Dirk C. Fleck – Das Tahiti-Projekt

Um die Erde in 12 Jahren steht es nicht gut: Naturkatastrophen zählen mittlerweile beinah zum Alltagsgeschehen und ihre Folgen belasten die Menschheit bis zum Äußersten. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Strukturen, innerhalb derer die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft und Arbeitslose in Quasi-Gettos gehalten werden. Regiert werden die Länder meist nicht mehr von Politikern, sondern die Fäden halten die Wirtschaftsbosse hinter deren Rücken in den Händen.

In dieser Welt arbeitet der Hamburger Journalist Cording beim angesehenen EMERGENCY-Magazin, für das er Reportagen über die aktuellen Brennpunkte verfasst. Als er von einer Reise völlig ausgebrannt zurückkehrt, schickt ihn sein Vorgesetzer zur Erholung nach Tahiti, wo in den letzten Jahren ein ökologisches Paradies entstanden ist, das nunmehr der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Unter Präsident Omai wurden modernste Technologien genutzt, um den Weg zurück zur Natur zu beschreiten, ohne auf gewohnte Annehmlichkeiten verzichten zu müssen. Die naturverbundene Atmosphäre verfehlt ihre reinigende Wirkung auf Cording und seinen jungen Begleiter Steve nicht, doch droht dem Inselstaat Gefahr durch raffgierige Wirtschaftsgiganten, die die Rohstoffvorräte Tahitis für ein Selbstbedienungsbuffet halten.

Versehen wurde dieser Roman mit dem Etikett „Öko-Thriller“, doch leider hat sich dies als ein Griff in die falsche Schublade des Verlags erwiesen. Zwar tauchen einige typische Thrillerelemente auf und gegen Ende des Buches zog auch die Spannung etwas an, doch das war es dann auch schon. Aus diesem Grund habe ich mich bis ca. zur Hälfte des Buches gefragt, wo denn jetzt eigentlich der versprochene Thriller bleibt und habe vergeblich darauf gehofft, dass die Story nun mal langsam ins Rollen kommt. Dann jedoch habe ich eingesehen, dass ich in der Hinsicht wohl nicht mehr viel erwarten kann und habe mich mehr auf das „Öko“ eingelassen.

Wo die Schwächen des Thrillers liegen, da liegen die Stärken des Öko-Romans. Der Autor schafft es, bereits heute existierende Technologien stimmig weiterzuentwickeln und in seinem Tahiti der Zukunft alltagstauglich ins Leben einzugliedern. Gemeinsam mit dem Journalisten Cording und seiner einheimischen Begleiterin Maeve entdeckt der Leser die Insel Tahiti. Im Vergleich mit dem früheren Zustand in diesem Südseeparadies wird dargestellt, welche positiven Veränderungen möglich sind, wenn man sich auf die Kräfte der Natur besinnt. Dabei war ich immer wieder erstaunt, was für viel versprechende Ansätze es heute schon gibt. In einem Glossar mit weiterführenden Links werden dabei im Text erwähnte Technologien erklärt, wobei allerdings teilweise wörtlich die gleiche Erklärung geboten wird, wie sie auch im Roman selbst enthalten ist. Diese Wiederholungen waren unnötig und störend.

Nicht unbedingt unnötig und störend, aber doch recht aufgesetzt wirkte die Liebesgeschichte zwischen Cording und seiner Führerin Maeva. Darüber konnte ich jedoch noch besser hinwegsehen als über den sehr offen geratenen Schluss. Zwar ist die aktuelle Bedrohung des Inselparadieses durch rohstoffhungrige Wirtschaftsunternehmen zu einem Abschluss gebracht, doch bleiben viele lose Fäden übrig. Hier drängt sich mir der Gedanke auf, dass der Autor, nachdem er seine ganzen ökologischen Neuerungen vorgestellt hat, den Roman schnell zu einem Ende bringen wollte und dabei mancher (vielversprechender) Ansatzpunkt einfach auf der Strecke blieb.

Bei der Wertung bin ich recht zwiegespalten. Als Thriller hat der Roman in jedem Fall versagt, aber als Verpackung eines Sachbuchs über die Möglichkeiten der Ökotechnologie weiß es zu punkten. Inklusive Punktabzug für das unbefriedigende Ende und den für meinen Geschmack zu stakkatoartigen Einstieg komme ich auf 2 von 5 Skycats.

Wer mehr über den wissenschaftlichen Unterbau des Romans erfahren möchte, sei hiermit auf die Seite des Equilibrimus e.V. verwiesen.

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