesinnten beginnt der Fürst daraufhin, gegen die herrschende Ungerechtigkeit anzukämpfen.

Die Geschütze, die Tolstoi allerdings auffährt, um dem Leser diese Ungerechtigkeit aufzuzeigen, sind für meinen Geschmack viel zu übertrieben. Es reiht sich beinah eine Moralpredigt an die nächste, ohne dass zwischendurch die Handlung sonderlich voranschreiten würde. Die Lektüre wird damit zu einer echten Geduldsprobe, zumal neben Nechliudow zwar viel weiteres Personal vorhanden ist, dieses jedoch sehr blass bleibt. Erschwerend kommen die Eigenheiten der russischen Namensgebung hinzu – so wurde mir z.B. erst beim dritten Lesen eines Satzes klar, dass Wladimir Iwanowitsch der Name des politischen Häftlings Simonsohn ist.

Abgesehen davon hat Tolstoi an manchen Stellen einige französische Sätze eingeflochten, vor allem wenn sich die High Society unterhielt. Diese sind zwar nicht wichtig für das Verständnis des gesamten Romans, aber es wäre leserfreundlicher gewesen, diese in einem Anhang zu erläutern, zumal dadurch auch nicht in Tolstois Werk eingegriffen worden wäre.

Fazit: Nach der Lektüre kann ich immerhin behaupten, Tolstoi gelesen zu haben. Ein Vergnügen war dies allerdings nicht, da er die Moralkeule viel zu ausgiebig geschwungen hat. Zu mehr als 1,5 von 5 Droschken kann ich mich leider nicht durchringen.

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