Juli Zeh – Spieltrieb

Als Ada auf die Privatschule Ernst-Bloch kommt, ist dies ihre letzte Chance, ihr Abitur zu machen. Aufgrund ihres schwierigen Charakters hat sie sowohl bei ihren Mitschülern als auch bei den Lehrern einen schweren Stand. Doch als während des Schuljahrs ein anderer neuer Schüler auf Ernst-Bloch eintrifft, ist Adas Neugier geweckt. Alev scheint der einzige zu sein, der ihrem Intellekt nicht nur gewachsen ist, sondern ihr sogar noch etwas beibringen kann. Auch er erkennt in ihr die lang gesuchte Partnerin und gemeinsam beginnen sie einen Plan umsetzen um zu beweisen, dass das ganze Leben nur ein Spiel ist. Doch Smutek, der Sportlehrer, welcher Gegenstand ihres Gesellschaftsspiels ist, verhält sich nicht immer nach Plan, so dass zum Schluss aus dem Spiel Ernst wird.

Was genau während Alevs und Adas Spiel geschehen ist, wird von der Richterin erzählt, die ihren Fall vor Gericht verhandelt hat und die sich aufgrund der Lebenseinstellung der Beiden, die sich selbst als die Urenkel der Nihilisten bezeichnen, außer Stande sieht, ein Urteil über sie zu fällen. Dabei nimmt die Richterin, die nur im ersten Kapitel selbst spricht, die Perspektive Adas ein und gibt als personale Erzählerin nicht nur das Geschehen wieder, sondern gibt auch Einblick in Adas Gedanken und Gefühle.

Gefühle sind eigentlich dass, was Alev und Ada verleugnen. Sie sehen darin nur Schwäche, sie sind sinnlos und völlig unlogisch. Doch trotz ihrer trockenen, sarkastischen Art ist Ada auf diesem Pfad noch längst nicht so weit fortgeschritten wie Alev und darin liegt auch der Grund dafür, dass ihr Spiel einen anderen Ausgang nahm als den, den Alev geplant hat. Der Weg dorthin ist jedoch weit und so begleitet man sowohl die drei Teilnehmer des Spiels, Alev, Ada und Smutek, als auch das Leben an Ernst Bloch über einen Zeitraum von beinah einem Jahr.

Obwohl währenddessen viel passiert, erreicht die Spannung keine ungeahnten Höhen. Als Leser weiß man bereits aus dem ersten Kapitel, dass nicht alles nach Alevs Plan läuft und so ist man zwar gespannt, was ihn stört, doch ist es eher milde Neugier und die philosophischen Gedanken, die Juli Zeh ihren Charakteren immer wieder in den Mund legt, die mich weiter lesen ließen.

Mit zielsicherem Zynismus zeichnet die Autorin ein nüchternes Bild der heutigen Jugend, die an nichts mehr glaubt, keine Träume mehr hat und für die das Leben einfach darin besteht, dass ein Tag auf den anderen folgt. Bei diesen Schilderungen habe ich das Gefühl, dass endlich jemand das Wesen dieser Generation verstanden und auf den Punkt gebracht hat. Und genau darin liegt für mich der Reiz dieses Romans, den ich sicherlich noch mehrmals lesen werde und in dem ich dabei immer neue Facetten entdecken kann. Dafür vergebe ich 5 von 5 Dilemma. Nach und nach werden bestimmt auch die weiteren Romane der Autorin ihren Weg zu mir finden.

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