Mika Waltari – Sinuhe der Ägypter

Der alte Sinuhe, ehemaliger Arzt und Vertrauter von Pharaonen, wurde aus Ägypten verbannt und verbringt seine letzten Lebensjahre am Ufer des Roten Meers, wo er rückblickend die Geschichte seines Lebens niederschreibt: wie er in einem Binsenkorb auf dem Nil ausgesetzt wurde, von einem Armenarzt und seiner Frau aufgenommen und aufgezogen wurde, wie er im Haus des Lebens zum Arzt ausgebildet wurde, später zum königlichen Schädelbohrer von Pharao Echnaton aufstieg und nach dessen Tod dem ehemaligen Priester Eje und dem Heerführer Haremhab diente, die sich nacheinander auf dem Pharaonenthron niederließen.

Das alles klingt nach einem aufregenden Leben und wahrlich hat Sinuhe viel erlebt. Zu Beginn als unerfahrener Jüngling hatte er daher bei mir auch noch einige Sympathien, doch verflogen diese im Laufe der Zeit. Streckenweise hat er sich so naiv angestellt, dass ich nur noch den Kopf schütteln konnte. Auch später, als er auf seinen ausgedehnten Reise schon einige Erfahrung gesammelt hatte, war sein Handeln bei Weitem nicht immer nachvollziehbar, sondern verlief in ähnlichen Bahnen, die schon zuvor zur Katastrophe geführt hatten, ohne dass Sinuhe deswegen sein Verhalten geändert hätte. Dadurch, dass dies alles aus der Ich-Perspektive erzählt ist, erfährt man als Leser zwar mehr über seine Beweggründe als die oftmals unverständigen Nachbarn, doch half dies nicht im Angesicht der sich im Kreis bewegenden Lebensgeschichte Sinuhes.

Zum Glück wird Sinuhe die meiste Zeit seines Weges über von seinem ehemaligen Sklaven Kaptah begleitet, der eine Schwäche für seinen weltfremden Herrn entwickelt hat, ihn deswegen mit allen Mitteln zu beschützen versucht und dank seiner Schläue und diverser Kniffe für ihrer beider Lebensunterhalt sorgt. Obwohl Kaptah keineswegs eine weiße Weste hat, mochte ich ihn sehr, da seine überschwänglichen Reaktionen einen belebenden Kontrast zu Sinuhes recht emotionsarmen Schilderungen darstellten, die mich selbst in den aufgeladensten Situationen nur gedämpft erreichten.

Besonders am Anfang des insgesamt in 15 Büchern unterteilten Romans war die altertümliche Sprache für mich gewöhnungsbedürftig. Zum Glück gab sich dies nach einigen Seiten (bzw. ich nahm es nicht mehr besonders wahr) aber mit der modernen bildhaften Sprache lässt sich Waltaris Schreibstil nicht vergleichen – im Gegenteil: sie hat mich eher an die staubigen Wüsten Ägyptens erinnert und stellenweise knirschte es so, als ob ich Sandkörner im Mund hätte.

Geknirscht hat es manchmal auch innerhalb der Handlung, wo auf Dinge Bezug genommen wird, die vorher keine Erwähnung fanden oder manche Person, die zwischenzeitlich vom Radar verschwunden war, unverhofft wieder beim Leser vorstellig wurde, als ob sie nie weg gewesen wäre. Solche Brüche haben mich mehrmals aus dem Lesefluss gerissen und waren daher für mich sehr störend.

Insgesamt gesehen kann ich nach der Lektüre dieses Buches wieder einen Haken auf der Liste der 1000 Bücher machen, aber ich kann nicht nachvollziehen, warum dieser Roman so berühmt geworden ist. Zu mehr als 2 von 5 Palmenzweigen reicht es nicht.

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2 Kommentare zu “Mika Waltari – Sinuhe der Ägypter

  1. Maggi sagt:

    Danke für deine Rezi!
    An dem Buch scheinen sich ja echt die Geister zu scheiden… für mache ist es DAS Buch zum alten Ägypten, ein unerreichter Klassiker, andere finden keinen Zugang,
    es steht schon lange auf meinem Wunschzettel und ich bin immer noch unentschlossen, ob ich einen Versuch wagen soll, oder nicht,,,

  2. Myriel sagt:

    Hallo Maggi,
    in dem Fall würde ich Dir raten, das Buch erst mal in der Bibliothek auszuleihen oder (falls möglich) in einem Buchladen reinzulesen. Ob Du mit der Sprache ähnlich zu kämpfen hast wie ich, wirst Du wohl relativ schnell feststellen können.
    Viele Grüße
    Myriel

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