Rudyard Kipling – Das Dschungelbuch

Die Disney-Version des Dschungelbuchs dürfte beinah jeder kennen: der kleine Junge Mogli wird von seinen Eltern auf der Flucht vor dem furchteinflößenden Tiger Schir-Khan im Dschungel zurückgelassen, von Wölfen gefunden und in ihr Rudel aufgenommen. Gemeinsam mit den Wolfsjungen wächst er heran, tollt im Dschungel umher und freundet sich mit dem Bären Balu und dem Panter Baghira an, bevor er schließlich in einem fulminanten Kampf den Tiger Schir-Khan tötet und danach zu den Menschen zurückkehrt.

Ganz so idyllisch geht es im Original allerdings nicht zu: die Aufnahme Moglis in das Wolfsrudel muss erst durch die Bitten Balus und das Stieropfer Baghiras erkauft werden und selbst danach sind nicht alle Rudelmitglieder mit Moglis Anwesenheit einverstanden. Zudem wird das Leben im Dschungel nicht von „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ bestimmt sondern es herrschen strenge Regeln für das Zusammenleben der unterschiedlichen Tiere, die Mogli erst mühsam erlernen muss. Der abschließende Kampf gegen Schir-Khan schließlich mutet weniger heldenhaft an, sondern ist brutale Notwendigkeit, damit Mogli leben kann.

Die drei Kurzgeschichten, in denen Moglis Aufnahme ins Wolfsrudel, sein Abenteuer mit dem Affenrudel und seine kurze Rückkehr zu den Menschen mit dem anschließenden Kampf gegen Schir-Khan dargestellt werden, sind aber nicht die einzigen, die in diesem Buch enthalten sind. Ebenfalls abgedruckt sind die Erzählungen „Die weiße Robbe“ um die Robbe Lukannon, die einen sicheren Strand für sich und seinesgleichen sucht, „Rikki-tikki-tavi“ um den gleichnamigen Mungo, der im Haus einer menschlichen Familie lebt und diese vor einem Paar Kobras schützt, „Tumai von den Elefanten“ über den Sohn eines Elefantentreibers, der einem der mysteriösen Treffen wilder Elefanten beiwohnt, und „Die Diener ihrer Majestät“, in der verschiedenste Nutztiere der englischen Armee in Indien während einer turbulenten Nacht aufeinander treffen und am Morgen in ihre Quartiere zurückkehren.

Eingeleitet wird jede Kurzgeschichte mit einem Zitat oder dem Auszug aus einem Gedicht oder Lied und jeweils am Ende ist ebenfalls ein Gedicht oder Lied abgedruckt, dass noch mal auf eine bestimmte Situation der Erzählung eingeht und diese darstellt, z.B. „Darsies Lied“, in dem dieser den Sieg des Mungos Rikki-tikki-tavi über die Kobras preist.

Jede Erzählung für sich war nett zu lesen, aber eindeutig auf ein kindliches Publikum zugeschnitten. Die Moral war jedes mal recht deutlich hervorgehoben. Manche Stelle sind jedoch etwas grausam ausgefallen (besonders bei Rikki-tikki-tavi und dem Kampf des Mungos gegen die Kobras), ähnlich wie bei Märchen dürfte das aber Kindern nicht so bewusst auffallen.

Fazit: Die verschiedenen Tiergeschichten haben mir gut gefallen, dürften aber auf Kinder einen stärkeren Eindruck machen. Bezüglich Moglis Geschichte bin ich froh, dass ich jetzt das Original kenne und nicht mehr nur die weichgespülte Disney-Version. Dafür vergebe ich 3,5 von 5 Jagdrufe.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s