Barry Unsworth – Wo Zeus das Licht der Welt erblickte. Eine Reise durch Kreta

Der britische Autor Barry Unsworth hat sich in seinen zahlreichen Romanen zumeist mit historischen Themen befasst. Kurz bevor er gemeinsam mit seiner Frau zu einer Urlaubsreise nach Kreta aufgebrochen ist, hat er sich mit der Geschichte der griechischen Insel beschäftigt. Während er selbst schreibt, dass er seine Frau streckenweise mit seinen Ausführungen gelangweilt hat, profitiert der Leser von diesen Hintergrundinformationen, so dass im vorliegenden Reisebericht nicht nur die Gegenwart Kretas beleuchtet wird, sondern auch die Vergangenheit Gestalt annimmt.

Die Reise beginnt im Westen der ca. 260 km langen Insel, wo die beeindruckenden Lefka Ori („Weiße Berge“) aufragen, einer der vier höchsten Erhebungen auf Kreta. In einer der zahlreichen Höhlen, die die Gebirgsketten Kretas durchziehen, soll griechischen Sagen zufolge der Göttervater Zeus geboren und von seiner Mutter Rhea versteckt worden sein, damit er nicht von seinem Vater Kronos getötet werde. Welche Höhle tatsächlich Zeuge dieses bedeutenden Ereignisses geworden ist, ist unter den Einheimischen umstritten. Um aber die Touristenströme ausgiebig zu melken, wird eine Höhle als Geburtsstätte ausgewiesen, während die andere infrage kommende Höhle als Heimstatt des jungen Zeus angepriesen wird.

Mit vielen solchen Anekdoten im Gepäck bereisen Unsworth und seine Frau erst den Westen der Insel (u.a. mit einem Abstecher zur Samaria-Schlucht als einer der längsten Schluchten Europas), ehe sie sich der Inselmitte mit der Hauptstadt Heraklion und den Ausgrabungen von Knossos zuwenden, wo sich der Tourismus viel stärker bemerkbar macht. Im Osten der Insel, an der Mirabello-Bucht bringt Unsworth schließlich ein Beispiel, welche Zerstörungskräfte mit der touristischen Erschließung einhergehen können. So ist es an manchen Stellen praktisch unmöglich, bis ans Ufer zu gelangen, da überall nur hässliche Betonklötze aufragen und große Mauern die Hotelanlagen absperren, ihre Gäste einsperren und alle anderen aussperren. Von der dort früher blühenden Natur ist kaum noch etwas zu sehen.

Trotz solcher Verunstaltungen des Landschaftsbilds ist Unsworth von der Insel begeistert und das liest man auch aus jedem Wort heraus. Für Leser wie mich, die Kreta nur aus der Ferne kennen, weckt dieses Büchlein die Reiselust und nur zu gern möchte ich das, worüber ich hier gelesen habe, mit eigenen Augen sehen. Doch auch für solche Leser, die selbst schon auf Kreta waren, dürfte es neben dem Schwelgen in Erinnerungen noch Neues zu entdecken geben. Ich vergebe 4,5 von 5 Klosterruinen.

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