Atiq Rahimi – Erde und Asche

Der namenlose Erzähler und sein Enkel befinden sich auf einer beschwerlichen Reise. Ihr Dorf in Afghanistan wurde von den Russen völlig zerstört und alle anderen Familienmitglieder kamen in den Trümmern ihres Hauses ums Leben. Vom traurigen Gedanken beseelt, seinen Sohn zu sehen und ihm von ihrem Unglück zu berichten, bricht der Großvater mit seinem Enkel zu einer entfernten Kohlemine auf, in der der Sohn arbeitet.

Die Erzählung setzt mitten während dieser Reise ein, als Großvater und Enkel an einer Brücke rasten und auf einen vorbeifahrenden LKW warten, der sie mitnehmen könnte. In den Gesprächen des Großvaters mit dem Wächter, der den Weg zur Mine bewacht, und dem Besitzer eines kleinen Kiosks in der Nähe wird enthüllt, was den Großvater zu dieser Reise gezwungen hat.

Durch die Wahl, das Ganze aus der „Du“-Perspektive zu erzählen, wird der Leser mit einbezogen und kann die Qualen, die der Großvater erleidet, sehr gut nachvollziehen. Wie soll er seinem Sohn von der Katastrophe berichten, die ihre Familie ereilt hat? Soll er es ihm überhaupt sagen? Wie wird er reagieren? Wird er vor Kummer vergehen oder von Rache beherrscht werden?

Auf den nur knapp 100 Seiten schildert Rahimi sehr intensiv das Schicksal vieler Afghanen, die unter der der russischen Besatzung 1979 bis 1989 zu leiden hatten. Doch auch in vielen anderen Regionen der Welt bietet sich ein ähnliches Bild, so dass nach dem Austausch weniger kulturspezifischer Begriffe – die übrigens im Glossar erläutert werden – die Erzählung überall hätte angesiedelt sein können. Für diese leider zeitlose Gültigkeit von Rahimis  Darstellung von Verzweiflung und Trauer angesichts völlig willkürlicher Zerstörung und Gewalt vergebe ich 4 von 5 Tabakdosen.

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