Sara Douglass – Die Macht der Pyramide

In diesem Band sind die beiden Romane

  • Die Glaszauberin
  • Der Steinwandler

vereint, welche die Geschichte der Sklavin Tirzah  und des Magiers Boaz erzählen.

Tirzah und ihr Vater lebten einst im kalten Norden und verdienten dort ihr Geld als Glashersteller. Dadurch, dass Tirzah nach dem frühen Tod ihrer Mutter fast ihre gesamte Zeit in der Werkstatt des Vaters verbrachte, beherrscht sie schon als junge Frau die Kunst Glasnetze herzustellen. Genau diese Kunstfertigkeit beeindruckt die Sklavenhändler, an die Tirzah und ihr Vater wegen Überschuldung verkauft wurden, und sie landen schließlich im Wüstenreich Ashod, wo bereits seit vielen Generationen eine gigantische Pyramide errichtet wird, die den Schlüssel zur Unsterblichkeit beinhalten soll. Nun endlich nähert sich dieses überdimensionale Bauvorhaben seiner Vollendung, zu der die Beiden ihren Beitrag leisten sollen.

Ihre Situation als Sklaven wird durch zwei Dinge zusätzlich verkompliziert. Einerseits erfährt Tirzah, dass ihre Begabung Glasnetze herzustellen daher stammt, dass sie eine Elementistin ist und mit dem Glas sprechen kann. Da die Elementistenmagie jedoch von den Magiern aus Ashod verboten und streng verfolgt wird, muss Tirzah ihre Begabung verbergen – sogar vor ihrem eigenen Vater. Zusätzlich wird Tirzah vom Magier Boaz, dem obersten Aufseher über den Bau der Pyramide, als Gefährtin auserwählt. Zuerst bringt er ihr aus verschlungenen eigennützigen Motiven das Lesen und Schreiben bei, doch während dessen entwickeln sie beide eine verwirrende Zuneigung zueinander, die sie sich selbst erst nach einiger Zeit eingestehen können. Auf diese Art und Weise ist Tirzah hin- und hergerissen zwischen ihrem Sklavendasein sowie ihrer Verwicklung in einen geplanten Aufstand und ihrer Liebe zu Boaz, von der sie ihren Freunden jedoch nichts erzählen konnte. Obwohl ich beide Aspekte nachvollziehen konnte, war mir unbegreiflich, wie sehr Tirzahs Charakter zwischen starker und selbstständiger Frau und weinerlicher, naiver Göre geschwankt hat. Das war in diesen Ausprägungen zu extrem. Ich konnte auch nicht nachvollziehen, wie schnell sich Tirzah in ihre neue Situation und die Sklaverei gefügt hat. Hier drängte sich mir der Eindruck auf, dass Frau Douglass ihre Schachfiguren viel zu schnell in Position bringen wollte, damit sie endlich mit ihrer eigentlichen Geschichte anfangen konnte.

Diese gefiel mir dann auch im Gegensatz zu dem überhasteten Einstieg recht gut. Das ägyptisch anmutende Setting in der Wüste ist mir so noch nicht begegnet und hebt sich positiv von den häufigen mittelalterähnlichen Welten ab. Auch das Wesen der Pyramide, ihre Bedeutung und welches Eigenleben sie entwickelt war zu Beginn nicht vorhersehbar. Die Motive, die dahinter steckten, waren jedoch so klischeebehaftet und oberflächlich, dass sie völlig unglaubwürdig waren. Das Böse war böse um des Bösen willen, während Tirzah ganz das Gute verkörpert hat. Lediglich Boaz wies eine ambivalente Charakterzeichnung auf, die sich allerdings im zweiten Teil des Buches auch in Luft auflöste.

Obwohl der Roman aus zwei Büchern besteht, wird eine durchgängige Geschichte erzählt, bei der man an keiner Stelle merkt, wo das eine Buch endet und das zweite beginnt. Im Original erschien „Treshold“ auch als Einzelband, so dass es sich bei „Die Glaszauberin“ und „Der Steinwandler“ wohl nur um das übliche Splitten einer etwas umfangreicheren Übersetzung handelt.

Fazit: Abgesehen vom Setting handelt es sich bei „Die Macht der Pyramide“ um ganz gewöhnlich Standard-Fantasy, die sich mit Nichts von der Masse ähnlicher Veröffentlichungen abhebt. Man kann das Buch lesen, aber man verpasst auch Nichts, wenn man es nicht tut. Dafür gebe ich 3 von 5 Kelchen.

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