Japser Fforde – Der Fall Jane Eyre

In Jaspers Ffordes Alternativwelt-England ist Literatur so bedeutend, dass das Fälschen von Romanen eine schwerwiegende Straftat, dass es sogar eine Spezialeinheit gibt, die die Täter verfolgt. Zu dieser Einheit, SpecOps-27, den Literaturagenten, gehört Thursday Next. In Swindon, wo sie ihre neue Stelle antritt, wird sie bald darauf in die Ermittlungen zu einem Verbrechen hineingezogen, dass ganz England verstört: der Erzschurke Acheron Hades hat Jane Eyre, die Heldin aus Charlotte Brontës gleichnamigen Kultroman, entführt und droht mit ihrer Ermordung, sollte seinen Forderungen nicht nachgegeben werden.

Thursdays Verwicklung in diesen bedeutenden Fall entstammt der Tatsache, dass sie als einzige weiß, wie Acheron Hades aussieht, denn sie war einst seine Studentin. Doch auch zu Jane Eyre hat sie eine besondere Verbindung, die in einem Rückblick aufgedeckt wird. Die restliche Geschichte wird chronologisch von Thursday als Ich-Erzählerin wiedergegeben, die mir sehr sympathisch war. Ihr Leben in Wohngemeinschaft mit einem genetisch gezüchteten Dodo bringt eine Prise Exotik, während die unglücklichen Männergeschichten und ihre alltäglichen Probleme die Verbindung zur Realität erhalten, so dass man fast meinen könnte, Thursday lebt nur eine Tür weiter.

Die Normalität wird jedoch immer wieder von Ffordes skurrilen Einfällen unterbrochen wie beispielsweise das schwarze Loch auf der Autobahn oder Thursdays zeitreisender Vater, der immer unangekündigt auftaucht, einige Fragen stellt und dann erneut loszieht, um die Vergangenheit zu korrigieren, während er von der ChronoGuard verfolgt wird. Eindeutig dominieren jedoch die literarischen Anspielungen, von denen sich die meisten auf Brontës Roman „Jane Eyre“ beziehen. Wenn man sonst nicht alle Werke kennt, auf die sich Fforde bezieht, so sollte man dieses doch gelesen haben, damit man Spaß an der Lektüre hat.

Laut Klappentext legt man dieses Buch besonders Lesern von Douglas Adams und Lewis Carroll ans Herz. Grundsätzlich stimmt dies schon, doch kann Fforde nicht ganz mit Adams mithalten. Er hat zwar eine muntere Fantasie, aber er schafft es nicht so gut, seine abgefahrenen Ideen stimmig in die Handlung einzubetten. Insbesondere das wiederholte Auftauchen von Thursdays Vater ist zwar für einen Schmunzler gut, aber hat mit der Story nichts zu tun und wirkt daher aufgesetzt.

Als etwas unpassend im Sinne von Fremdkörpern empfand ich außerdem die wiederholte Bezugnahme auf den seit über 130 Jahre dauernden Krim-Krieg, in den England verstrickt ist. Die dahingehenden Passagen sind blutig und grausam, ebenso wie einige der von Acheron Hades begangenen Morde. Der Kontrast zu den humorvollen Stellen war zu stark, als dass sie sich noch halbwegs harmonisch in die Geschichte eingefügt hätten.

In der Hoffnung, dass Fforde in den nächsten Bänden sich noch steigern kann, werde ich die Serie weiter lesen. Für diesen Band gibt es aber „nur“ 3 von 5 Manuskripten.

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