Oliver Plaschka – Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Bartholomew

Die Reporterin Gloria kehrt eigentlich nur zur Beerdigung ihres Jugendfreundes Marvin in ihre frühere Heimatstadt Fairwater zurück, doch dann wittert sie eine Story und beginnt sich umzuhören. Anscheinend stimmt etwas mit den Fabriken nicht, die rings um Fairwater angesiedelt sind und dem Mogul Cosmo van Bergen gehören. Auch bei seiner Familie liegt manches im Argen, z.B. die Tatsache, dass seine Tochter Stella mehrere Jahre geschlafen hat und seitdem nicht mehr wie früher ist. Die Verbindung zwischen den van Bergens, Glorias Jugendfreund Marvin, dem Stadtstreicher Sam und zahlreichen weiteren Bewohnern Fairwaters liegt in den Spiegeln verborgen, die vom mysteriösen Herrn Bartholomew verkauft werden.

Als Leser nähert man sich dem Geheimnis Fairwaters in insgesamt 7 Kapiteln, die verschiedenen Personen gewidmet sind und dabei jeweils ein Puzzlestück des vom Autor entworfenen Panoramas von Fairwater enthalten. Manche Kapitel haben mich mitgerissen, besonders der Einstieg in das Geschehen an der Seite von Gloria. Leider ist der Zusammenhang zwischen den einzelnen Kapiteln meist nur schwer oder gar nicht erkennbar. Um bei der Metapher zu bleiben, bekommt man in jedem Kapitel ein Puzzlestück serviert, aber man hat überhaupt keine Ahnung, welches Motiv sie ergeben sollen. Erschwerend kommt hinzu, dass teilweise innerhalb eines Kapitels die Erzählperspektive gewechselt wird und Zeitsprünge den Leser immer wieder aus dem Konzept bringen. Man weiß nie, in welcher Zeit man sich gerade befindet und wie die neuen Informationen mit den bereits vorhandenen zusammenhängen.

An und für sich habe ich nichts dagegen, wenn der Leser gefordert wird und man konzentriert bleiben muss, um keinen Hinweis zu übersehen. Allerdings erwarte ich dabei auch, dass ich am Ende des Buches wenigstens ein Gesamtbild der Ereignisse entdecken kann. Es stört nicht, wenn einige Fragen offen bleiben, aber Herr Plaschka schießt hier weit übers Ziel hinaus. Wenn ich nur aus dem beigefügten Personenverzeichnis und der ebenfalls mit abgedruckten Zeitleiste am Ende des Buches entnehmen kann, wie alles miteinander verzahnt ist, dann fühle ich mich so, als ob der Autor mich verkohlen will und sich prächtig über meine Unwissenheit amüsiert, während er allein das fertige Puzzle kennt.

Wenn ich nicht bereits aus „Die Magier von Montparnasse“ wissen würde, dass Herr Plaschka sich auch zügeln kann und auch in der Lage ist, alle gesponnenen Fäden auch wieder zu entwirren, dann wäre dieses Buches das letzte, was ich von dem Autor in die Hand genommen hätte. So aber ordne ich das Ganze für mich als unausgereiften Debütroman ein und wenn ich eine genügend lange Verschnaufpause hatte, werde ich mir dennoch Plaschkas neusten Roman „Der Kristallpalast“ gönnen, welchen er gemeinsam mit Alexander Flory und Matthias Mösch verfasst hat. Für Fairwater kann ich allerdings nicht mehr als 1 von 5 Brücken vergeben.

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