Christian E. Hannig – Irisches Reisetagebuch. Rad-Abenteuer auf der grünen Insel

Der deutsche Journalist Christian Hannig hat schon viele Flecken unserer Erde mit dem Fahrrad bereist und darüber Bücher verfasst. In diesem Reisebericht geht es um seinen Abstecher nach Irland. Ausgehend von der Hauptstadt der Republik Irland, Dublin, an der Ostküste bricht Hannig entgegen dem Uhrzeigersinn zu einer Inselumrundung auf und macht schon bald unangenehme Erfahrungen in Nordirland, dass durch den seit Jahrzehnten währenden Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten ausgeblutet wird. Erleichtert, dieser trostlosen Gegend entkommen zu sein, erfreut er sich der Schönheit der Natur an Irlands Westküste und entdeckt beinah unberührte Landstriche abseits der Touristenpfade.

Während Hannig bergauf und bergab durch Irland radelt, macht er immer wieder die Bekanntschaft der örtlichen Bevölkerung. Als erster Anknüpfungspunkt für Gespräche dient des Öfteren die ungewöhnliche Wahl seiner Fortbewegung und nicht selten enden diese Unterhaltungen mit einer Einladung. Die Einblicke, die Hannig in die Mentalität der Iren erhält, zeigt ihm und den Lesern kein reiches Volk, doch ungebrochener Stolz bewahrt die Menschen davor, sich einfach aufzugeben.

An der einen oder anderen Stelle muss sich Hannig dann doch von seinen einsamen Nebenstraßen abwenden und sein Glück auf den viel befahrenen Highways zu den Touristenmagneten begeben, denen er jedoch nur wenig abgewinnen kann. Seine abschätzige Meinung gegenüber denjenigen Besuchern Irlands, die es nur auf einen Hauch pseudo-irischer Atmosphäre abgesehen haben, bestätigt sich leider viel zu häufig. So bemerkt er in seinem Nachwort, dass ein authentisches Pub, welches er lobend in seinem Reisetagebuch erwähnt hat, sich nur wenig später vor Touristenscharen nicht mehr retten konnte und für die Einheimischen verloren ging. Unterdessen nun dort „echte irische Volksmusik“ aus der Stereoanlage dröhnt, hat die irische Seele des Pubs das Weite gesucht.

Mit einem informativen Nachwort, dass neben einem kurzen Exkurs zur irischen Geschichte vor allem wertvolle Tipps zur Irlands Straßen, dem Wetter und der richtigen Ausrüstung für solch eine Expedition gibt und damit die Leser einlädt, ihre eigenen Rad-Abenteuer auf der grünen Insel zu erleben, wird das Buch angenehm abgerundet. Hingegen fällt der Einstieg ins Buch sehr abrupt aus. Obwohl das erste Kapitel mit „Sprung in die Geschichte“ betitelt ist, fehlte mir eine geraume Zeit die Orientierung – laß ich eine Einleitung mit einer Kurzfassung der Reise oder war dies schon das eigentliche Reisetagebuch? Immerhin hat mir die Karte zu Beginn des Buches, auf der die Reiseroute verzeichnet ist, wertvolle Dienste erwiesen und anhand des Verhältnisses von Seitenzahl zu Reisefortschritt wurde mir dann auch nach und nach klar, dass es keine Einleitung gibt sondern der „Sprung in die Geschichte“ wörtlich zu nehmen ist.

Für den etwas unglücklichen Einstieg in das Buch gibt es Punktabzug, der allerdings durch die Ergänzung des Reiseberichts durch einige schöne Schwarz-Weiß-Fotos beinah wettgemacht wird. Insgesamt komme ich auf 3,5 von 5 rolling hills.

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