Mary Shelley – Frankenstein

Der junge und abenteuerlustige Forscher Robert Walton hat sich mit einem Schiff von Sankt Petersburg aus aufgemacht, um das Nordpolarmeer zu erkunden und womöglich eine Passage hin zu fernen Ländern zu finden. Als sein Schiff draußen auf dem Meer vom Eis eingeschlossen wird, ist er sehr überrascht, eine Gestalt in Hundeschlitten über das Eis fahren zu sehen, verfolgt von einer zweiten Person. Diese verliert jedoch den Anschluss als das Eis aufbricht und kann sich daraufhin gerade noch an Bord von Waltons Schiff retten. Von seiner langen Hatz erschöpft benötigt er einige Zeit, ehe er sich soweit erholt hat, dass er Walton seine Geschichte erzählen kann.

Was Frankenstein, so der Name des Wissenschaftlers, seinem Gastgeber dann offenbart, ist geeignet, den Zuhörer an seinem Verstand zweifeln zu lassen: als Student in Ingolstadt fern der Schweizer Heimat beschäftigt er sich mit den aufkommenden Naturwissenschaften und entdeckt in seinem privaten Laboratorium nach langen Studien sogar, wie man einem künstlichen Geschöpf Leben verleihen kann. Aus Leichenteilen zusammengesetzt erschafft er eine Kreatur und erweckt sie zum Leben. Doch kaum ist der schöpferische Akt geglückt, überfallen ihn Entsetzen angesichts seines Tuns und er verstößt das Wesen. Doch ihre Wege kreuzen sich erneut, als Frankenstein nach dem Mord an seinem Bruder zu seiner Familie zurückkehrt und erkennt, dass sich die Schöpfung gegen den Schöpfer gewendet hat. Die Jagd nach dem selbst geschaffenen Monster führt Frankenstein quer durch Europa bis hinauf in den kalten Norden, wo seine Jagd an Bord von Waltons Schiff zu Ende zu sein scheint.

Das ganze Geschehen wird von Walton in seinen Briefen an seine in London zurückgebliebene Schwester geschildert, wobei einige der Briefe die wörtliche Erzählung von Frankenstein enthalten, die in der Ich-Perspektive gehalten ist. Dadurch erfährt man viel darüber, was Frankenstein beschäftigt hat und sein Handeln bestimmte. Doch auch die Kreatur wird nicht nur als das Monster hingestellt, als das Frankenstein es sieht, sondern auch dieses Wesen ist zu Empfindungen fähig. Auf diese Art und Weise wird eine Schwarz-Weiß-Malerei vermieden und am Ende wusste ich selbst nicht mehr genau zu unterscheiden, wer Täter und wer Opfer ist.

Eingebettet ist dies in atmosphärisch dichte Landschaftsbeschreibung, die die Erzählung zu einem guten Teil mit getragen haben. Besonders gruselig wurde es, als sich Frankenstein während eines Gewitters in den Bergen aufhielt und dort seinem Geschöpf begegnete. Gänsehaut war da garantiert!

Auf alle Fälle war ich nach Beenden des Buches sehr froh, dass ich jetzt diesen Klassiker des Horrorromans kenne und kann ihn an alle weiter empfehlen, die wissen möchten, wo das Genre seine Wurzeln hat. Ich vergebe 4 von 5 Medaillons.

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