Simon R. Green – Geschichten aus der Nightside (1) – Die dunkle Seite der Nacht

Hauptperson dieses Auftaktbandes der im Deutschen mittlerweile 9 Bände umfassenden Serie „Geschichten aus der Nightside“ ist John Taylor, Privatdetektiv und Kind der Nightside. Die Nightside ist ein nur wenige Quadratkilometer großes Stück Hölle mitten in London, wo Götter, Mythen und Monster wohnen und wo John Taylor aufgewachsen ist. Bevor er vollends seinen Verstand verlor, floh er aus der Nightside, doch als eine attraktive und verzweifelte Frau auf der Suche nach ihrer Tochter sein Büro betrat und ihn um Hilfe anflehte, konnte er sie nicht im Stich lassen. Zumal sie ihm sogar einen Vorschuss bezahlt hatte …

Trotz seiner 8jährigen Abwesenheit wurde John Taylor in der Nightside nicht vergessen, nicht von seinen „Freunden“ und erst recht nicht von seinen Feinden. Während er selbst sich erstmal wieder zurechtfinden und mit seiner Gabe, Dinge zu finden, klarkommen muss, hat er mit Joanna zudem eine völlig unerfahrene Frau an seiner Seite, die noch nie zuvor etwas von der Nightside gehört hatte.

Die Beschreibung der Nightside als geheimes Herz Londons, wo es immer 3 Uhr morgens ist, erinnerte mich stellenweise an ähnliche Konzepte, wie beispielsweise in Christoph Marzis „Lycidas“, wobei die Ähnlichkeiten zum Glück nicht überhand nahmen. Die Vorstellung, dass sowohl Götter als auch Monster nebeneinander leben und sogar Pakte miteinander schließen, kontrolliert von den Autoritäten, die über alle Bewohner der Nightside wachen, ob sie es wollen oder nicht, fasziniert mich. Green hat bei der Gestaltung der Nightside aber nicht nur Wert auf kuriose Gestalten gelegt, von denen es etliche gibt, sondern auch einige auflockernde Einfälle gehabt, die die düstere Stimmung, die über der Nightside liegt, erhellen können, so wie das ewige 60er Jahre Café „Hawk’s Wind Bar & Grill“. Damit wird die Nightside selbst zu einer Hauptfigur des Buches, über die man einiges Grundlegendes erfahren hat, die man aber wohl erst mit den nächsten Bänden besser kennen lernen wird.

Daneben wirkt der gefürchtete John Taylor etwas farblos. Trotz der Ich-Perspektive konnte ich zu ihm keine richtige Bindung aufbauen und habe ihn eher distanziert beobachtet. Die Charakterzüge, die er dabei gezeigt hat, haben mich jedoch neugierig gemacht: Einerseits legt er ziemlich abweisende Manieren an den Tag und gibt sich vor allem gegenüber seiner Klientin Joanna sehr geldfixiert und zynisch, aber andererseits ist es im Grunde seines Herzens immer noch ein verunsicherter Junge, der über sich selbst, seine Herkunft und seinen Platz in der Welt kaum etwas weiß und an allem zweifelt. Die einzige Unstimmigkeit in diesem Bild war seine für mich nicht nachvollziehbare Zuneigung, die er für Joanna entwickelt hat.

Joanna selbst blieb während des ganzen Buches recht blass und konturlos und doch konnte ich mich in ihren Reaktionen auf die Wunder der Nightside wieder erkennen und gemeinsam mit ihr darüber staunen, was mitten in London vor den Augen der ganzen Stadt verborgen liegt.

Die Handlung selbst zerfällt etwas in verschiedene Episoden, während derer John einen Ansprechpartner bzw. Informanten aufsucht, von diesem einen Tipp erhält und sich erneut auf die Suche macht. Die Spannung beschreibt dabei einen wellenförmigen Verlauf, bei dem sich actionreiche Szenen, in denen auch mit Blut nicht sonderlich gegeizt wird, mit Verschnaufpausen abwechseln. Kurz vor Schluss erwartete mich ein gelungner Twist, der einiges in einem neuen Licht erscheinen lässt und die Suche nach Joannas Tochter zu einem befriedigenden Ende bringt.

Insgesamt gesehen ist Green mit diesem Buch kein herausragender Roman gelungen, doch als Auftaktband zur Reihe „Geschichten aus der Nightside“ hat er mich erfolgreich geködert und ich werde in der Bibliothek nach den Folgebänden Ausschau halten. Ich vergebe 3,5 von 5 Droschken.

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